Sportanlage in Daillens
Holz und Stroh für neue Umkleiden
Das Örtchen Daillens, 13 km von Lausanne entfernt, verfügt über einen Sportplatz, den unter anderem der Fußballverein FC Venoge nutzt. Das bestehende Umkleidehaus aus den 1970er-Jahren schien heruntergekommen und baufällig – zu baufällig für eine Renovierung, fanden die Gemeindevertreter*innen und ließen es abreißen. 2024 war der neue, strohgedämmte Ersatzbau des Büros Localarchitecture fertig.
Obwohl es sich um ein Bauprojekt bescheidenen Ausmaßes handelte, führte die Gemeinde einen geschlossenen Wettbewerb durch. Das Ziel war, einen Neubau mit möglichst geringem ökologischen Fußabdruck und unter Rückgriff auf lokale Ressourcen und Kompetenzen zu errichten. Der siegreiche Entwurf von Localarchitecture aus Lausanne war inspiriert von den landwirtschaftlichen Nutzbauten der Gegend. Charakteristika wie das Metalldach und die horizontale Ausrichtung prägen daher das Umkleidehaus. Die raffinierte Holzarchitektur verstehen die Planenden als Hommage an das handwerkliche Können der Holzarbeiter*innen und die Flexibilität des Materials.
Schlichte Eleganz
Das langgestreckte Umkleidehaus begrenzt die Westseite des Fußballplatzes, während sich die fernen Kämme des Juragebirges über den First erheben. Beinahe gekrümmt erscheint das flache Satteldach mit seiner bogenförmig ausgeschnittenen Traufe. Am Ortgang streckt sich die Wellblechdeckung den Grashalmen entgegen. Der große Dachüberstand bietet eine geschützte Veranda, die vom Parkplatz im Süden bis zu den Agrarflächen im Norden reicht, rhythmisiert durch die Holzkonstruktion mit ihren sich wiederholenden Bauteilen.
Drei symmetrisch angeordnete Durchgänge sind unter dem Dach zu sehen. Der mittlere ist etwas breiter und wird von einem Sprengwerk überkrönt, das die hier weggelassenen Stützen abfängt. In den vier separaten Volumen sind beheizte Umkleiden und Sanitärbereichen untergebracht, ein Lokal für den Pétanque-Club sowie in der Mitte ein Gemeinschaftsbereich mit Bar und Küche. Die Einheiten werden jeweils seitlich, von den überdachten Durchgangsräumen erschlossen, die zugleich als Treffpunkte für die Spielteams dienen.
Das Gebäude ist leicht vom Terrain abgehoben, es scheint quasi darüber zu schweben. Die Höhe der Bodenplatte entspricht ungefähr der einer Sitzbank, sodass sie sich umlaufende als Tribüne eignet. Von hier lassen sich die Spiele verfolgen oder die Abendsonne hinter den Bergspitzen genießen. Verschiedene, auch öffentliche Nutzungen soll das Gebäude ermöglichen und, so der Anspruch der Architekt*innen, die Dorfgemeinschaft zusammenbringen.
Dämmung aus Stroh, Gras und Jute
Viel Wert wurde auf lokale Materialien von lokalen Unternehmen gelegt, auch um die Transportwege kurzzuhalten. Abgesehen von dem Sockel und den vier Streifenfundamenten aus Beton besteht das Tragwerk aus Holz. Zum Einsatz kamen Lärche und Tanne, die hauptsächlich aus Wäldern im Umland stammen.
Das Dach hat eine Zwischensparrendämmung mit Isoliermatten aus Gras und recycelter Jutefaser, die Wände hingegen wurden mit Stroh gedämmt, welches die Bauern des Dorfs lieferten. Die standardmäßigen Abmessungen der 1.200 kleinen, quaderförmigen Ballen bildeten die Basis für den gesamten Entwurf, bis hin zu den Details. Für ihre Herstellung wurden eigens die alten Pressen reaktiviert. Anschließend stopften man sie per Hand in die bereits vorgefertigten Wandelemente aus massivem Tannenholz.
Baustoffe im Kreislauf
37 gleiche Rahmen aus Brettschichtholz bilden die Primärstruktur. Sie sind in gleichmäßigen Abständen über den Grundriss verteilt und ihre Konstruktionstiefe entspricht der Breite der Strohballen. Sie verfügen über unterschiedlich lange Konsolen, die die Latten der Außenverkleidung und das Wellblechdach tragen. Das helle Holz der Tragkonstruktion und die grünen Paneele aus Lärchenholz trennen die Fassadenbauteile visuell voneinander und machen die Einzelteile der Konstruktion ablesbar. Das Gebäude soll leicht und weitgehend zerstörungsfrei bis auf das Fundament zerlegbar sein.
Zudem verwendeten die Planenden möglichst viele Elemente der alten Infrastruktur. So wurde zum Beispiel die alte Stiefelwaschanlage an einen anderen Ort verlegt, ebenso wie einer der alten Unterstände auf dem Gelände, in dem jetzt die Wärmepumpe untergebracht ist. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt die Wärmepumpe und weitere Geräte mit Strom. Auf diese Weise halten sich der Energieverbrauch im Betrieb und die eigene Energieproduktion des Gebäudes die Waage.
Bautafel
Architektur: LOCALARCHITECTURE, Lausanne
Projektbeteiligte: Bureau Cambium, Yverdon-les-Bains (Holzbauingenieur); 2M, Yverdon (Tragwerksplanung); Energa, Yverdon-les-Bains (Heizung, Lüftung und Sanitär); Perrin Spaeth, Crissier (Elektroplanung); Pascal Heyraud, Neuchâtel (Landschaftsarchitektur); Amédée Berrut, Collombey (Holzbau); E préfabriqué, Pompaples (Vorfertigung); Gindraux, Le Mont-sur-Lausanne (Zimmererarbeiten im Außenbereich); Gallarotti, Carouge (Zimmererarbeiten im Innenbereich)
Standort: Chemin de l’Arbalète, 1306 Daillens, Kanton Waadt, Schweiz
Bauherrschaft: Gemeinde Daillens, Schweiz
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Matthieu Gafsou, Lausanne (Fotos); LOCALARCHITECTURE, Lausanne (Baustellenfotos und Pläne)
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