Sanierung zweier Typensporthallen in Berlin
Energetische Ertüchtigung und Schadstoffbeseitigung
Wer sich für Typensporthallen interessiert, wird in Berlin in beiden Teilen der Stadt fündig. Im Westen ergänzten Anfang der 1970er-Jahre 13 baugleiche Hallen die großen Schul- und Bildungszentren. Zwei von ihnen wurden bis Ende 2025 nach Plänen von ZRS Architekten Ingenieure saniert. Das Projekt zeigt, wie sich selbst komplexe Tragstrukturen der Nachkriegsmoderne erhalten lassen.
Die beiden Hallen stammen aus dem Jahr 1973 und befinden sich in Buckow und in der Gropiusstadt – heute Teile des Bezirks Neukölln. In beiden Stadtteilen treffen Gebiete mit Einfamilienhäusern auf Wohnanlagen mit bis zu 16 Geschossen. Mittendrin liegen die Cluster von Schulen und Sportstätten, zu denen auch die Typensporthallen gehören. Während die Schulgebäude aufgrund der vielen asbesthaltigen Bauteile komplett zurückgebaut werden mussten, blieben die Hallen erhalten. Gebäudehülle und technische Gebäudeausrüstung wurden einfach gehalten. Entsprechend war die Dämmung der Außenwände, Decken und Flachdächer unzureichend, gemessen an heutigen Standards.
Zwischenzeitlich dienten beide Gebäude als Geflüchtetenunterkünfte. Nach der Sanierung stehen sie wieder für den Sportunterricht zur Verfügung. Darüber hinaus sind in der Gropiusstadt mehrere Sportvereine aktiv, darunter ALBA Berlin sowie Vereine für Rhönrad, Cheerleading und Badminton. Zwei unterschiedlich große Hallen stapeln sich in den kompakten Baukörpern: eine 600 m2 Doppelsporthalle im halb eingegrabenen Erdgeschoss und eine 900 m2 große Dreifelder-Sporthalle im Obergeschoss. In Summe sind die Gebäude knapp 13 m hoch, die Grundfläche misst 47 x 36 m. Das Tragwerk bildet ein Stahlskelett, das an Stahlbeton-Treppenhäusern aufgehängt ist. Ein deutlich niedrigerer, zweigeschossiger Seitentrakt nimmt Umkleide-, Sanitär- und Technikräume auf.
Erhalt statt Ersatz
Ursprünglich war eine reine Oberflächensanierung der Hallen geplant, jedoch zeigte sich bei der Grundlagenermittlung, dass insbesondere die starke Schadstoffbelastung eine Kernsanierung erforderte. Unter anderem wurden in der Gebäudehülle und bei den Innenausbauten Asbest und Kaliumhydrogendifluorid (KHF) entdeckt. Um einen Abriss zu vermeiden, verglich das Team von ZRS die Entkernung mit anschließender Sanierung und einen Rückbau mit anschließendem Neubau. Im Ergebnis zeigte sich, dass eine Sanierung nicht nur Ressourcen schont, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bietet. Auf dieser Grundlage planten die Architekt*innen weiter. Dabei setzten sie auf Holzbauelemente und demontierbare Bauteilverbindungen.
Tragwerksertüchtigung und Barrierefreiheit
Durch die neuen Dämmschichten und TGA-Komponenten veränderten sich die Eigenlasten der Hüllflächen, sodass punktuelle statische Nachweise und Verstärkungen an den Anschlussknoten des Stahlskeletts nötig waren. Zusätzlich wurde die Zugänglichkeit der gestapelten Hallenräume grundlegend überarbeitet. Die neuen Aufzugsanlagen in den aussteifenden Stahlbetonkernen sowie die schwellenlose Ausgestaltung sämtlicher Verkehrswege und Sanitärräume machen das Gebäude barriereärmer, entsprechend den Anforderungen der DIN 18040-1: Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude.
