Wälderhaus in Hamburg

Nahwärmenetz, Wärmepumpe und Bauteilaktivierung

Unter dem Motto „Der Wald kommt in die Stadt“ ließ die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mitten in Hamburg-Wilhelmsburg das Wälderhaus bauen. Konzipiert als Ausstellungs- und Schulungshaus mit Hotel und Restaurantbetrieb, liegt es nur wenige hundert Meter entfernt von der S-Bahn-Station Wilhelmsburg und nahe des Haupteingangs zur Internationalen Gartenschau Hamburg (IGS 2013). Das fünfgeschossige Gebäude mit der expressiven Holzfassade ist im Grundriss etwa L-förmig und schließt die südliche Ecke eines Baublocks. Als sogenanntes Exzellenz-Projekt wurde es im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Hamburg IBA 2013 realisiert.

Der leicht geschwungene Baukörper ist vollständig mit Lärchenholz verschalt und verjüngt sich über fünf Geschosse nach oben
Das Science Center Wald im Erd- und Obergeschoss
Im Restaurant kommen Produkte aus der Hamburger Region auf den Tisch

In den unteren beiden Geschossen erstreckt sich auf rund 650 m² der Science Center Wald, ein Ausstellungsbereich, der den Besuchern den Wald als Ökosystem näher bringen soll. Zu sehen sind echte Bäume, präparierte Tiere und Schaukästen; Highlight ist u.a. ein 20 Mio. Jahre alter, versteinerter Baum. Angebunden an die Ausstellung sind Räumlichkeiten für Schulungen und Seminare im Obergeschoss sowie ein Restaurant im Erdgeschoss. Die oberen drei Etagen nimmt das Raphael Hotel Wälderhaus ein, ein ökologisch ausgerichtetes Drei-Sterne-Hotel mit 82 Gästezimmern. Diese sind nach einheimischen Baumarten benannt und entsprechend eingerichtet.

Der leicht geschwungene Baukörper ist vollständig mit Lärchenholz verschalt und verjüngt sich über fünf Geschosse nach oben. Die unteren beiden Etagen sind aus Brandschutzgründen in Stahlbetonweise errichtet. Die oberen drei Hotelgeschosse, insgesamt 13 Meter hoch, sind durchgehend aus Holz mit tragenden Bauteilen aus Brettsperrholzelementen gefertigt. Die Lärchenholzfassade wird von Vögeln und Insekten bewohnt, angelockt durch angepflanzte Nester. Auch das Gründach dient als Lebensraum für Tiere und Pflanzen – 9.000 Büsche und 500 Bäume krönen das Gebäude.

Heizung/Energiekonzept
Die Versorgung der Grundlast des Heizsystems erfolgt über das Wilhelmsburger Nahwärmenetz, gespeist durch ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk. Die Spitzenlast deckt eine reversible Wärmepumpe ab: Über 94 aktivierte Energiepfähle holt diese die Wärme im Winter bzw. die Kälte im Sommer aus dem Erdreich unter dem Gebäude. Die Fußböden in beiden unteren Geschossen sind thermisch aktiviert.

Die mechanische Lüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung ist individuell geregelt; die zusätzliche Fensterlüftung erhöht den Nutzerkomfort. Eine Photovoltaikanlage dient der Stromerzeugung. Die intensive Dachbegrünung mit Büschen, Hainbuchen und anderen heimischen Arten verbessert das innerstädtische Mikroklima, hält das Regenwasser zurück und trägt zur Gebäudekühlung bei. Zudem sorgt die Herabsenkung der Temperaturen auf dem Dach auch für eine Leistungssteigerung der dort angebrachten Photovoltaik-Anlage.

Bautafel

Architekten: Studio Andreas Heller Architects & Designers, Hamburg
Projektbeteiligte: Assmann Beraten + Planen, Hamburg (Tragwerk); WES & Partner Landschaftsarchitekten, Hamburg (Freiflächengestaltung); Schlüter + Thomsen Ingenieurgesellschaft, Neumünster (Überwachung Technische Gebäudeausrüstung); Hahn Consult, Hamburg (Brandschutz)
Bauherr:
Schutz­gemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Landesverband Hamburg e.V.
Standort: Am Inselpark 19, 21109 Hamburg
Fertigstellung: 2012

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