Schule Bota in Dürnten, Kanton Zürich

Verschmelzung von Holz und Beton

In der kleinen Gemeinde Dürnten im Kanton Zürich galt es, für bislang drei verschiedene Schulstandorte eine Erweiterung und verbindende Mitte zu schaffen. Die vormals zergliederte Schulanlage Bogenacker–Tannenbühl, kurz Bota, ergänzte Lukas Raeber Architektur aus Basel infolge eines gewonnenen Wettbewerbs um einen Neubau. Den Studienauftrag im selektiven Verfahren schrieb die Gemeinde 2018 aus, sieben Jahre später wurde der vermittelnde Neubau im Zentrum des Schulcampus fertiggestellt.

Das Zusammenspiel aus Holz und Beton zeigt sich insbesondere im Mitteltrakt des Neubaus für einen erweiterten Schul- und Kindergartenkomplex in Dürnten.
Die zentrale Erschließungsachse weist zahlreiche Details auf: Der fein strukturierte Sichtbeton wechselt sich mit konstruktiven und verkleidenden Holzelementen ab, oberer Lichteinfall in das Atrium, Sichtbezüge in die flankierenden Klassenebenen und eine offene Treppenanlage ergänzen das Konzept.
Außen wechseln sich Bänder aus einer vorvergrauten Fichtenholzlattung, großzügige Fenster, helle Geschossgrenzen und Profile sowie vorgesetzte, filigrane Fluchtbalkone und -treppen aus Metall ab.

Der Neubau besetzt ein Teilareal an der Turnerstraße Ecke Schulstraße. Das Ensemble inklusive sanierter Bestandsbauten im Norden und Süden ordnet auch die Funktionen neu: drei Kindergärten, zehn Grundschulklassen, mehrere Gruppen- und Werkräume, Lehrerarbeitsplätze, eine Turn- und Schwimmhalle sowie ein Mehrzweck- und Singsaal verteilen sich auf die durch ein grünes Band lose verbundenen Gebäude.

Auf den auf quadratischer Grundfläche errichteten Neubau entfallen rund 3.500 Quadratmeter Geschossfläche. Den Bau charakterisieren eine pragmatische Architektursprache und eine schlüssige Aufteilung. Dabei verteilen sich innerhalb des Gebäudes die Nutzungsbereiche auf drei „Schiffe“, die auch konstruktive Unterschiede aufweisen.

Stimmige Materialkompositionen innen und außen

Die mittlere Achse ist als Massivbau in Stahlbeton ausgeführt und nimmt eine Verteilerrolle ein. Dieser Erschließungstrakt dient auch als Atrium und erlaubt Lichteinfall von oben sowie Sichtbeziehungen in die flankierenden Klassenbereiche. Östlich und westlich schließen die Schulräume auf drei Geschossen an, wobei die Seitenschiffe in Holzelementbauweise realisiert sind. Dort lassen sich die Räume flexibel einteilen und können so langfristig den Nutzungsbedürfnissen angepasst werden. Während innen Sichtbeton und der warme Farbton der Konstruktionselemente aus Fichte und Wandverkleidungen aus Eichenholz dominieren, wechseln sich außen eine raue, vorgegraute Fichtenholzlattung, umlaufende, hellgraue Fassadenpaneele und eine vorgesetzte Schicht aus Fluchtbalkonen und -treppen aus filigranem, vorverzinktem Stahl ab. Die großzügigen Fensterbänder geben Einblick in das Schulinnenleben sowie auf diagonale aussteifende Holzelemente, die die technische Gestaltungssprache weiter untermalen.

Betonkern mit abwechslungsreichem Schalungsbild

Die Verschmelzung der beiden Konstruktionsmaterialien wird innen im mittleren Trakt besonders deutlich. So präsentiert sich der Kern aus Sichtbeton insbesondere im offenen Treppenhaus als explizites Gestaltungselement. Handläufe und Stufenbelege aus warmem Holz kontrastieren die rohe Oberfläche der Wände, der Stufenunterkonstruktion und der Stützen aus Beton. Dabei zeigt sich dort ein abwechslungsreiches Schalungsbild. Die Brettschalung ist abwechselnd horizontal oder vertikal ausgeführt, dadurch markiert die Betonoberfläche etwa Geschossgrenzen, tragende Wandflächen, Stützen, Träger und weitere Konstruktionsdetails. Das massive Material gewinnt durch die kleinteilige, lineare Einteilung an Haptik, Struktur und filigraner Erscheinung.



Außen greifen zwei Nebengebäude das kontrastreiche Materialspiel auf. Sowohl ein überdachter Pausenbereich als auch die Garagenzufahrt mit Bushaltestelle kombinieren den detailreichen Sichtbeton mit – diesmal – tiefschwarzen Metallelementen für Dach und partielle Wandbegrenzungen. Die Betonelemente wirken außen fast skulptural: es zeigen sich etwa runde Aussparungen, Vor- und Rücksprünge oder sockelartige Unterbauten für eine großformatige Pausenuhr. Diese ist Teil der Kunst am Bau, die das Züricher Künstlerinnenduo Issu-Issu an verschiedenen Stellen in und am Gebäude beitrugen. Ein geschossweises Farbkonzept und wie immer auch das bunte, lebendige Treiben der Nutzenden füllen die reduzierte Kulisse aus Holz, Beton und Metall. 

Bautafel

Architektur: Lukas Raeber Architektur, Basel
Projektbeteiligte: Baufeld, Niederuzwil (Baumanagement); A. Keller + Krattiger Engineering,Happerswil TG (Tragkonstruktion); Toneatti, Bilten GL; Egli Zimmerei, Oberhelfenschwil SG (Baumeister/Holzbau); Meierhans + Partner, Schwerzenbach ZH (HKL-Planung); Bryum, Basel (Landschaftsarchitektur); Issu-Issu Zürich (Kunst am Bau); OSW, Basel (Signaletik)
Bauherr*in: Liegenschaftenabteilung Gemeinde Dürnten
Standort: Schulstrasse 6, 8632 Tann ZH, Schweiz
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Rory Gardiner, Willem Pab, Lukas Raeber Architektur

Fachwissen zum Thema

Die Wahl der Schalung hat entscheidenden Einfluss auf die Erscheinung der Sichtbetonflächen (Abbildung: St. Canisius-Kirche in Berlin; Architektur: Büttner, Neumann, Braun).

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Durch Einlagen wie Matrizen oder Folien lässt sich das Spektrum der Gestaltungsmöglichkeiten von Sichtbetonoberflächen erweitern (Fassade des Museums für Architekturzeichnung in Berlin von Speech Tchoban & Kuznetsov, Moskau).

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