Wohn- und Atelierhaus Romeo in Hausen

Barrierefreier und geschützter Lebensraum

Seit über 40 Jahren bietet die Stiftung Domino Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Assistenzbedarf. Ihren Hauptsitz hat die Einrichtung in Hausen, einer kleinen Gemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Um den Bedarf an zusätzlichen Räumlichkeiten zu decken, schrieb die Stiftung im Jahr 2014 einen Wettbewerb für ein weiteres Gebäude auf der Parzelle nördlich des bestehenden Wohnhauses aus, den das Architekturbüro Metron für sich entschied. Mit Romeo haben die Planenden aus Brugg einen reduzierten Neubau entworfen, der das Angebot der Stiftung um fünf Wohngemeinschaften sowie einige geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten ergänzt.

Das zweiteilige Gebäude erweitert das Angebot der Stiftung Domino, die sich im benachbarten Gebäude südlich des Neubaus befindet.
Der Neubau setzt sich aus einem dreigeschossigen Wohnbau und einem eingeschossigen Atelierflügel zusammen.
Die unterschiedlichen Nutzungen der beiden Gebäudeflügel von Romeo spiegeln sich sowohl in ihrer Kubatur als auch in ihrem Fassadenbild wider.

Städtebauliche Einbindung

Der Neubau umfasst ein dreigeschossiges Wohngebäude und einen eingeschossigen Atelierriegel, die zusammen ein L-förmiges Bauvolumen bilden. Das Gebäude befindet sich zwischen der Hausener Hauptstraße und der Römerstraße und fügt sich unaufdringlich in die dörfliche Nachbarschaft ein. Der Wohnbau greift die Traufkanten des bestehenden Stiftungs-Hauses auf; der niedrigere Atelierflügel dient mit seinem Vorplatz an der Südfassade als Bindeglied zwischen Bestand und Neubau. Bis auf einen Durchgang im Untergeschoss sind Wohn- und Ateliertrakt räumlich voneinander getrennt.

Die unterschiedlichen Nutzungen spiegeln sich sowohl in der Kubatur als auch im Fassadenbild wider: Der Atelierflügel besitzt eine Betonfassade, der Wohnbau eine Holzelementfassade. Geschossweise umlaufende, brüstungshohe Bänder aus vertikalen Holzlatten fassen die Gebäudeteile zusammen und lassen sie optisch zu einer Einheit verschmelzen.

Flexibel nutzbare Atelierräume

Erschlossen wird das Gebäude über den eingerückten und damit witterungsgeschützten Haupteingang an der Ostseite. Rechts geht es in den Wohntrakt, geradeaus durch eine doppelflügelige Holztür in den breiten Flur des Atelierflügels. Der lange Gang dient nicht nur als Erschließungszone zu den Arbeits- und Mehrzweckräumen, sondern auch als Begegnungsort für Bewohner*innen, Besucher*innen und Mitarbeitende. Farbenfrohe Sitzgelegenheiten, runde Tische und eine kleine Teeküche laden zum Verweilen ein. Die verglaste Fassade lässt viel Tageslicht herein und erlaubt Ausblicke auf den üppig bepflanzten Garten im Innenhof.

Fünf großzügige Atelierräume und ein Sitzungssaal reihen sich in dem flachen Gebäuderiegel aneinander. Alle sind durch eine Enfilade entlang der Südfassade verbunden und verfügen über blaue Einbauschränke und Waschbecken. Die ansonsten leeren Räume sind frei bespielbar und eignen sich für unterschiedliche Zwecke. Holzverkleidungen an den Wänden und die Holzbalkenkonstruktion der Decke schaffen in Kombination mit dem gräulichen Bodenbelag eine warme und freundliche Atmosphäre. Das Dach des flachen Atelierriegels ist über eine Außentreppe zugänglich und dient als Gemeinschaftsterrasse.

Barrierefreies Wohnen

Insgesamt fünf Wohneinheiten verteilen sich auf die drei Geschosse des Wohntrakts. Eine befindet sich im Erdgeschoss und bietet Platz für sechs Personen, in den beiden Obergeschossen gibt es jeweils eine Wohneinheit für vier Personen und eine für sechs Personen, wobei zwei Zimmer flexibel der einen oder der anderen Wohnung zugeordnet werden können. Jede verfügt über einen Wohn-, Ess- und Kochbereich mit angrenzender Loggia. Der barrierefreie Zugang sowie die Bedürfnisse der Pflege sind sorgfältig in die Gestaltung der einzelnen Wohnungen integriert. So sind die Küchen beispielsweise unterfahrbar ausgeführt, um Rollstuhlfahrer*innen die Nutzung zu erleichtern.

Die Sanitär- und Pflegeräume sind im Gebäudekern angeordnet, rundum die Zimmer. Es gibt viel Raum für eine individuelle Einrichtung: Lediglich die Fensterrahmen und die gelochte Akustikverkleidung aus Eiche sind fest integrierte Gestaltungselemente. In den oberen Etagen befindet sich zwischen den Wohngemeinschaften jeweils ein Assistenzzimmer, sodass bei Bedarf Unterstützung in unmittelbarer Nähe ist.

Bis ins kleinste Detail

Damit sich alle Personen, auch die mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung, im Gebäude gut zurechtfinden, unterscheiden sich die verwendeten Materialien nicht nur optisch, sondern auch haptisch und akustisch voneinander. Die individuelle Position innerhalb des Gebäudes kann zum Beispiel anhand unterschiedlicher Oberflächentexturen ertastet werden. Sorgfältig geplante Details ziehen sich durch das gesamte Gebäude und umfassen auch die verbauten Beschläge. Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang der Stoßgriff an der Tür zum Atelierflügel.

Die weiße Griffstange, von den Architekt*innen entworfen, nimmt gestalterisch Bezug auf die weich geschwungenen Treppengeländer sowie die Gebäudebeschriftung neben dem Haupteingang. Die Rahmentür aus Eiche mit Glasfüllung ist zusätzlich mit einem Drehflügelantrieb versehen, der das barrierefreie Passieren ermöglicht. -sms

Bautafel

Architektur: Metron, Brugg
Projektbeteiligte: Metron, Bern (Landschaftsarchitektur); Mund Ganz + Partner, Brugg (Bauingenieur); Makiol Wiederkehr, Beinwil am See (Holzbauingenieur); SEPA Elektro Engineering, Rupperswil (Elektroplanung); Planea, Wohlen (Gebäudetechnik); Steigmeier Akustik + Bauphysik, Baden (Bauphysik)
Bauherr*in: Stiftung Domino, Hausen
Fertigstellung: 2022
Standort:
Hauptstraße 56, 5212 Hausen, Schweiz
Bildnachweis: Andreas Buschmann, Zürich; Florian Nussberger, Brugg (Fotos); Metron, Brugg (Pläne)

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