Suffizienzhaus U10 in Kassel

Einfach, kostengünstig und ökologisch bauen

Wie gelingt einfaches, kostengünstiges und ökologisches Bauen ohne Ressourcen zu verschwenden? Das Suffizienzhaus U10 in Kassel soll dies beispielhaft demonstrieren. Foundation 5+ architekten planten das Gebäude mit dem Anspruch, den Bauaufwand zu minimieren und gesetzliche Mindeststandards einzuhalten.

Blick Richtung Nord-Ost: Das Areal der ehemaligen Martini-Brauerei hat sich in den letzten Jahren gewandelt.
Fassade mit Rankhilfen aus Holz
Balkone zur Straßenseite

Der fünfstöckige Holzbau schließt als letzter Baustein der Umnutzung der ehemaligen Martini-Brauerei eine 13 Meter breite Baulücke in der städtebaulichen Struktur aus der Gründerzeit. Das Areal im Kasseler Stadtteil Vorderer Westen hat sich in den letzten Jahren gewandelt: von einem hermetisch abgeschlossenen Block in ein lebendiges Viertel zum Wohnen und Arbeiten mit diversen Gemeinschaftseinrichtungen.

Kosten- und ressourcensparendes Konzept

Das beheizte Volumen des Gebäudes wird durch ein Treppenhaus, das außerhalb der thermischen Gebäudehülle liegt, reduziert. Anstelle eines Kellergeschosses werden auf dem Dach unbeheizte Räume für gemeinschaftliche Zwecke wie eine Waschküche und ein Trockenraum eingerichtet. Bei Bauwerken in massiver Holzbauweise ist eine geringe Deckenspannweite sinnvoll, um eine ökonomische und materialsparende Konstruktion zu erzielen. Beim Suffizienzhaus U10 sorgt eine aufgelöste Wandscheibe als tragende Mittelachse für maximale Flexibilität bei der Grundrissaufteilung.

Jede Etage stellt eine Wohneinheit dar, bestehend aus vier Zimmern, zwei Bädern, zwei Küchen und einem zentralen, teilbaren Raum. Auf der Dachterrasse stehen den Bewohnern ein Gemeinschaftsraum sowie eine Pergola zur Verfügung. Der Ausbau der Pergola erfolgt in Kooperation mit den Mietern.

Nachwachsende Materialien, wiederverwendete Bauteile

Bei der Konstruktion wurden Materialien verwendet, die möglichst ressourcenschonend, CO₂-reduziert und vorzugsweise nachwachsend sind. Massivholzelemente kamen für Wände, Decken und Dach ab der Decke des Erdgeschosses zum Einsatz. Nichttragende Innenwände sind in Holzständerbauweise mit Holzfaserdämmung erstellt. Für die Bodenbeläge wurde Massivholz gewählt und das Dach ist mit Holzweichfaser gedämmt. Die Materialien und Verbindungen lassen sich größtenteils rückbauen und recyceln.

Zudem wurden gebrauchte Bauteile eingesetzt – darunter Innentüren, Heizkörper, Sanitärobjekte und Balkongeländer – oder defekte Bauteile wie Holzfenster und Fassadenplatten verbaut. Auch Altmaterialien wie Klinker, Wellblech, Schieferplatten, überschüssige Fliesen und Betonplatten wurden verwendet. Das experimentelle Bauen mit Produktionsresten, gebrauchten oder fehlproduzierten Bauteilen verringerte die CO₂-Emissionen und trug zu einem ressourcenschonenden Bauprozess bei.

Flachdachaufbau

Das zweiprozentige Gefälle wird konstruktiv hergestellt durch die Brettschichtholzdecke (160 mm), wodurch eine Holzweichfaserdämmung anstatt einer EPS/Mineralwolle Dämmung ermöglicht wurde. Über der Brettschichtholzdecke bildet eine Bitumenschweißbahn (5 mm) die Abdichtung, gefolgt von einer 220 mm dicken Dämmung aus Holzfasern. Diese wird durch eine FPO-Abdichtung (2 mm) geschützt.

20 mm starke Dämmmatten bilden darüber die Trittschalldämmung, 60 mm Splitt und 40 mm Betonplatten den oberen Abschluss der Dachterrasse. Eine Attika gibt es nicht; die freie Entwässerung erfolgt über Kiesfangleisten, Trapezblechdach und Regenrinne.

Bautafel

Architektur: foundation 5+ architekten und landschaftsarchitekten, Kassel
Projektbeteiligte: foundation 5+ architekten und landschaftsarchitekten, Kassel (Freianlagen); IB Maestre, Hans Weishaar, Kassel (Statik, TGA-Planung); RBS Ingenieure, Kassel (Bauphysik); Stein Ingenieure, Droyßig (Brandschutz); FH Erfurt, Fachgebiet Entwerfen und energieeffizientes Bauen, Prof. Philipp Krebs (Wissenschaftliche Begleitung); Mario Hoebel, Lisa-Marie Schmidt (Bauteilsuche)
Bauherr: Baugemeinschaft U10, Kassel
Fertigstellung: 2024
Standort: Uhlandstraße 10, Kassel
Bildnachweis: foundation 5+ architekten, Fotograf: Constantin Meyer

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