Shoji
Traditionelle japanische Schiebetüren und ihre moderne Adaption
Shoji sind traditionelle japanische Schiebetüren, Schiebefenster, Paravents und raumhohe Faltwände. Sie dienen als transluzenter Sonnen-, Sicht- und Windschutz. Teilweise geöffnet, verbinden sie Innen- und Außenraum atmosphärisch, indem sie den Blick auf den Garten, den Vollmond oder das Spiel von Licht, Schatten und schemenhaften Umrissen rahmen und hervorheben. Wörtlich übersetzt bedeutet Shoji in etwa „Schirm“, „Schleier“ oder „Blende“.
Material und Konstruktion
Shoji bestehen aus mehreren verschiebbaren Flügeln, seltener aus hängenden oder faltbaren Elementen. Die Rahmen werden aus japanischer Zeder, Hinoki-Zypresse oder Bambus gefertigt und halten ein rechtwinkliges Gitter aus filigranen Leisten, das sogenannte Kumiko, das mit Washi-Papier bespannt und beklebt wird. Washi, auch Japanpapier genannt, wird aus Maulbeere, Hanf oder Seidelbast zu einem milchig-weißen Papier geschöpft. Anders als oft beschrieben, handelt es sich nicht um Sprossen, da das Papier die Leisten vollständig überspannt und dies eben keine kleineren Papierformate halten. Ein Leim aus Reis und Reisstärke fixiert das Papier.
In besonders zeremoniellen Räumen können die Papierfelder durch doppelte Lagen opak erscheinen, geölt oder mit Naturmotiven, Fabelwesen oder literarischen Szenen bemalt sein. Bei robusteren Hauseingangstüren wird das Leistengitter enger gesetzt. Je nach Funktion, Region, Verzierung oder anderen Parametern tragen Shoji unterschiedliche Namen: Opake Schiebetüren heißen Fusuma, solche mit quadratischen Feldern Mabarasan Shoji, Haustüren mit Holzfeldern Koshizuke Shoji. Yukimi Shoji betonen den Blick auf fallenden Schnee, Mizugoshi Shoji sind beidseitig mit Papier beklebt.
Die Maße der Flügel und die Proportionen der Felder entsprechen klassischerweise Tatamis, den traditionellen Bodenmatten aus Binsen und Reisstroh, mit Kanten aus Baumwollstreifen und Abmessungen von 180 cm auf 90 cm. Dank ihrer Leichtigkeit lassen sich Shoji mühelos bewegen und schaffen durch die flexible Kombination von offenen und geschlossenen Elementen fließende Räume. Allerdings erfordern sie regelmäßige Pflege: Die dünnen Leisten und das empfindliche Papier müssen häufig ausgetauscht werden, um die filigrane Ästhetik zu bewahren.
Tradition und Moderne
Shoji wurden bereits im 11. Jahrhundert erwähnt, etwa im „Makura no Soshi“ (Kopfkissenbuch) von Sei Shonagon, einer Hofdame des Kaisers Ichijo und der Kaiserin Sadako in Kyoto. Sie beschreibt darin die schliche Eleganz eines Landhauses: „Die Wandschirme in seinem Heim sind mit geschmackvollen Pferdebildern verziert, während die Faltschirme aus feinen Bambusfasern geflochten sind. Für die Herstellung der Fensterjalousien hat man seltene Gräser verwandt. Die ganze Einrichtung des Hauses und die Möbel verraten die Vorliebe des Hausherrn für alten Stil.“ (Übersetzung: Mamoru Watanabe, Manesse Bibliothek der Weltliteratur, Zürich 1988)
Das streng-geometrische Muster der Shoji-Fassaden inspirierte zahlreiche Architekten der Klassischen Moderne wie Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius und Bruno Taut zu Rastern und Schwarz-Weiß-Kontrasten. Noch heute sind Shoji weltweit beliebt. Moderne Varianten kombinieren die traditionelle Ästhetik mit zeitgemäßer Funktionalität: Satinierte Glasscheiben, Vorsatz- oder Sandwich-Konstruktionen sowie thermoplasitsche Kunststofffolien im Scheibenzwischenraum aus beispielsweise hitze- und feuchtigkeitsresistentem Polypropylen ersetzen das empfindliche Washi-Papier, Metallbeschläge und Führungsschienen erhöhen die Stabilität. Auch die Auswahl der Hölzer beschränkt sich nicht mehr auf japanische Bäume, stattdessen werden unter anderem sibirische Lärche oder europäische Esche verarbeitet. -sj
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