SAP Labs in Garching
Wendeltreppe als roter Akzent
Nachhaltigkeit durch Flexibilität und Einfachheit – so lässt sich der Neubau SAP Labs in München-Garching, geplant von Scope Architekten, kurz zusammenfassen. Auf 25.500 Quadratmetern forschen hier rund 700 Mitarbeitende von SAP und der TU München gemeinsam in einem zeitgenössischen Werkstattgebäude. Was von außen durch eine Glas-Aluminiumfassade klar definiert erscheint, offenbart sich innen als prozesshafte Architektur, die Veränderung und Anpassung ermöglicht.
Gestaltungsziel war eine Wandelbarkeit im Grundriss mit variablen Zonierungen der Flächen und der einfache Austausch und die Wiederverwendbarkeit der Bauelemente und Materialien nach dem Prinzip Reuse, Reduce, Recycle. Das sichert die maximal langfristige Nutzung des Gebäudes sowie der verwendeten Materialien, die Wirtschaftlichkeit und schont Ressourcen.
Funktionale Architektur
Das Team plante daher einen Stahlbetonskelettbau, dessen Stützenraster und Glasfassade eine flexible Einteilung der Flächen ermöglichen. Die Bauteile, Wände, Geschossdecken sowie alle weiteren Ausbauelemente wie zum Beispiel Deckenabhängungen wurden möglichst reversibel, in demontierbaren, möglichst sortenreinen Schichten gefügt. Das ergibt eine zunächst sehr funktionale Architektur mit sichtbarem Beton-Tragwerk, Sichtbetondecken sowie vielen Glas- und Metallflächen. Doch das Planungsteam weiß Fläche, Licht, Material und Farbe zu nutzen, um eine helle, leichte und freundliche Atmosphäre zu kreieren.
Ineinandergreifende Flächen
Es plante drei ineinandergeschobene, in der Höhe gestaffelte Quader, die in ihren Zentren zwei Atrien ausbilden. So entsteht auf bis zu fünf Geschossen eine große zusammengehörige Fläche mit 25.500 Quadratmetern, die sich in sich überschneidende Ringe gliedert. Letzteres ermöglicht kurze Wege, gut nutzbare Gebäudetiefen und eine gute Raumbelichtung. Die breiten, umlaufenden Dachterrassen im ersten und dritten Obergeschoss sowie ein Fluchttreppenhaus in der Überlappung der Ringe verschlanken zudem die Maßnahmen für den baulichen Brandschutz und verkürzen die Fluchtwege. Das ermöglicht im Innern offen ineinander übergehende Räume und mehr Flexibilität bei der Nutzung und der Einteilung der Flächen.
Licht und Sicht
Man betritt das Gebäude durch das nördliche Atrium. Das reckt sich über filigrane Betonpfeiler 21 Meter empor, wo ein streng quadratisches Raster aus Betonträgern auf den Stützen aufliegt, darüber spannt ein Glasdach. Allein durch die enorme Höhe und das zenitale Licht beeindruckt das fünfgeschossige Atrium. Dazu schieben sich Balkone, Galerien und Ebenen in den Raum – eine vertikale Stadtlandschaft mit zahlreichen Blickperspektiven entsteht. In deren Zentrum leitet eine imposante, breite Betontreppe mit Sitzstufen ins erste Obergeschoss zu den gemeinschaftlichen Flächen wie Kantine und Dachterrasse. Die Wände im Innern sind aus bedrucktem Glas, die Brüstungen bestehen aus einer feinen Metallstruktur, sodass Licht und Sicht durchs Gebäude wandern können. Es entstehen semitransparente Layer, die sich komplex überlappen und trotz der Offenheit der Räume Privatheit ermöglichen.
Material und Farbe
Blickfang des Bauwerks ist eine rostrote Stahlwendeltreppe, die ab dem ersten Obergeschoss die Büroetagen darüber erschließt. Auf jedem Geschoss zeichnet sich das Podest als roter Kreis in Boden und Decke ab: Die Treppe scheint sich mit geschlossenen Wangen und mit aller Kraft durch die Etagen zu schrauben. Mit ihrer markanten Farbe und amorphen Form fällt sie im gradlinigen, farblich zurückhaltenden Gebäude auf. Sie ist Ziel und Orientierung zwischen den vielschichtigen Volumen und Layern und bildet das gestalterische Rückgrat für das Gebäude. Während die Betonstruktur und die Installationsrohre in ihrer Materialität industriell und funktional anmuten, sind viele der raumbegrenzenden Elemente wie die metallischen Brüstungen, die Türen, die hölzernen Raumteiler und Deckenabhängungen in einem dunklen Graublau gestaltet. Dazu bildet das Rostrot der Wendeltreppe einen Akzent, der sich in weiteren, kleineren Elementen im Gebäude wiederfindet. Gelbe Polster bilden eine zweite Akzentfarbe, sodass insgesamt eine warme Buntheit in der durch Beton, Metall und Licht geprägten Architektur entsteht. -rg
Bautafel
Architektur: SCOPE Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: H&P Bauingenieure, Hannover (Projektentwicklung); Gruninger + Schrüfer Ingenieure, Wiesloch (Tragwerk); Müller & Bleher, Filderstadt (Elektro); M+P Ingenieurgesellschaft, Herrenberg (Gebäudeautomation); hofmann_röttgen, Limburgerhof (Landschaftsarchitektur); Ingenieurbüro San José, Heidelberg (Brandschutz); GN Bauphysik Finkenberger + Kollegen Ingenieurgesellschaft, Stuttgart (Bauphysik); Studio Bauer, Lübeck (Medien/Licht)
Bauherrin: SAP SE, Walldorf
Fertigstellung: 2024
Standort: Friedrich-Ludwig-Bauer-Straße 5, 85748 Garching
Bildnachweis: Zooey Braun, Stuttgart
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