Mineralschaum aus Bauschutt

Neuartiger Dämmstoff im Praxistest

Diesem auskragenden Turm sieht man wahrscheinlich nicht an, dass es sich um ein Vorreiterprojekt des zirkulären Bauens handelt. Der in Rekordzeit errichtete Zweckbau mit dem Spitznamen Pilz befindet sich in der Nähe des Flughafens Zürich, in Rümlang. Seit einigen Jahren demontiert hier die Unternehmensgruppe Eberhard die Hallen des Verpackungsherstellers Schelling und bringt das dabei gewonnene Material zurück in den Kreislauf. So entsteht daraus etwa der neuartige Mineralschaum, der den Neubau dämmt.

Als Dämmstoff wurde der Recycling-Mineralschaum swissporECORIT des Herstellers swisspor eingesetzt.
Der neuartige Dämmstoff besteht zu 50 % aus Bauschutt.
Die Platten können passgenau zugeschnitten werden.

Der ungewöhnliche Turm ist Teil einer LKW-Waage des Recyclingunternehmens und beherbergt Büros, Garderoben- und Aufenthaltsräume sowie Sanitäranlagen. Der Ort erfüllt eine zentrale Rolle im Aufbereitungsprozess mineralischer Sekundärmaterialien, denn hier werden verschiedene Gesteinsfraktionen nach einigen Sortier- und Reinigungsschritten für die weitere Aufbereitung zwischengelagert oder direkt zur Herstellung neuer Baustoffe verwendet. Dazu betreibt Eberhard nördlich des Schelling-Areals das Aufbereitungszentrum EbiMIK.

In Teamarbeit recycelt

Bei dem Neubau kam neben einem CO2-reduzierten Beton der Mineralschaum swissporECORIT zum Einsatz, der zu mehr als 50 Prozent aus lokal gewonnenen Abbruchmaterialien besteht. Entwickelt hat ihn der Dämmstoffhersteller swisspor, gemeinsam mit Eberhard. Das Recyclingunternehmen liefert die Sekundärrohstoffe, die aus Mischabbruch und Produktionsabfällen der lokalen Ziegelindustrie bestehen, und bereitet sie im EbiMIK auf. Swisspor stellt daraus dann im energiearmen Kalschäumungsverfahren den Mineralschaum her. Am Ende seines Lebenszyklus kann er aufbereitet werden und steht dann erneut als Rohstoff für mineralische Hartschaumdämmplatten zur Verfügung.

Praxistest an der LKW-Waage

Max Schweizer erklärte sich als erstes Bauunternehmen dazu bereit, mit dem neuartigen Dämmstoff zu arbeiten. So konnte man wichtige Erkenntnisse in Sachen Belastbarkeit gewinnen: Jeder LKW, der das Areal anfährt oder mit mineralischen Sekundärrohstoffen verlässt, fährt über die LKW-Waage direkt neben dem Gebäude. Wegen der vielen Durchfahrten wird der Turmsockel stark strapaziert. In diesem beanspruchten Bereich, bei der auskragenden Untersicht des Pilzes sowie bei der Fassadendämmung der oberen Geschosse sammelte man Erfahrungen, die nun in die Weiterentwicklung der neuen Baustoffe einfließen.

Die Bearbeitung entspricht der herkömmlicher Dämmplatten, laut der Max Schweizer, wobei die Platten kleiner und viel leichter sind als etwa EPS und Mineralwolle. Die Mineralschaumplatten können passgenau zugeschnitten und so auch auf vorhandene Unebenheiten und Vorsprünge aufgebracht werden. Dazu sind keine Spezialmaschinen oder Sägen auf dem Gerüst nötig, wodurch sich Zeit sparen lässt und zugleich die Arbeitssicherheit erhöht.

Allerdings muss für Witterungsschutz gesorgt werden, da der Mineralschaum nicht feucht werden darf. Klebemörtel und Einbettungsmassen mit tiefen dynamischen E-Modulen erwiesen sich als ideale Putzmaterialien. Allerdings erforderte es etwas handwerkliches Geschick, die Klebeschicht auf die Dämmplatten aufzubringen. Diese Erfahrung floss aber bereits in die Weiterentwicklung ein.

Eigenschaften

Durch seine bauphysikalischen Eigenschaften ist der Recyclingdämmstoff für einen Einsatz bei Neubau und Sanierung gleichermaßen geeignet. Der offenporige Mineralschaum weist eine Wärmeleitfähigkeit λ von 0,035 W/(mK) auf. Während konventionelle Hartschaumdämmplatten, beispielsweise aus EPS oder XPS, mit Flammschutzmitteln behandelt werden müssen, ist swissporECORIT nicht brennbar und erreicht damit die Baustoffklasse A1. Darüber hinaus bindet der Mineralschaum CO2 aus der Luft. Durch die natürliche Karbonatisierung wird es umgewandelt und in die mineralische Struktur eingelagert.

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Je nach Anwendungsgebiet, kommen unterschiedliche Dämmstoffe in Frage.

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