Reitsporthalle Haras National in Hennebont

Schieferdeckung in zwei Formaten

Nach dem Vorbild einer im Jahr 1868 erbauten Pariser Markthalle entwarf das Team von K Architectures Sigwalt Herman eine Reitsporthalle im Zentrum der denkmalgeschützten Anlage Haras National d’Hennebont. Das ehemalige Nationalgestüt in der südlichen Bretagne diente einst der staatlichen Pferdezucht. Wie die eingangs genannte Markthalle, die Victor Baltard entworfen hatte, entstand die zweihöfige Anlage während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Neubau besetzt einen historischen Innenhof: den sogenannten Cour du Puits.

Die Anlage Haras National d’Hennebont ist in die schöne bretonische Landschaft eingebunden.
Inspiration für ihren Entwurf fanden die Architekten bei einer Markthalle aus dem 19. Jahrhundert.
Die Fassaden des neuen Holzbaus weisen eine feine horizontale Struktur auf.

Krönende Silhouette

Mit siebzehn Metern Höhe überragt die neue Halle die umrahmenden und weitgehend in Naturstein (Granit und Schiefer) errichteten Gebäuderiegel. Sie sind hell verputzt und haben schiefergedeckte Satteldächer. Die Türen und Fenster sitzen in Rundbögen mit rötlichen Ziegeleinfassungen. Die Silhouette der historischen Stallungen ist nun gekrönt durch das weniger steile und gestaffelte Zeltdach der symmetrisch konzipierten Reithalle.  

Kultur und Natur

Heute nutzen Vereine das ehemalige Nationalgestüt für unterschiedliche Aktivitäten und Veranstaltungen – überwiegend mit Pferden. Am Ufer des Flusses Blavet ist es in die idyllische Landschaft mit vielen Tier- und Pflanzenarten eingebunden. Die Umgebung bietet reichlich Weidefläche für die Vierbeiner und eine ökologische Bewirtschaftung ist möglich. Neben kulturellen und sportlichen Tätigkeiten eignet sich das Gelände sehr gut, um Anwohner*innen und Gästen die Natur nahezubringen.

Flexibel bespielbare Arena

Ähnlich wie in früheren Zeiten ein Zirkus wirkt die Halle als Anziehungspunkt für Gäste aus dem In- und Ausland, die in der Bretagne so zahlreich Urlaub machen. Mit mehr als 700 Sitzplätzen auf mobilen Tribünen oder über 1.400 Stehplätzen ist sie für Aufführungen, Shows und andere Veranstaltungen nutzbar. Im Alltag dient sie als Probe- und Trainingsraum mit mehr oder weniger Publikum. Sie lässt sich als kreisförmige Arena ausgestalten (mit 19 m Durchmesser), als quadratischer (20 x 20 m) oder rechteckiger Reitplatz (39 x 20 m).  

Fein strukturierte Holzfassade mit Schiebetoren

Der Grundriss ist polygonal und entspricht einem Quadrat mit gekappten Ecken. Sichtbezüge zu den umliegenden historischen Gebäuden lassen sich über große Schiebetore herstellen. Sind alle Tore geschlossen, erscheint der Neubau wie ein gigantischer Schmuckkasten, der wenig über seinen Inhalt verrät. Die feine horizontale Struktur von Holzleisten (Douglasie) der Fassadenelemente setzt sich in den gestaffelten Dachaufsätzen fort: Dort sind es Holzlamellen in lichten Abständen, welche mithilfe des sogenannten Kamineffektes für eine natürliche Belüftung der Reithalle sorgen.  

Holzkonstruktion mit Bogenträgern

Eine modular vorgefertigte Holzkonstruktion ermöglichte die rasche Montage vor Ort. Träger aus Fichten-Brettschichtholz überspannen insgesamt 40 x 40 Meter stützenfrei. Vier 28 Meter lange, bogenförmige Hauptträger laufen diagonal in einem Knotenpunkt am First zusammen. Ergänzt werden sie durch vier weitere Bogenträger an zwei Seiten und aussteifende Binder. Die beeindruckende Dachkonstruktion überwölbt den Innenraum; darüber bilden Akustikpaneele aus perforiertem Holz und Steinwolledämmung den Raumabschluss. Für die Fassade kommen Elemente aus Brettsperrholz (CLT) sowie Holzrahmenelemente zum Einsatz.  

Schiefer in zwei Formen

In Anlehnung an die Schieferdeckung der Stallungen aus napoleonischer Zeit übernahmen die Architekt*innen bei der Reithalle die Dachdeckung mit schlichten Rechteckformaten. Sie kombinierten die geradlinige Deckweise jedoch mit einem eher zeitgenössischen Format gerundeter Schieferplatten, sogenannten Coquettes. Die Grenzen zwischen den Deckungen mit verschiedenen Schablonen sind fließend, die Steinplatten überlagern sich wie Schichtungen. 

Dass Holz und Schiefer als prägende Materialien das Gebäude bestimmen, ist auch damit begründet, dass es natürliche und umweltfreundliche Baustoffe sind. Der Energieaufwand bei der Herstellung ist gering; es sind einfache und robuste Materialien.

100 Jahre und mehr

Dem Schieferdach prognostizieren die Planer*innen eine Lebensdauer von hundert Jahren und mehr. Die insgesamt anspruchsvolle, fein detaillierte Konstruktion und Gebäudehülle bewirken einen vornehmen, repräsentativen architektonischen Ausdruck. Mit der zentral platzierten Halle, deren Entwurf sich an historischen Vorbildern orientiert, welche bis heute als Verkaufs- und Veranstaltungsorte geschätzt sind, gelang ein inszenatorisches Highlight, das dem Alten wieder Glamour verleiht. -us

Bautafel

Architektur: K Architectures Sigwalt Herman, Paris
Projektbeteiligte: Margaux Alépée, Paris (Architektin Ausführungsplanung); EVP Ingenierie, Bordeaux (Statik); AREA études Nantes (Technische Beratung); Osmose Engineering, Marquette-lez-Lille (Reitplätze); Altia acoustique (Akustikplanung); GLC – Gauthier Lamellé Collé, Sérent (Holzbau); Tallot Couverture, Nantes (Dacharbeiten); Rockwool, Gladbeck (Akustikpaneele)
Bauherr: Lorient Agglomeration
Fertigstellung: 2025
Standort: Rue Victor Hugo, 56700 Hennebont, Frankreich
Bildnachweis: © Yon de Poncins

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