Messenachbericht Cersaie 2022
Zwischen Aufbruchsstimmung und Durchhalteparolen
Keine Corona-Einschränkungen mehr, persönliche Kontakte ohne Maske – und doch keine Cersaie „as usual“. Unser Autor Michael Spohr war in Bologna unterwegs und berichtet von einer Cersaie, auf die Rohstoff-Knappheit, massiv gestiegene Energiepreise und der Ukrainekrieg ihre Schatten warfen.
Wichtige, hauptsächlich italienische Fliesenhersteller hatten sich zudem entschieden, der Messe komplett fern zu bleiben – wie etwa Marazzi sowie die Florim- und die Emil-Gruppe. Diese luden ihre Besucher zu Events in die eigenen Showräume ein, ohne – wie bisher üblich – wenigstens mit einem Gruppenmessestand in Bologna vertreten zu sein. Dass die 39. Cersaie dennoch mehr als 90.000 Besucher zählen konnte, die die Messestände von 624 Ausstellern aufsuchten (237 davon aus dem Ausland) kann vor diesem Hintergrund als Erfolg gewertet werden. Vielleicht half dabei auch ein offener Brief der AG Fliese im Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, in dem die Unterzeichner zur Messeteilnahme aufriefen.
Knapp 50 Prozent der Besucher kamen in diesem Jahr aus dem Ausland in die 15 Hallen, die mit 140.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche noch nicht wieder soweit gefüllt waren wie 2019. Sie erlebten eine ambivalente Branche zwischen Aufbruchsstimmung und Durchhalteparolen: Zum einen berichteten die meisten Hersteller von einer zufriedenstellenden Auftragslage und guten Geschäften in den ersten drei Quartalen, zum anderen war aber auch die Sorge hinsichtlich steigender Zinsen, ausgebuchter Handwerker sowie der problematischen Rohstoff- und Energieversorgung spürbar. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten für den Fliesentransport, die Holzverpackungen, Folien und Zusatzprodukte weiterer Zulieferer. Die energieintensive Fliesenindustrie reagiert auf all das bereits jetzt mit Kurzarbeit, vorübergehenden Entlassungen, dem Herunterfahren von Öfen und natürlich mit massiven Preissteigerungen, sowohl direkt als auch mittelbar über Energiekosten-Zuschläge.
Krisen und Probleme wirken aber oft auch katalysatorisch. So steht das Thema Nachhaltigkeit angesichts zunehmender Schwierigkeiten bei der Rohstoff-Versorgung plötzlich nicht mehr nur in den Marketingabteilungen auf der Tagesordnung. Und auch die zutage getretene Abhängigkeit vom Erdgas als wichtigstem Brennstoff bei der Fliesenherstellung bewegt die Hersteller, sich ernsthaft nach neuen Energiequellen umzuschauen. So schauen viele Produzenten neidvoll auf das erste, mit grünem Wasserstoff betriebene Keramikwerk der Iris Ceramica-Gruppe, welches das Unternehmen zeitnah unabhängig von russischem Erdgas machen wird.
Die langjährige Konzentration auf ESG-Prinzipien (Environmental Social Governance), zu der auch die Wasserstoffproduktion gehört und die der Gruppe zudem die begehrte Cradle to Cradle-Zertifizierung einbracht hat, trägt in der jetzigen angespannten Situation besonders Früchte. Mit der Atlas Concorde-Gruppe kündigte ein weiterer der großen Player in der Keramikfliesenwelt an, bei seiner aktuell anstehenden Werkserweiterung ebenfalls eine Wasserstoff-Fabrikation aufbauen zu wollen.
