Wohn- und Gewerbesiedlung Guggach III in Zürich

Brüstungen mit PV-Modulen

Der Milchbucksattel zwischen Käferberg und Zürichberg, dessen Bezeichnung von einem Buckel mit saftigen Weidewiesen herrührt, ist heute Teil eines peripheren Mischgebiets im Norden von Zürich. Hier stehen zwei achtgeschossige Scheibenhochhäuser mit insgesamt 111 Wohneinheiten sowie Gewerbeflächen und einem Kindergarten. Geplant haben sie Donet Schäfer Reimer Architekten (DOSCRE) im Auftrag der städtischen Stiftung Einfach Wohnen.

Die Wohnanlage befindet sich an der Kreuzung zweier großer Straßen, die den Kern Zürichs mit dem Norden und der Autobahn verbinden.
Haus B hat drei außenliegende Treppenhäuser.
Holz, Beton, Blau und Grün prägen das Innere.

Das Umfeld ist geprägt von einem Mix aus Einzel- und Doppelhäusern, Fünfzigerjahre-Zeilen und den jüngeren Großwohnanlagen Guggach 1 und Guggach 2. Drei vierspurige Straßen und eine Tramlinie durchkreuzen das Areal, unter dem außerdem breite Auto- und Bahntunnel verlaufen. An den Rändern finden sich Sportplätze, Schrebergärten, der bewaldete Käferberg und der Universitätscampus Irchel. An der Kreuzung der beiden Einfallstraßen Wehntalerstrasse und Hofwiesenstrasse die beiden neuen, Guggach III genannten Wohnhochhäuser.

Die beiden 50 und knapp 70 Meter langen Scheiben sind um 30 Grad von der Hofwiesenstrasse eingedreht und zueinander versetzt angeordnet. Die kürzere Scheibe, Haus B, hat eine trapezförmige, bis an die Straße reichende Sockelzone mit Supermarkt im Erdgeschoss und Großwohnungen mit Patios im ersten Obergeschoss. Vor der längeren Scheibe, Haus A, mit kleineren Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss wurde ein kleiner spitzwinkliger Vorplatz ausgebildet.

 

Über ihre außenliegende Erschließung sind die beiden Gebäude miteinander verbunden: Am zur Straße gelegenen Haus B erschließen drei nordseitige Aufzugs- und Treppeneinheiten je zwei Wohnungen pro Etage. Das zurückversetzte Haus A verfügt dagegen über südseitige Laubengänge, die in der Regel zehn Wohneinheiten bedienen. An den Stirnseiten sind ebenfalls außenliegenden Treppenhäuser der Laubengänge angeordnet. Der ostseitige, zur Straßenkreuzung ausgerichtete Aufgang sticht durch seine schillernden Rundungen im Stadtraum hervor. Die Nordseite von Haus A sind ab dem zweiten Obergeschoss paarweise zusammengefasste, L-förmige Balkone vorgehängt.

In die Schottenstruktur passten die Architekt*innen unterschiedliche Sozialwohnungen ein – vom Studio bis zur Siebeneinhalbzimmer-Maisonettewohnung. Eine Kombination aus Beton- und Holzoberflächen sowie grünen Fensterprofilen und blauen Türen in den öffentlichen Bereichen für ein freundliches Ambiente.

Fassaden: bauwerkintegrierte Photovoltaik

Abgesehen vom östlichen Treppenaufgang, der mit seinen gerundeten, blechverkleideten Podestbrüstungen vage Assoziationen an die High-Tech-Architektur der 1970er- und 1980er-Jahre weckt, fällt der ungewöhnliche Umgang mit bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) auf: Schräg ausgestellte, dunkle PV-Module prägen die nach Südosten gewandten Straßenansichten beider Gebäude. 

An Haus A sind sie über die gesamte Länge vor die Laubengangbrüstungen gehängt und übernehmen hier die Horizontalgliederung der Fassade. Dahinter rhythmisieren überdimensionierte Säulen vor blau-weißen Farbfeldern die mit grünen Türblättern und Fensterrahmen monochrom gefassten Laubengangzonen. Die geneigten PV-Module fungieren gemeinsam mit den massiven Laubengangbrüstungen zugleich als Schallschutzelemente.

An Haus B finden sich die PV-Module in größerem Format an der Sockelzone. In den darüberliegenden Geschossen sind sie markisenartig vor die dreigeteilten, grünen Lochfenster gehängt und dienen so als feststehender Sonnenschutz. An den übrigen Fassaden der beiden Gebäude wurden gelbe Vertikalmarkisen als außenliegender Sonnenschutz angebracht. Weitere PV-Module befinden sich auf dem Pultdach von Haus B.

Bautafel

Architektur: Donet Schäfer Reimer Architekten, Zürich
Projektbeteiligte: Thiesen & Wolf, Zürich (Bauherrenvertretung), HSSP, Zürich (Baumanagement), Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure, Zürich (Tragwerk/Fassadenplanung), Waldhauser + Hermann, Münchenstein (HLK-Planung), BLM Haustechnik, Zürich (Sanitärplanung), IBG B. Graf Engineering, Winterthur (Elektro-/ PV-Planung), BAKUS Bauphysik & Akustik, Zürich (Bauphysik), planbar, Zürich (Gastroplanung), Rombo – Räume Mobilität Zukunft, Zürich (Verkehrsplanung), Basler & Hofmann, Zürich (Brandschutz), Büro für Nachhaltigkeit am Bau, Zürich (Nachhaltigkeitsplanung), Planungsbüro Jud, Zürich (Mobilitätskonzept), Moiré, Zürich (Signaletik), Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin (Freiraumgestaltung)
Bauherr*in: Stiftung Einfach Wohnen (SEW), Amt für Hochbauten Stadt Zürich und Grün Stadt Zürich
Fertigstellung: 2024
Standort: Hofwiesenstrasse 185, 187, 189, 191, 8057 Zürich, Schweiz
Bildnachweis: Philip Heckhausen, Zürich (Fotos); Donet Schäfer Reimer Architekten GmbH, Zürich (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Fassadenintegrierte Photovoltaik lässt sich besonders gut mit Glasfassaden kombinieren, wie hier an den Brüstungsbändern eines Bürohauses zu sehen.

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Fassadenarten

Sonderform: Photovoltaik-Fassade

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