Upcycled Sauna in Brünn

Gebaut aus Gebrauchtem

Das Stadtleben kann anstrengend sein, die Zeit im Büro dröge. Statt E-Mails zu schreiben, wollte das Team von Ika.arhitekti etwas mit den eigenen Händen machen. In einem Garten in Brünn (Tschechisch: Brno) bauten Tomáš Dvořák und Lenka Bažík eine Sauna aus wiederverwendeten Materialien, inklusive der Mineral- und Schafwolle.

Gebrauchte Glasfaser-Wellplatten bilden die Fassade.
Um dem Kubus weiche Konturen zu geben, wurden die Platten an den Seitenkanten gebogen.
Hinter den Wellplatten befinden sich mit Schafswolle gefüllte Europaletten.

Gärten wie dieser sind wahre Sehnsuchtsorte: Umgeben von hohem Gebüsch wächst dichtes Gras. Jetzt tragen die Bäume Blüten, aus denen im Verlauf des Jahres Äpfel wachsen. Von den Ästen hängen Kletterseile und Schaukeln. Inmitten dieser idyllischen Kulisse steht ein Würfel mit einer Haut aus gelbbraunen Wellplatten, so transluzent, dass die Sonnenstrahlen sie ganz zart erscheinen lassen. In die drei Schuppenreihen eingeschnitten ist eine Tür.

An einer Seite dringt ein Rohr aus der Haut und ragt in einer langgestreckten S-Kurve bis knapp über die Attika. Dem Häuschen zur Seite gestellt ist eine kantige, khakifarbene Wanne zum Abkühlen nach dem Saunagang. In dem kleinen Raum befinden sich eine Bank aus Holzlatten und ein schwarzer, kastiger Ofen. Brennt dort abends das Licht, dringt ein rötlicher Schimmer durch das Türblatt.

Gebaut aus Gebrauchtem

Tomáš Dvořák und Lenka Bažík durchstöbern gerne Secondhand-Webseiten und horten, was noch nützlich sein könnte. Als sie begannen, ihre Sauna zu entwerfen, verfügten sie über ein paar Holzschwellen, einen Stapel Bretter und Balken, einige zementgebundene Spanplatten und Reste von Mineralwolle. Dann fanden sie sehr günstige gebrauchte Europaletten, mit einer Seitenlänge von 1 x 1 m. Nach und nach ergänzten Überbleibsel von Freunden und anderen Bauprojekten den Materialpool.

An ihren freien Wochenenden setzten Tomáš und Lenka den Traum von der eigenen Sauna in die Tat um: Die Holzschwellen dienten als Fundament, darauf legten sie eine der Paletten, füllten sie mit Minerallwolle und verlegten einen Fußboden aus zementgebundenen Spanplatten. Die Paletten nutzten die Beiden auch für die Wände. Aus den übrig gebliebenen Balken und einer weiteren Palette zimmerten sie das leicht geneigte Flachdach.

Dämmung: Vom Schaf in die Wand

Wände und Dach wurden mit roher Schafwolle gedämmt, die Tomáš und Lenka sehr günstig von einem örtlichen Schäfer erworben hatten. Per Hand reinigten sie die Faserflocken von den größten Rückständen, bevor sie sie in die Zwischenräume der Paletten stopften. Raumseitig hält ein Schutznetz die Dämmschicht in Position, darüber ist eine hitzereflektierende Folie gelegt. Überwiegend bilden Fichtenbretter die Innenoberfläche, hinter dem Ofen wurden jedoch die zementgebundenen Spanplatten angebracht, um die Hitze besser im Raum zu halten.

Außenseitig schützt eine wasserundurchlässige Fassadenbahn die Dämmung, darauf ist ein Gitter aus übriggebliebenen Fichtenlatten angebracht. Diese dienen als Unterkonstruktion für die gebrauchten Glasfaser-Wellplatten, die die Wetterschale bilden. Die Platten überlappen sich leicht, wie Schuppen. An den Ecken wurden sie gebogen, um dem Bauwerk weichere Konturen zu verleihen.

Bautafel

Architektur: ika.architekti, Brno
Bauherr: Tomáš Dvořák
Fertigstellung: 2024
Standort: Brno, Tschechien
Bildnachweis: Tomáš Slavík (Fotos); ika.architekti (Pläne)

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