Andere Produzenten hingegen, die noch alte Öfen mit hohem Gasverbrauch betreiben und zunehmend Schwierigkeiten bekommen, das Geld für erforderliche Modernisierungen aufzubringen, zeigten zwar auf der Cersaie auch Neuheiten; ob diese jemals vom Band laufen werden, hängt indes von Abnahmegarantien der Kunden ab. Auf der anderen Seite war auch auf der Besucherseite – insbesondere beim Handel – das Bestreben deutlich erkennbar, die mittel- bis langfristige Lieferfähigkeit der Hersteller abzusichern. Je günstiger die Produkte und je dicker die Fliesen sind, desto mehr macht sich die Unsicherheit bemerkbar. Schließlich verschlingt die Produktion von zwei Zentimeter dicken Fliesen ein Vielfaches an Energie und Rohstoffen im Unterschied etwa zu sechs Millimeter dünnen Platten. Zudem erreicht jede Krise zuerst diejenigen Käufer mit dem niedrigsten Budget.
Dementsprechend hielt sich das Neuheitengewitter auf der Cersaie – mit wenigen die Regel bestätigenden Ausnahmen – in diesem Jahr in Grenzen. Hinter vorgehaltener Hand war darüber hinaus vielerorts zu erfahren, dass es sich bei den Messexponaten zunächst um Produktionsmuster handele, deren Marktstart noch keineswegs sicher sei. Denn in Zeiten teurer Energie und knapper Rohstoffe kann nur mehr produziert werden, was auch konkret nachgefragt wird.
Dem Naturstein immer näher
Seit Jahren schreibt der Autor dieser Zeilen im Cersaie-Nachbericht, dass die Fliesenhersteller versuchen, Naturstein nicht nur oberflächlich, sondern im Ganzen nachzubilden. In diesem Jahr nun sind gleich vier Firmen mit ernstzunehmenden Ergebnissen angetreten – drei davon präsentierten ihre Innovationen auf der Cersaie: die Iris Ceramica- und die ABK-Gruppe sowie Living Ceramics. Der vierte, Lapitec war nur am Breton-Messestand auf der Marmomac vertreten.
Bei der Iris Ceramica-Gruppe entstehen die 12 und 20 Millimeter starken Feinsteinzeugplatten mit der Full-Body-Technology im neuen Wasserstoff-Werk, wobei der Wasserstoff ausschließlich aus erneuerbaren Energien mittels Elektrolyse gewonnen wird. Dieser „grüne“ Wasserstoff gilt als die einzige umweltfreundliche, klimaneutrale Möglichkeit der Wasserstoffgewinnung. Daher spricht das Unternehmen bei den 160 x 320 Zentimeter großen Platten der Marke Sapienstone von 4D-Keramik: Die mittels elektromagnetischer Schichtung mögliche technische Neuerung der drei räumlichen Dimensionen verbindet sich mit der nachhaltigen Technologie und führt das keramische Material in eine neue Dimension.
Industriell gefertigte Produkte, die aus denselben Grundstoffen auf die gleiche Art wie Naturstein – nur vergleichsweise wie mit Lichtgeschwindigkeit – entstehen, schienen lange Zeit undenkbar. Und doch hat es auch die ABK-Gruppe mit ihrer Fullvein 3D-Technik geschafft, ihre 6, 12 und 20 Millimeter dicken 163 x 323 Zentimeter großen Slabs im kompletten Körper zu dekorieren. Die unter der Marke Abkstone angebotenen Platten waren zudem am Messestand von Versace und Gardenia Orchidea (2021 von der ABK-Gruppe übernommen) zu sehen. Wie Export Area Managerin Irene Monti mitteilte, hätten bereits Natursteinhändler nachgefragt, weil sie das Material für Küchenarbeitsplatten und Möbelbau anbieten wollen.
Bei Lithotech, der auf den Küchenmarkt zielenden Marke von Living Ceramics war auf einer Hauptinsel in der Mitte des Standes eine Einheit des italienischen Möbelherstellers von Molteni&C mit einer Marmoroptik-Arbeitsplatte in der neuen Corelith Veining-Technologie des Unternehmens mit durchgehender Aderung zu sehen. Und Lapitec schließlich, das als erstes Unternehmen durchgefärbtes Material auf den Markt gebracht hatte, zeigte am Breton-Messestand auf der parallel stattfindenden Marmomac in Verona nunmehr auch durchgehende Aderungen und Maserungen von Natursteinnachbildungen.
