Mendel´s Greenhouse in Brünn

Genetik im Glashaus

Gregor Mendel gilt als Entdecker der Vererbungsgesetze, die er 1866 erstmals veröffentlichte. Seine Kreuzungsexperimente mit sorgfältig ausgewählten Sorten der Erbsenpflanze führte der Priester des Augustinerordens ab 1856 im Klostergarten der Brünner Abtei St. Thomas durch. Das ihm dafür zur Verfügung stehende Gewächshaus war 1870 durch ein Sturmereignis zerstört worden, sodass bis vor kurzem ausschließlich die Fundamente des historischen Bauwerks sichtbar waren. Dem Entwurf von Chybik + Kristof aus Prag folgend, entstand im Jahr 2022 – anlässlich des 200. Geburtstags von Gregor Mendel – an der Stelle des Gewächshauses ein gläserner Pavillon der Genetik als Neuinterpretation des historischen Vorbilds.

Es ersetzt das historische Gewächshaus, in dem Mendel seine Kreuzungsexperimente durchführte. Volumen, Ausrichtung und Dachform orientieren sich am historischen Vorbild.
Die Fassade ist rundherum mit großformatigen Gläsern ausgefacht.
Bei Bedarf können die Glasflächen mit einem außenliegenden Sonnenschutz geschlossen werden.

Die erhaltenen Fundamente wurden in die Struktur integriert und sind weiterhin sichtbar; sie bilden die Grundlage für den neuen Entwurf, der sich hinsichtlich Ausrichtung, Form und dem markanten Dach an der Gestaltung des alten Gewächshauses bedient. Dadurch fügt sich die neue Struktur natürlich in die grüne Umgebung des Gartens und der Bestandsbebauung.


Komplexes Stahltragwerk zeichnet Vererbungssystem nach

Eine wesentliche ästhetische, symbolische, aber auch funktionale Neuerung ist die neu gestaltete tragende Stahldachkonstruktion, die sich an den drei Mendelschen Regeln und den Zeichnungen seines daraus resultierenden Vererbungssystems orientiert: Die Knoten und Seilverspannungen stehen symbolisch für seine wissenschaftlichen Prinzipien. Das transparente Glasdach legt die Feinheiten der Konstruktion offen; damit sollen die bahnbrechenden Beiträge Mendels zur modernen Wissenschaft sichtbar gewürdigt werden.


Flexibel nutzbarer Innenraum

Vollständig verglast und mit offenen Seitenwänden, schafft das Gewächshaus eine unmittelbare Verbindung mit dem üppigen Grün des Klostergartens. Der Pavillon dient in erster Linie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort für Themen rund um das Erbe Gregor Mendels. Der Innenraum ist anpassungsfähig, sodass eine Vielzahl unterschiedlicher Events stattfinden können, darunter Konferenzen, Vorträge und Wechselausstellungen. Integrierte, außenliegende Dachmarkisen schützen einerseits vor zu starker Sonneneinstrahlung und ermöglichen es zudem, den Raum für Projektionen und Konzerte zu verdunkeln. 


Pfosten-Riegel mit Wärmeschutzglas

Die vertikale Fassadenkonstruktion ist als Pfosten-Riegel-Profilsystem ausgebildet, das durch die innenliegende Stahlkonstruktion gestützt ist. Die Konstruktion des Pultdaches besteht aus verzinkten Stahlprofilen mit einer Aufsatzprofilkonstruktion. Im Warmbereich erfolgt die Ausfachung mittels 3-fach Isolierverglasungen; im kalten Dachüberstand sind es 2-fach Isolierverglasungen. