Sanierung eines Automobilzentrums in Zürich Altstetten

Sanierung mit Steinwolle auf Foliendeckung

Motor-Droschken, Lastwagen, Omnibusse, Tourenwagen, Motor-Boote wurden ab 1880 am Bahnhof Altstetten im Westen von Zürich gefertigt. Mittlerweile hat sich das alte Industriegebiet an der Vulkanstraße zu einem Dienstleistungsstandort gewandelt. Die J. H. Keller AG Automobile – 1933 als Sportwagenvertretung gegründet – ist schon einige Jahrzehnte vor Ort. Nun beauftragte sie Fischer Architekten mit einer weitreichenden Dach- und Fassadensanierung ihres 1966 hier eröffneten Autozentrums.

Zur Straße hin liegt der siebengeschossige Kopfbau mit Präsentations- und Büroflächen sowie einer Wohnung im Attikageschoss.
Der Hochbau erhielt PV-Module an den Brüstungen.
Eine bauzeitliche Rampe erschließt die dreigeschossige Halle. Die Überdachung der Werkstattzufahrt wurde erneuert.

Auf dem 1951 erworbenen Areal in der Vulkanstraße 120 befindet sich ein zweiteiliges Gebäudeensemble: Zur Straße hin, im Süden des Grundstücks, steht ein siebengeschossiger, aufgeständerter Hochbau mit Flachdach, Fensterbändern und Staffelgeschoss. Dahinter schließt eine 78 x 30 m große Halle an, mit einer geschwungenen Auffahrtsrampe an der östlichen Längsseite, die die beiden Obergeschosse erschließt.

Im Erdgeschoss des Hochbaus verfügt der Hochbau über eine große Ausstellungsfläche, die in den Hallenteil mit rückwärtiger Werkstatt übergreift. In den darüberliegenden Ebenen befinden sich teils vermietete Büroflächen. Das erste Obergeschoss der Halle, ursprünglich ein Autolager, war bereits 2016 bis 2018 durch Kaschub, Meier Architekten und Fischer Architekten zu unterschiedlich großen, weitgehend befahrbaren Atelier- und Büroräumen umgenutzt und flexibel unterteilt worden. Hingegen dient das zweite Obergeschoss weiterhin als Autolager.

Überschaubare Veränderung

Als Nächstes war eine energetische Ertüchtigung vorgesehen, in Zusammenhang mit einem Anschluss an das städtische Fernwärmenetz. Angesichts zunehmender E-Mobilität sollte aber auch die bestehende Solarstromerzeugung ausgeweitet werden. Somit entwickelte sich das Vorhaben zu einer umfassenden Sanierungs- und Umbaumaßnahme. Dennoch sind die äußerlich sichtbaren baulichen Veränderungen überschaubar geblieben. 

Das ehemalige Attikageschoss des Hochbaus ersetzt ein neues sechstes Obergeschoss, ausgeführt als Leichtbaukonstruktion in Holz und Stahl. Hier entstanden zusätzliche Büroflächen und eine großzügige Vierzimmerwohnung. Die ostseitige Überdachung der Werkstattzufahrt wurde in verkleinerter Form wiederhergestellt, als feuerverzinkte Stahlkonstruktion mit VSG-Elementen.

Fassade: Steinwollepolster im Folienkleid

Die überwiegend farblos eloxierten Aluminiumfassaden des Hochbaus wurden in gleicher Weise ersetzt. In die südseitigen Brüstungsbänder sind nun ab dem dritten Obergeschoss PV-Module integriert. Hingegen ist die Glasbrüstung im zweiten Obergeschoss den Signets und Schriftzügen der Büromieter vorbehalten. PV-Module befinden sich auch auf dem Flachdach des Hochbaus und auf dem flach geneigten Walmdach der rückwärtigen Halle, deren Erscheinungsbild sich im zweiten Obergeschoss deutlich verändert hat. Zwischen den PV-Modulen kamen Dachflächenfenster hinzu.

Das Hallendach erhielt eine Folieneindeckung einschließlich einer neuen Unterkonstruktion, wobei sich die Folie weit über die überwiegend geschlossenen Wandflächen herunterzieht. Auf diese Weise setzt sich das zweite Obergeschoss körperhaft von den beiden darunterliegenden Ebenen ab. Zum Einsatz kam eine schwarze Folie aus EPDM-Synthesekautschuk (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer). Das Dach wurde mit 160 Millimeter starken EPS-Hartschaumplatten und darauf 60 Millimeter Steinwolle-Dämmplatten gedämmt. Die 120 Millimeter starken Stahlbetonwände erhielten eine 220 Millimeter starke Steinwoll-Dämmschicht.

In einem regelmäßigen Raster gesetzte Dübel befestigen die Folie an Dach und Wand. Auf der harten Dachoberfläche ist die Folie glatt. An den Außenwänden, wo sie an der Steinwolldämmung befestigt ist, entstand eine weich anmutende, leicht plastische Fassade, die an Polstermöbel oder Wandbespannungen mit Ösenknöpfen erinnert. Die wenigen, in großem Abstand zueinander angeordneten Quadratfenster wurden ausgetauscht. Die Verglasungen der beiden unteren Hallenebenen waren bereits zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal erneuert worden.

Bautafel

Architekten: Fischer Architekten, Zürich
Projektbeteiligte: KPR Baumanagement, Zürich (Baumanagement), Tragwerkstatt, Zürich (Bauingenieure), Bemaplan Ingenieure, Zürich (Haustechnik), R. Mettler, Ibach (Elektro und Brandschutz), Contec, Uetendorf (Flachdach), Feroplan Engineering, Zürich (Fassade), Energiebüro, Zürich (Solarkraft), Durable Planung und Beratung, Zürich (Nachhaltigkeit)
Bauherr: J. H. Keller Automobile, Zürich
Fertigstellung: 2023
Standort: Vulkanstrasse 120, 8048 Zürich, Schweiz
Bildnachweis: Fischer Architekten AG, Zürich (Fotos und Pläne)

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