Trend Natur
Wie weiter oben bereits angesprochen, beeinflusste das Thema Nachhaltigkeit den wichtigsten auf der Messe erkennbaren Trend: Natur. Dies bestätigte etwa Christina Faedi, die Werbeleiterin des italienischen Fliesenverbandes, der Confindustria Ceramica bei ihrem Cersaie-Resümee. Die durchgängig bespielten Leitmotive Nachhaltigkeit und Natur wirken sich auf Farben und Dekorationen gleichermaßen aus wie auf Oberflächen und Formate: Warme, natürliche Erdfarben standen im Fokus, weiche Texturen, florale Motive, naturnahe, künstlich gealterte Oberflächen, naturbelassene Holzreplikate und zeitgenössisch interpretierte Varianten von Natursteinen.
Und dennoch gilt Violett als die Farbe des Jahres, sind helle, glänzende Farben gefragt, spielen goldene Akzente eine wichtige Rolle und zeigen sich immer mehr farbintensive, luxuriöse Marmoranmutungen. Faedi spricht in dem Zusammenhang von einer Dichotomie. Die Faszination der Gegensätze führe dazu, dass möglichst unterschiedliche Produkte so häufig wie möglich gemischt würden. Selbst innerhalb des Materials komme es zu Kontaminationen wie beispielsweise Beton- in Holz- oder Glasur in Steinoptik. Der Trend zum Kontrast ist laut der Vertreterin des Fliesenverbandes auch auf die Vielschichtigkeit der Konsumenten zurückzuführen, die unterschiedlichen Generationen von den Baby Boomern bis zu den Post-Millennials mit gegensätzlichen Konsum- und Informationsvorstellungen angehören.
Die Fortsetzung der Terrazzowelle, die Rückkehr des Cotto, moderne Travertin-Interpretationen und zahlreiche Lehmputz- sowie Tonerde-Haptiken holen Natürlichkeit ins Haus – nicht mehr wie in Coronazeiten im Sinne eines „Ich bleibe zu Hause“, sondern als Schutzfunktion im Sinne eines „Ich komme nach Hause zurück“.
Zum am häufigsten nachgestellten Naturstein hat sich das italienische Konglomerat Ceppo di Gre entwickelt. Der polnische Hersteller Cerrad gewann mit seiner Nachbildung dieses Sedimentgesteins Ceppo Nuovo sogar den Red Dot Design Award. Ähnliche Optiken präsentierten beispielsweise auch Cercom und Mirage neu und haben zudem Italgraniti, Marazzi, Inalco sowie viele weitere Anbieter im Programm.
Etwas überraschend hat sich das Thema Papier in die Kollektionen der Hersteller geschlichen, was allerdings ebenfalls dem Naturtrend geschuldet ist. Die bei Verde 1999 / Cermiche Campogalliano im Vordergrund des Messeauftritts stehende neue Kollektion BYO etwa ist gemäß Unternehmensverlautbarung „inspiriert von organischem, handgeschöpften Papier mit Einschlüssen verschiedener Natur- und Pflanzenfasern“. Keramische Tapeten gab es mit Papier aber auch bei Mirage, mit Rainforest bei Fioranese, mit den Deco Solutions bei Caesar und bei vielen weiteren Anbietern – häufig mit floralen Motiven. Die Fioranese beispielsweise erklärt, mit ihrer neuen Coem-Serie Rainforest die Antwort auf den Botanik-Trend geben zu wollen. Die Wandfliesen zeichneten „sich durch die stimmungsvollen Texturen und Farben des üppigen, aber nie zu aufdringlichen Blattwerks aus, das eine Hommage an unseren Planeten darstellt und ein Gefühl von Frische und Wohlbehagen vermittelt“. Mit anderen Worten, aber sehr ähnlichen Aussagen haben in diesem Jahr etliche Hersteller ihre neuen Kollektionen vorgestellt.
