Quartiersprojekt Roelevard in Roeselare

Terrassierter Stadtbaustein mit begrünten Dachlandschaften

Im belgischen Roeselare, rund eineinhalb Autostunden westlich von Brüssel, ist mit dem Quartiersprojekt Roelevard ein neuer Stadtbaustein im Bahnhofsviertel entstanden. Das gemischt genutzte Ensemble verbindet Wohnen, Arbeiten und öffentliche Nutzungen auf einem rund 17.500 Quadratmeter großen Grundstück entlang der Bahntrasse. Entworfen wurde das Projekt von Snøhetta in Zusammenarbeit mit dem belgischen Architekturbüro B2Ai. Prägend für die städtebauliche und architektonische Gestaltung ist die terrassierte Gebäudekubatur mit intensiv nutzbaren Dachgärten und begrünten, geneigten Dachflächen.

Prägend für die städtebauliche und architektonische Gestaltung ist die terrassierte Gebäudekubatur mit intensiv nutzbaren Dachgärten und begrünten, geneigten Dachflächen.
Vorgelagerte bronzefarbene Lamellen strukturieren die Gebäudehülle, verleihen ihr Tiefe und Farbigkeit und dienen zugleich als feststehender Sonnenschutz für die Arbeitsbereiche.
Die Vegetationsflächen werten das Areal ökologisch auf, verbessern das Mikroklima und unterstützen das Regenwassermanagement.

Städtebaulicher Kontext

Im Zentrum der flämischen Gemeinde und unmittelbar am Hauptbahnhof von Roeselare gelegen, soll das Projekt künftig die Verbindung zwischen dem Bahnhofsvorplatz und den bislang wenig erschlossenen Bereichen westlich der Gleise stärken. Das Areal befindet sich nördlich des Bahnhofs. Ein gestaffelter Gebäuderiegel fasst das Grundstück entlang seiner West-, Nord- und Ostseite.

Den städtebaulichen Auftakt bildet ein zwölfgeschossiges Wohnhochhaus an der Südseite des Grundstücks, unmittelbar an den Gleisen. Von hier aus entwickelt sich der Baukörper entlang der Grundstücksränder nach Norden und zur westlichen Straßenseite hin in abnehmender Höhe. Dem Hochhaus gegenüber liegt der niedrigste Abschnitt des Komplexes, der sich über eine begrünte Sitztreppenanlage von einem auf drei Geschosse staffelt. Am nördlichen Ende des Grundstücks erreicht der Baukörper eine Höhe von vier Geschossen.

Der neue Stadtbaustein ist so konzipiert, dass er über den gesamten Tagesverlauf aktiv, zugänglich und belebt bleibt. Der von der Bebauung umschlossene Innenbereich ist entsprechend als öffentlicher Freiraum gestaltet. Pflanzbeete und Baumgruppen mit integrierten Sitzgelegenheiten gliedern den Platz und schaffen unterschiedliche Aufenthaltsbereiche. Neue Durchwegungen auf Erdgeschossebene schaffen Verbindungen zwischen dem Bahnhofsumfeld, dem Quartier und den angrenzenden Stadträumen.

Fassadengestaltung

Die Fassaden sind entsprechend unterschiedlicher Nutzungen im Inneren differenziert gestaltet. Großflächige Verglasungen verleihen den Erdgeschosszonen Transparenz und stellen einen direkten Bezug zum öffentlichen Raum her. Auch die darüberliegenden Bürogeschosse sind weitgehend verglast. Vorgelagerte bronzefarbene Lamellen strukturieren die gläserne Gebäudehülle, verleihen ihr Tiefe und Farbigkeit und dienen zugleich als feststehender Sonnenschutz für die Arbeitsbereiche. Die Wohngeschosse sind geschlossener ausgebildet und durch weiß verputzte Fassaden sowie großzügige Terrassenbereiche geprägt. Auch hier kommen die bronzefarbenen Lamellen zum Einsatz. Zusammen mit den begrünten Terrassen und Dachflächen entsteht ein zurückhaltendes, von natürlichen Farbtönen geprägtes Erscheinungsbild.

