Umbau Silo Erlenmatt in Basel

Herberge statt Schüttgutlager

Das Silo für Schüttgüter aus dem Jahr 1912 ist gewissermaßen ein Methusalem im neuen Erlenmatt-Quartier in Basel. Auf der ehemaligen Güterbahnhofsfläche sind in den letzten Jahren zahlreiche Wohnbauten rund um einen großzügigen Park entstanden. Halbkreisförmig legen sich im Norden die Autobahnen, die in die nahen Nachbarländer Deutschland und Frankreich führen, um das Gebiet.

Den Umbau des im Jahr 1912 fertiggestellten Gebäudes plante das Architekturbüro Harry Gugger Studio.
Die neue Nutzung des Bestandes ist – wie das gesamte Quartier – von Durchmischung geprägt.
Blick vom Hof auf die Westfassade

Das Gebäude, in dem unter anderem Getreide und Kakaobohnen gelagert wurden, blieb als Zeugnis der Vergangenheit erhalten. Es ist Teil einer neuen Zeilenbebauung entlang der Autobahn und wurde vom Büro Harry Gugger Studio umgebaut. Zum Park hin sind zwei Geschosswohnungsbauten angeordnet, die von der Abschirmung profitieren.

Kreisrund durchlöchert

Die neue Nutzung des Bestandes ist – wie das gesamte Quartier – von Durchmischung geprägt: Ein Bistro mit Außensitzfläche und Seminarräume belegen das Erdgeschoss, zudem ist dort die Rezeption eines Hostels angeordnet. In den Obergeschossen sind Atelier- beziehungsweise Arbeitsräume und Gästezimmer zu finden.

Eine Instandsetzung der Eisenbetonkonstruktion war aufgrund des guten Zustands des Gebäudes nicht notwendig. Die kreisrunden Ausschnitte der Fassade wurden im Obergeschoss mithilfe einer sogenannten Kreisseilsäge in die Bestandswand geschnitten. Im Erdgeschoss verbaute man entsprechend gestaltete Fertigteile. Die Wand wurde mit einer Vorsatzschale aus Porenbeton-Mauersteinen versehen und in einem hellen Farbton verputzt.

Gerahmt von Treppenhäusern

Die neuen bullaugenartigen Fenster sorgen für Belüftung, Tageslicht und den Sichtbezug nach außen – ohne die Tektonik der Fassade zu verändern. Eingriffe in die Bausubstanz wurden darüber hinaus auf ein Minimum reduziert. Die Wände der charakteristischen Silokammern im ersten Obergeschoss sind ebenso wie die Abfülltrichter weitgehend erhalten geblieben. Zwei Geschossdecken, für die das Planungsteam 20 Prozent Recyclingbeton verwenden ließ, wurden neu eingebaut. Auf den Gebäudeschmalseiten sind zwei Treppenhäuser aus Sichtbeton entstanden.

Spuren der Vergangenheit

Diese kontrastieren mit dem weiß gestrichenen Bistro, in dem sich ringförmige Leuchten um die Abfülltrichter legen und Zimmerpflanzen in einfachen Stahlregalen den Raum beleben. In den Obergeschossen lassen patinabehaftete Details – wie etwa die Nummerierung der Räume, die alten Stahlträger und die rau strukturierten Kammerwände – die alten Zeiten augenscheinlich werden. Dazu kombinierte das Planungsteam in den Korridoren Mauern aus hellen Akustikklinkern, Türen und Oberlichter aus Holz sowie Geländer aus Stahl mit Ausfachungen aus Maschendrahtzaun. In den Mehrbettzimmern des Hostels sorgen bodenlange dunkelrote Vorhänge und mit Holz ausgekleidete Bettnischen in dem ansonsten industriell anmutenden Ambiente für eine einladende Atmosphäre.

Schalung: Dreidimensionales Puzzle
Aufgrund des bestehenden Betondachs konnte bei der Baustelleneinrichtung und bei den Betonierarbeiten kein Kran eingesetzt werden. Die Einschalung der Treppenhäuser musste daher auf engem Raum erfolgen und alle Einzelteile wurden per Hand – zum Teil mithilfe eines Kettenzugs – in Position gebracht.

Die Treppe setzt sich aus zwei im rechten Winkel zueinander angeordneten Läufen zusammen. Die Untersicht zeigt – ebenso wie die Brüstungen – eine geschwungene Form. Dort, wo die Läufe ineinander übergehen, ist das Bauteil doppelt gekrümmt. Ein Treppenauge in Form eines Dreiecks mit abgerundeten Ecken erlaubt den Blick vom Erdgeschoss bis unters Dach.

Ein Fall für den Roboter

Die Schalungselemente wurden großteils vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt. Die doppelt gekrümmten Schalungselemente ließ man mithilfe eines Roboters anhand der digitalen Daten fräsen, um eine möglichst präzise Ausführung zu erreichen. Einen Eindruck von Herstellung und Einbau der Schalungselemente vermittelt ein Video des ausführenden Unternehmens (siehe Surftipps).

Die Erstellung des Sichtbetons der Treppenhäuser erfolgte gemäß dem Schweizer Schalungstyp 2 (nach SIA 118/262 „Allgemeine Bedingungen für Betonbau“) mit der zusätzlichen Anforderung einer einheitlichen Tafelschalung mit vorgegebenem Schalungsbild. -chi

Bautafel

Architektur: Harry Gugger Studio, Basel
Projektteam: Harry Gugger, Michael Zink, Gonzalo Ampudia, Mengjie Cheng, Franziska Cherdron, Thomas Domenger, Sara Jardim, Furio Montoli, Gunnar Stachmann, Vera Hollek, Rachel Testard, Gregory Then, Jan Wiedmer
Projektbeteiligte: Eitel & Partner; Basel (Projektmanagement); Schnetzer Puskas, Basel (Tragwerksplanung); Gartenmann Eng, Basel (Bauphysik); Waldhauser + Hermann, Münchenstein (Gebäudetechnik); Gemperle Kussmann, Basel (Sanitärplanung); Edeco, Aesch (Elektroplanung); Quantum Brandschutz, Basel (Brandschutz); PPEngineering, Basel (Fassadenplanung); Erne, Laufenburg (Bauausführung mit Herstellung Schalung Treppenhaus)
Bauherrschaft: Stiftung Habitat, Basel; Nutzung durch Silo by Talent, Basel
Standort: Signalstrasse 37, 4058 Basel, Schweiz
Fertigstellung: 2020
Bildnachweis: Marc Gilgen (Teaserbild); Christian Kahl; Lukas Schwabenbauer; Leon Faust; Silo by Talent, Basel; Harry Gugger Studio, Basel

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