Dreidimensionale Oberflächen
3D-Effekt-Technologien sind ebenfalls in aller Munde: Das im letzten Jahr bei Living Ceramics erstmalig gezeigte Verfahren zum Einprägen von Reliefs in die Materialoberflächen hat sich weiterentwickelt und sorgte bei etlichen Herstellern für neue 3D-Effekte – wie etwa bei der im letzten Jahr bereits vorgestellten Matter-on-top-Technologie von Coem und Fioranese, die unter anderem mit Touch Stone eine von Travertin inspirierte zurückhaltende Marmoreffekt-Serie erschaffen haben – mit einem Finish aus markanten Äderungen und warmen, leuchtenden Farbtönen. Coem und Fioranese hatten ihren Messeauftritt ansonsten übrigens ebenfalls unter das Thema Nachhaltigkeit gestellt – mit dem Slogan „Zusammen für eine bessere Zukunft“.
Living Ceramics selber stellte mit der Nuer-Kollektion von Kensako Oshiro als Teil der Signature Surfaces-Kollektionen eine Neuheit mit andersartig erzeugter Dreidimensionalität vor: Durch die regelmäßige Wiederholung eines Moduls mit drei abgewinkelten Flächen in verschiedenen Farbtönen entstehen interessante optische Effekte, die in Abhängigkeit von Blickwinkel und Betrachtungsabstand variieren.
Auch die ABK-Gruppe präsentierte 2022 eine 3DTech-Technologie, die das Auftragen dicker Schichten aus Keramikmaterial in perfekter Ausrichtung auf das Grafikdesign ermöglicht, um auffällige dreidimensionale Effekte zu erzielen. Ein weiteres Beispiel: Bei Living Ceramics heißt die neue Digitaldruck-Kollektion 3D.Fit. Das spanische Unternehmen präsentierte drei neue durchgefärbte Kollektionen seiner Marke Lithotech: eine Travertin-Inspiration, eine Holzoptik und eine zeitgenössische Terrakotta-Interpretation.
Und der italienischen Iris Ceramica-Gruppe schließlich ist es
gelungen, den wichtigen Naturstein-Bestandteil Glimmer in die
keramische Oberfläche ihrer XXL-Formate zu integrieren, was bisher
wegen der hohen Brenntemperaturen nicht möglich war. Die Ergebnisse
weiterer 3D-Innovationen zeigen sich bei neuartig teilpolierten
Materialien, die reizvolle Matt-Glanz-Kontraste sowie haptisch
anspruchsvolle Reliefstrukturen erzeugen.
Groß und klein
Große Fliesen finden zunehmend nicht nur auf Böden und Wänden, sondern auch auf Möbeloberflächen Verwendung. Diese werden zunehmend „cut to shape“ angeboten, also auf Maß in Form geschnitten. Versace präsentierte zum Beispiel seine Bad- und Wellnesskollektion Details, die Einrichtungselemente wie Waschbecken und Waschtischplatten umfasst, die perfekt auf die Keramikoberflächen abgestimmt sind, sowie die aktualisierte Taps&Co-Serie von Armaturen und Accessoires.
Auch zur 39. Auflage der internationalen Ausstellung für Keramikfliesen und Badezimmerausstattung in Bologna waren die zwischen 2,40 und 3,20 Meter großen Slabs kaum zu übersehen; sie zeichnen sich durch ästhetisch beeindruckende Hightech-Oberflächen – oft in Marmoroptik – aus und eröffnen neue Horizonte bei der Gestaltung von Wohn-, öffentlichen und gewerblichen Räumen. Bei den größeren, international agierenden Herstellern nennt mittlerweile nahezu jeder eine Marke oder Untermarke mit 12 und/oder 20 Millimeter starken Keramikplatten sein eigen, sei es Atlas Concorde mit Infinity, Florim mit Florim stone, Fondovalle mit My Top oder Inalco mit MDI (Mineral Design Innovation) und iTop. Zusammen mit den dünnen, 3, 4 und 6 Millimeter starken Platten eignet sich das großformatige Material perfekt für die Anfertigung von Fertigarbeiten für Möbelbau und Interieur. „Vom Produkt zum Projekt“ lautet hier die Zielvorgabe.