Ein Neubau, viele Nutzungen

Die Erdgeschosszonen des Gebäudekomplexes sind zu mehr als der Hälfte für Einzelhandel und Dienstleistungen vorgesehen und knüpfen an die bestehende Einkaufsstraße zwischen Marktplatz und Bahnhof an. In den oberen Geschossen kommen 81 Wohnungen und rund 6.000 Quadratmeter Bürofläche unter. Der ruhende Verkehr ist in einer unterirdischen Garage mit 144 Stellplätzen untergebracht. Hinzu kommen 82 private Abstellräume und insgesamt 348 Fahrradstellplätze, davon 288 private sowie 60 öffentlich zugängliche.

Nachhaltiges Energie- und Freiraumkonzept

Nachhaltigkeitsaspekte prägen die Planung und den Betrieb des Roelevard-Projekts. Der Gebäudekomplex ist an das interkommunale MIROM-Fernwärmenetz angeschlossen, das unter anderem Abwärme und Biomasse als Energiequellen nutzt. Dadurch kann der Gebäudebetrieb weitgehend ohne fossile Energieträger erfolgen; lediglich während Wartungsarbeiten dient eine gasbetriebene Anlage als Backup.

Ein weiterer Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts sind die intensiv begrünten Dachflächen und bepflanzten Terrassen. Insgesamt umfasst die begrünte Dachfläche mehr als 2.100 Quadratmeter. Die Vegetationsflächen tragen zur ökologischen Aufwertung des Areals bei, schaffen zusätzliche Aufenthaltsbereiche und unterstützen das Regenwassermanagement. Zugleich leisten sie einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Erhöhung der Biodiversität im innerstädtischen Umfeld.

Dachbegrünung und Regenwassermanagement

Für die unterschiedlichen Dachflächen kamen aufeinander abgestimmte Systeme von Optigrün zum Einsatz. Die großzügigen Dachterrassen sind mit dem System Optigrün Gartendach als intensiv begrünte und nutzbare Freiflächen ausgebildet. Der mehrschichtige Aufbau ermöglicht eine dauerhafte Bepflanzung mit Stauden, Gräsern und Gehölzen und schafft begrünte Aufenthaltsbereiche auf den Dächern.

Zur Rückhaltung und verzögerten Ableitung von Niederschlagswasser wurde ein Retentionsdach mit Einleitbeschränkung eingesetzt. Das anfallende Wasser wird in Retentionsboxen zwischengespeichert und kontrolliert abgeleitet. Ein Teil des gespeicherten Wassers steht der Vegetation über Kapillarwirkung zur Verfügung. Gleichzeitig lassen sich definierte Einleitmengen einhalten und Niederschlagsspitzen bei Starkregen reduzieren. 

Die geneigten Dachflächen sind mit einer Schrägdachbegrünung mit Schubsicherungssystem ausgeführt. Das für Dachneigungen von 10 bis 30 Grad ausgelegte System stabilisiert den Begrünungsaufbau gegen Abrutschen und ermöglicht eine dauerhafte Begrünung auch auf geneigten Dachflächen.

Bautafel

Architektur: B2Ai, Brüssel; Snøhetta 
Projektbeteiligte: B2Ai, Brüssel (Innenarchitektur); BM Engineering (Tragwerksplanung); Democo (Generalunternehmer); Erik De Waele BV (Landschaftsarchitektur); Naturoof Groendaken & Daktuinen (Ausführung Dachbegrünung); Optigrün international (Systemlösungen: Gartendach, Retentionsdach Einleitbeschränkung Drossel, Schrägdach System P)
Bauherr*in: De Steenoven NV, Rumbeke
Fertigstellung: 2024
Standort: Roeselare, Belgien
Bildrechte: Philippe van Gelooven

Bauwerke zum Thema

Grüntuch Ernst Architekten entwarfen einen Büroneubau für neue Arbeitswelten und einem umfassenden Begrünungskonzept.

Grüntuch Ernst Architekten entwarfen einen Büroneubau für neue Arbeitswelten und einem umfassenden Begrünungskonzept.

Büro/​Verwaltung

AERA in Berlin

Die kontrastreichen Fassaden des Valleys zeichnen sich durch vollverglaste Oberflächen und zerklüftete Terrassen aus.

Die kontrastreichen Fassaden des Valleys zeichnen sich durch vollverglaste Oberflächen und zerklüftete Terrassen aus.

Wohnen

Valley in Amsterdam

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Stadt- und Dachbegrünung sponsored by:
Optigrün international AG | Kontakt +49 7576 772-0 | www.optigruen.de