Sport- und Mehrzweckhalle der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin

Sportboden mit Schwingparkett aus Eiche

Man mag es fast nicht für wahr halten, wie idyllisch das gesamte Gelände der Rudolf-Steiner-Schule im Berliner Ortsteil Dahlem ist. Denn eigentlich mutet der Standort an einer Ausfallstraße im Südwesten der Hauptstadt, der viel befahrenen Clayallee, mit einem Fast-Food-Drive-in gegenüber, nicht besonders heimelig an. Doch sobald man die freie Bildungsstätte betritt, die bereits seit 1948 hier ansässig ist, tut sich eine andere Welt auf. Das mag an dem mit leichten Senken durchzogenen Gelände liegen, auf dem unterschiedliche Gebäude angeordnet und teilweise von hohen alten Bäumen versteckt sind, oder an den verschlungenen Wegen, Gärten und dem Tiergehege. Zur Schule, in der fast 800 Kinder und Jugendliche nach der Waldorfpädagogik unterrichtet und betreut werden, gehören ein Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert und polygonal geformte Baukörper aus den 1960er und 1970er Jahren. Seit dem Frühjahr 2015 ergänzt eine neue Sport- und Mehrzweckhalle das Ensemble der Schul- und Hortbauten, die Pläne dafür lieferten Kersten und Kopp Architekten aus Berlin.

Die kantige Kubatur, die vertikale Schalung aus Lärchenholz, Glaseinschnitte und Sichtbeton prägen den neuen Sport- und Mehrzweckbau (Nordwestansicht)
Die Halle wird auch als Veranstaltungsraum genutzt, eine ausziehbare Tribüne bietet weitere Zuschauerplätze
Das Sportfeld ist an drei Seiten von einer Galerie mit treppenartigen Tribünenplätzen aus Sichtbeton und Massivholz umgeben

Mit seinem sechseckigen Grundriss und kantigem Volumen bildet der neue Sportbau einen weiteren Solitär auf dem Schulgelände und fügt sich dennoch sehr gut darin ein. Geschickt nutzen die Architekten die Topografie indem sie das Gebäude in das Terrain mit Hanglage einschieben und es somit teilweise verbergen. Von dem im Norden gelegenen Weg aus erscheint das große Volumen deshalb lediglich als eingeschossiger Baukörper, während es sich von Süden und dem neu gestalteten Schulplatz, in seiner vollen Höhe zeigt. Hier kragt eine der leicht geneigten Dachflächen rund fünf Meter weit aus und bildet einen geschützten Außenraum.

Hinter der Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz, Sichtbeton und großzügigen, über die Ecken verlaufenden Glasflächen sind die Funktionen auf zwei Ebenen verteilt: In der unteren befindet sich die 500 m² große Einfeldsporthalle, an deren Längsseiten ein Foyer, die Umkleiden, eine aus der Wand ausfahrbare Tribüne sowie Technik- und Geräteräume angeordnet sind. Auch der Flügel findet hier seinen Platz. Die obere Ebene ist an der Nord-, West- und Ostseite als umlaufende Galerie ausgebildet: Von Sichtbetonstufen und -blöcken mit großen, aufgelegten Massivhölzern als Sitzgelegenheiten können die Zuschauer von hier das gesamte Spielfeld überblicken – oder durch die verglaste Südseite in den Garten hinaus schauen.

Der direkte Zugang in die 500 m² große Einfeldhalle erfolgt an der Südwestecke; über einen daneben liegenden Eingang mit Foyer lässt sich die Halle auch für Veranstaltungen mit Publikumsverkehr nutzen. Auf die Galerieebene gelangen die Zuschauer über insgesamt drei Eingänge, die sich nach außen durch große, polygonale Glaseinschnitte in der Holz- bzw. Sichtbetonfassade abzeichnen. 

Charakteristisch für den Innenraum sind im unteren Bereich das Eichenparkett und die holzverschalten Prallwände, im oberen die lindgrünen OSB-Wandbekleidungen sowie die ebenfalls lindgrünen Dachbinder. Eine sichtbar belassene, schräg verlaufende Schar aus Kanthölzern in Trägerebene, in die auch die Beleuchtung integriert ist, sorgt für die nötige Aussteifung des Dachtragwerks. Farblich passend sind die Dachflächen innen mit lackiertem Trapezblech verkleidet. Von außen erhielt das Dach eine Folienabdichtung bzw. ein Gründach über dem Geräteraumtrakt.

Boden
In der Halle kommt ein flächenelastisches Schwingparkett mit einer Unterkonstruktion aus Holz und einer Nutzschicht aus Eichenholz zum Einsatz. Der hinterlüftete Fußbodenaufbau wurde anstelle einer heute in Sporthallen vielfach üblichen Sandwichkonstruktion mit PUR-Hartschaum gewählt, um eventuelle Undichtigkeiten der WU-Betondecke einfacher identifizieren und beheben zu können. Der Sportboden hat folgenden Aufbau (siehe auch Abb. 23):

  •   8 mm Eichenvollholz, mit Klarlack auf Wasserbasis versiegelt
  •   6 mm Lastverteilerplatten aus Birkensperrholz, 5-fach verleimt
  •   0,1 mm PE-Folie
  • 18,5 mm Fichtenholzlattung, b = 75 mm (Blindboden)
  • 18,5 mm obere Federbrettlage, b = 95 mm Breite
  • 18,5 mm untere Federbrettlage, b = 95 mm Breite
  • 10 mm Elastikpads aus PUR-Verbundschaum, 95 x 95 mm

Unter dem Schwingboden erhielt die Rohdecke aus WU-Beton eine bituminöse Abdichtung als Feuchtigkeitssperre und eine 40 mm dicke Mineralwolle-Dämmung, die zwischen den punktförmigen Höhenausgleichselementen eingebracht wurde.

Im Foyer und auf der Galerie dient ein Sichtestrich als Oberbelag; es handelt sich um einen 5 mm dicken kunstharzvergüteten Industrieestrich mit silikatischer Oberflächenversiegelung. Er wurde auf einen 80 mm dicken, schwimmenden Zementstrich aufgebracht. Eine 20 mm EPS-Trittschall- und 30 mm dicke EPS-Wärmedämmung erfüllen die schall- und wärmeschutztechnischen Anforderungen.

Bautafel

Architekten: Kersten und Kopp, Berlin
Projektbeteiligte: Frohloff Staffa Kühl Ecker, Berlin (Tragwerksplanung); Pin Planende Ingenieure, Berlin (TGA); RIta Mettler, Berlin (Landschaftsarchitektur); Berger, Berlin (Rohbau); Holzbau Amann, Weilheim (Holzbau);  Metallbau Stoof, Bad Belzig (Glasfassade, Innenverglasungen); Dachland, Berlin (Dacharbeiten); Chemotechnik, Abstatt (Nutzestrich); Becker Sport- und Freizeitanlagen, Berlin (Sportboden innen); Mtb, Gobbin (Ausziehtribüne); SpoTec, Eisenach (Prallwände)
Bauherr: Rudolf Steiner Schule, Berlin
Standort: Auf dem Grat 3, 14195 Berlin
Fertigstellung: 2015
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin; Kersten und Kopp; Berlin, Baunetz, Berlin

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