Im Gegensatz dazu stehen sehr kleinteilige, meist für den Wandeinsatz gedachte Fliesen, die handgefertigt wirken. Aquarelleffekte, emaillierte Oberflächen, gerne mit feinen Krakelee-Rissen durchzogen, farbenfrohe Lavaanmutungen, glänzende (Teil-)Glasuren und generell eine breite Farbtonpalette zeichnen die meisten der Kollektionen dieses Fliesentyps aus, hinzu kommen Anlehnungen an handgefertigte Majolika – dann mit starken geometrischen oder floralen Mustern. Am ABK-Messestand war etwa die neue Wide&Style Mini Vol. 2-Keramiktapetenkollektion zu sehen, die mit ungewöhnlichen Geometrien, linearen Texturen und handgefertigten Designs abstrakte Territorien betritt.
Ein Vorteil dabei für die in der Emilia Romagna ansässigen Fliesenfabrikanten: Sie können wieder den heimischen Ton verwenden und sind nicht abhängig vom weißen Ton aus dem Donbass, der seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht mehr zur Verfügung steht. Was vielen vor Kriegsbeginn nicht bekannt war: Im ukrainischen Donetsk-Becken (auch Donbass genannt) liegen die größten Vorkommen keramischer Tone. Zieht man in Betracht, dass zwischen 25 und 65 Prozent der Gesamtmasse einer Fliese vor dem Brand aus Ton besteht und dass sich großformatige Feinsteinzeugfliesen mit der heute gängigen Technologie ökonomisch nur mit den plastischen Donbass-Tonen herstellen lassen, dann wird schnell klar, in welchem Dilemma viele Hersteller stecken.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass etwa die Marke Iris Ceramica sich mit einem komplett neuen, rotscherbigen Wandfliesen-Programm unter dem Namen Bottega dÀrte zurückbesonnen hat auf althergebrachtes Know-how in Verbindung mit dem traditionellen Naturmaterial. Die Kollektionen des Programms tragen nicht von ungefähr alle das Wort „Terre“ im Namen, wie etwa Terrecotte.
Streifzug über weitere Messestände
Die Natur war das Leitmotiv des Flaviker-Raums mit Four Seasons, einer eleganten Oberfläche in Holzoptik, die in drei Farben erhältlich und offen für stilistische Crossover-Effekte ist.
Bei Isla Tiles stand Oasis im Rampenlicht, eine raffinierte Kollektion mit einer harmonisch eleganten Interpretation von Holz mit konzeptionellem Flair, die sich durch eine exquisite Textur aus ausgerichteten Adern auszeichnet, die an Bleistiftzeichnungen erinnert und sich perfekt für zeitgenössisches Design eignet.
Novoceram zeigte mit seiner Ojala-Terracotta-Look-Kollektion, dass das Unternehmen das Naturmaterial möglichst originalgetreu reproduzieren und dabei elegant sowie zeitgenössisch interpretieren möchte. Die neue weißscherbige Serie Parallaxe im Art-Deco-Stil hingegen ist perfekt auf die neue Adage-Kollektion abgestimmt; diese besteht aus Marmoreinlagen, die von einer goldenen Linie begrenzt werden.
Bei Caesar war der gemeinsame Nenner aller Themen- und Projektbereiche der nachhaltige Aspekt: wie das Unternehmen meldet, „ein heute unverzichtbarer, mehr als notwendiger Begriff, den Caesar seit jeher zu den Leitmotiven seiner Industriebetriebe zählte und der heute weiter in den Fokus gerückt wurde.“
Die Steuler-Fliesengruppe war – als einer von auffällig wenigen deutschen Herstellern – auf der Cersaie mit dem Export-Messestand angetreten und präsentierte mit der Serie Maison eine moderne Cotto-Interpretation sowie mit der Serie Java eine Naturoptik mit Pflanzenmotiven und tropischen Wädern. Zudem spielte das Unternehmen in einem Mix and Match mit der Kombination unterschiedlicher Serien, wie beispielsweise Maison mit der bereits arrivierten Kollektion Talo.
Gegen den Trend trat erstmalig Meissen Keramik als deutscher Hersteller in Bologna auf, während die Deutsche Steinzeug dieses Jahr ebenso fehlte wie Villeroy & Boch oder Interbau Blink, Engers, Ströher und Zahna.
