Swiss Life Arena in Zürich

Kunstvoll modellierte Betonfassade

Im Quartier Altstetten im Nordwesten der Züricher Limmatstadt fungiert die neue Swiss Life Arena als neue Heimspielstätte des Eishockeyclubs ZSC Lions – und als Location für weitere Sportveranstaltungen, Events und Shows. Den 2013 durchgeführten Architekturwettbewerb entschied das Büro Caruso St. John Architects mit Sitz in London und Zürich für sich. Anlässlich einer Eishockey-Partie wurde das Bauwerk im Oktober 2022 feierlich eröffnet. Der enormen Masse des Betonbaukörpers setzten die Gestalterinnen und Gestalter auf spielerische Weise ein gestalterisches Detail entgegen: Das detailreiche Fassadenrelief erweckt den Eindruck eines textilen Faltenwurfs, der sich wie ein zurückgeschobener Vorhang um markante kreisförmige Fenster legt.

Das Areal grenzt an Gleisanlagen, die Neubebauung bildet einen voluminösen Stadtbaustein.
Besondere Aufmerksamkeit wurde beim Entwurf auf die feinen Fassadenreliefs gelegt.
An den Stirnseiten des Gebäudes umfließt ein filigranes Fassadenmuster versetzt angeordnete Bullaugenfenster.

Von außen präsentiert sich das quaderförmige Gebäude als großmaßstäblicher Stadtbaustein nebst einer kleinformatigen Gartenanlage sowie den Gleisen einer breiten Bahnverkehrsachse. Das Areal, auf dem sich ursprünglich Werkhallen einer Motorboot- und Automobilfabrik befanden, besetzt nun der 170 Meter lange, 110 Meter breite und bis zu 33 Meter hohe Stahlbetonbau. In der großen Arena finden rund 12.000 Zuschauer Platz, dazu kommen noch Logenplätze sowie kleinere Sport- und Trainingshallen. Ebenfalls verteilen sich um den prominenten Hohlraum im Inneren Flächen für Gastronomie, Freizeit und Gewerbe. 70.000 Quadratmeter umfasst die Swiss Life Arena insgesamt. Im Bauwerk sind laut der Planungsbeteiligten rund 5.700 Tonnen Stahl und 100.000 Tonnen Beton verbaut, was ungefähr dem zehnfachen Gewicht des Eiffelturms entsprechen soll.

Großer Vorhang mit theatralem Bezug

Der schieren Masse des Gebäudes, das die Bauherren als Landmarke und die Architekten als Einfallstor zur Stadt bezeichnen, wollten Letztere eine gestalterische Geste entgegensetzen. So sollte die Fassade trotz oder gerade aufgrund ihres Materials eine textile Anmutung erhalten und einem Vorhang gleichen. Die Symbolik bezieht sich dabei sowohl auf den dahinterliegenden Inhalt als Show- und Sportarena, wie auch auf die Absicht, einen theatralen Eingang zum Stadtraum zu bilden. Die Entwurfsfindung war begleitetet von Studien zur optischen Wirkung von Zeltkonstruktionen oder von fallenden Gewändern in historischen Kunstdarstellungen. Die Annäherung und anschließende Übertragung auf konstruktiver Ebene erfolgte in einem aufwendigen und äußerst präzisen Prozess.

Charakterisierende Fassadengestaltung

Umgesetzt wurde die Idee in zwei wesentlichen Gestaltungsformaten. Die fensterlosen Längsseiten des Gebäudes, die sich zwischen der Gleisanlage und einer Autobahn aufspannen, sind als kannelierte Fassadenflächen ausgeführt, die den regelmäßigen Faltenwurf eines Tuchs oder Vorhangs imitieren. An den Stirnseiten des Gebäudes umfließt ein filigraneres Fassadenmuster versetzt angeordnete Bullaugenfenster. Die Betonstruktur ergänzt dabei die Geometrie der Öffnungen und fungiert als charaktergebendes Element für das großmaßstäbliche Bauwerk.

Schrittweise Annäherung an das gewünschte Fassadenbild

Ursprünglich sollte der inneren Stahlbetonkonstruktion eine Dämmung und vorgefertigte Betonplatten als äußere Gebäudehülle vorgesetzt werden. Im Planungsprozess konnten die Architekten jedoch eine signifikante Material- und Kosteneinsparung durch die Ausführung als einschalige Ortbetonwand mit Innendämmung und entsprechend gestalteter Betonstruktur nachweisen. Um sich dem gewünschten Fassadenbild so präzise wie möglich zu nähern, wurden zahlreiche Fassadenmodelle erstellt. Diese reichten vom CNC-gefrästen Styropormodell im Maßstab 1:20 und einem 3D-Druck aus Kunststoff im Büro bis hin zu einem Mock-up im Originalmaßstab, der beim Bauunternehmen Marti im benachbarten Regensdorf gegossen wurde.

Unterschiedlich geschalte Stirn- und Längsseiten

Das Fassadenbild und die entsprechenden Strukturmatrizen für die Fassadenschalung erarbeiteten die Architekten im gemeinsamen Prozess mit den ausführenden Unternehmen, die Umsetzung übernahm der Hersteller Noe. Die Abgüsse der in CNC gefrästen Kunststoffmatrizen wurden in die Schalung gelegt und schließlich in Beton gegossen. Dabei entsprach eine Matrize der Geschosshöhe von 3,42 Metern. Anhand eines exakten Schalungsplans kamen die Schalungseinlagen teilweise mehrfach zum Einsatz. Der Baumeister entschied sich beim Projekt für besonders große Betonierabschnitte mit 13 Metern Höhe, wodurch sich die Anzahl der Matrizen auf rund 60 reduzierte. Die Fassaden an den Längsseiten realisierten die Beteiligten mithilfe einer Kletterschalung, während an den Stirnseiten klassische Stahlschalungen mit Gerüst zum Einsatz kamen. Insgesamt entstanden tragende Außenwände mit 25 Zentimetern Stärke, auf denen die nicht ausarmierte Wellenstruktur sechs Zentimeter tief aufbaut. Durch die Strukturmatrizen entstand eine besonders schalungsglatte Oberfläche, die aufgrund eines Weißzementzuschlags im verwendeten Konstruktionsbeton mit Recyclinganteilen hell anmutet und dem Sichtbeton optisch zusätzliche Massivität entzieht. -sab

Bautafel

Architektur: Caruso St. John Architects, London / Zürich
Projektbeteiligte: CCTM Real Estate & Infrastructure, Basel (Entwicklung und Gesamtprojektleitung); Emch+Berger ImmoConsult, Zürich (Bautreuhand)  Antón Landschaft, Zürich (Landschaftsarchitektur); HRS Real Estate, Frauenfeld (Totalunternehmerin); Ferrari Gartmann, Chur (Bauingenieure); Bakus Bauphysik & Akustik, Zürich (Bauphysik/Akustik); Kalt + Halbeisen Ingenieurbüro, Zürich (Haustechnik); enerpeak, Dübendorf (Elektroplanung)
Bauherr/in: ZSC Arena Immobilien, Zürich
Standort: Vulkanstrasse 130, 8048 Zürich
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: ZSC Lions; Philip Heckhausen; Caruso St. John Architects

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