Für den Innenausbau verwendete man natürliche Baustoffe wie Holz und Linoleum, die möglichst reversibel verbaut wurden. Die Wahl der Materialien hat ökologisch wie atmosphärisch große Vorteile. Durch den Einsatz von mineralischen Dämmstoffen mit verhältnismäßig großer Masse anstelle von leichteren Dämmstoffen sind die Temperaturbedingungen im Gebäude im Sommer sehr vorteilhaft, da sich die Gebäude deutlich weniger aufheizen.
Dämmung: Holzfaser, WDVS und Mineralwolle
Die neue Fassade differenziert architektonisch wie materialtechnisch klar zwischen Sockel- und Obergeschosszone. Im Erdgeschoss erfolgte ein Rückbau der schwer geschädigten Beton-Außenwände. An ihre Stelle traten Tafelbauwände, sprich beidseitig beplankte, hochdämmend ausgefachte Holzständerwerke. Zum Einsatz kamen 240 mm starke Holzfaserdämmmatten der Wärmeleitgruppe (WLG) 036 in Kombination mit 40 mm starken Holzfaserdämmplatten der WLG 040. Sockelzone und Treppenhaus erhielten eine hinterlüftete Bekleidung aus Holzlatten.
Beim oberen Hallenkörper und beim Seitentrakt wurde ein 160 mm starkes, mineralisches Wärmedämmverbundsystem (WDVS) vor die bestehenden, 200 mm starken Sandwichpaneele geklebt. Mineralisch ist auch der 20 mm starke Oberputz. Hingegen ist die neu aufgebaute, weitgespannte Flachdachdämmung und -abdichtung ausschließlich mechanisch befestigt. Die Grunddämmung ist 140 mm stark, die Gefälledämmung 40 bis 170 mm. Bei beiden handelt es sich um Mineralwolle mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,038 W/(mK). Durch den Verzicht auf flächige Verklebungen oder Bitumenheißverklebungen lassen sich Dämmstoffe, Dampfsperren und Abdichtungsbahnen bei künftigen Rückbau- oder Instandhaltungsmaßnahmen sortenrein trennen und wiederverwenden oder recyceln.
Farbgestaltung
Das Farbkonzept wurde gemeinsam mit den Nutzenden im Einklang mit der Campusplanung entwickelt. Akzente an Fenstern und Eingangstüren machen die Gebäude erkennbar: In der Gropiusstadt sind sie rotorange, in Buckow smaragdgrün. Im Innenraum wurde die jeweilige Akzentfarbe an den Treppengeländern, Brüstungen und Innentüren aufgegriffen. Zusätzlich erhielten die beiden gestapelten Hallen einen Farbcode, um sie besser unterscheiden zu können. Abgehängte Decken, Flurwände, aber auch Umkleide- und Sanitärbereiche zeigen unregelmäßige Farbmuster, die die Flächen gliedern und eine warme Atmosphäre erzeugen sollen.
Mit der Sanierung der beiden Typensporthallen zeigen ZRS, dass sich der Gebäudebestand der 1970er-Jahre mit wenigen Eingriffen reaktivieren und auf den aktuellen Stand bringen lässt. Die Kombination aus präziser Schadstoffsanierung, dem gezielten Einsatz von Holztafelwänden und kreislaufgerechten Fügetechniken macht das Projekt zu einer Blaupause für die Transformation serieller Bildungs- und Sportbauten der Nachkriegsmoderne.
Bautafel
Architekt*innen: ZRS Architekten Berlin
Projektbeteiligte: ZRS Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); IB Schimmel, Berlin (TGA-Planung); Henningsen & Larsen, Berlin (Landschaftsplanung Efeuweg); Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin (Landschaftsplanung Buckower Damm)
Bauherrschaft: Bezirksamt Neukölln, Berlin
Fertigstellung: 2025
Standorte: Buckower Damm 282, 12349 Berlin und Efeuweg 28, 12357 Berlin
Bildnachweis: Angela Elbing (Fotos); ZRS Architekten Ingenieure (Pläne)
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