ADI Design Awards
Den diesjährigen ADI Design-Award gewannen bei den Keramikoberflächen Mirage mit Reflet, Ceramica Bardelli mit Cromia-Volume und Gigacer mit seiner Terra-Kollektion. Reflet ist ein Produkt von großer dekorativer Qualität mit mehreren Spiegeleffekten, die auf eine alte Tradition des achtzehnten Jahrhunderts verweisen. Bei Cromia-Volume handelt es sich um „ein Element von starker Optik und Identität in vier Modulen mit ausgeprägten Hoch- und Flachreliefs, die dynamische volumetrische Effekte der Wandverkleidungen erzeugen, hergestellt in einer auffälligen Farbpalette“. Die Terra-Kollektion erzielt einen innovativen, von der Erde inspirierten Materialeffekt. Die Kollektion ist in einer anspruchsvollen Palette natürlicher Farben erhältlich.
Eine besondere Erwähnung erfuhr Pura von Cotto d’Este für die Sortimentstiefe der Serie, die durch eine perfekte Abstimmung verschiedener Produktionstechnologien erreicht wird, um eine homogene Sammlung von Oberflächen, Größen und Dicken zu erhalten. Den ADI-Award für die besten Messestände gewannen Grandinetti, Italgraniti, Marca Corona, Fondovalle und Vives.
Hinsichtlich der Sortimentstiefe überzeugt auch die neue Serie Stile von Casalgrande Padana. Die sechs Farben der Kollektion, welche sich an belgischen Blaustein anlehnt, kommt mit gleich sieben verschiedenen Oberflächen in acht Formaten daher, von seidenmatt über geriffelt und antikisiert bis zu dem besonders trittsicheren Grip. Zahlreiche Dekore wie etwa 20 x 120 cm messende Dielenelemente, Riemchen und ein Modulverband mit Goldstab-Einlegern runden diese Kollektion ab.
Und auch die neue Kollektion La Geoteca von Gardenia
Orchidea bietet äußerst vielseitige Versionen der beliebtesten
Steine in Form von Keramikplatten im Format 120 x 280 cm und einer
Reihe von modularen Untergrößen, alle mit einer rutschfesten
P.Tech-Oberfläche. Die Kollektion entwickelt das im vergangenen
Jahr erstmals mit La Marmoteca lancierte Konzept einer umfassenden
Kollektion weiter, die in vielen verschiedenen Varianten erhältlich
ist.
Nicht zu vergessen sollte abschließend noch erwähnt werden, dass auf der Cersaie auch 88 Badausstatter und 182 Aussteller aus den Segmenten Bauchemie, Werkzeug, Zubehör und Rohstoffe vertreten waren. Während bei den Sanitäranbietern die Ambivalenz zwischen gespannter Erwartung und vorsichtiger Zurückhaltung ebenfalls spürbar war, hatten die Bauchemie- und Werkzeughersteller komplett auf wirkliche Neuheiten verzichtet. Einige Weiterentwicklungen wie etwa die aus Apfelabfällen und mineralischen Zuschlagstoffen hergestellte nachhaltige Mörtelergänzung Mapestone GR-ECO in der Mapestone-Familie von Mapei, die neueste Fliesenschneidemaschine Masterpiuma P 5 von Montolit oder das wirkungsvoll verbesserte manuelle Schneidsystem Slab Cutter von Rubi lohnten dennoch einen Besuch an den Messeständen.
Eine Erwähnung verdient zum Schluss – gerade vor dem Hintergrund der momentanen Energieproblematik – ein Projekt des italienischen Start up-Unternehmens Maarmo, welches patentierte Systeme für Heizkörper aus Marmorpulver präsentierte. Seinen Grundstoff erhält das Unternehmen ausschließlich aus dem Verschnitt, der beim Abbau und beim Auftrennen der Marmorblöcke sowie bei der Weiterbearbeitung entsteht. Die Maarmo-Heizkörper stehen als Hybrid- sowie als Elektroversionen zur Verfügung und können an Photovoltaikanlagen angeschlossen werden.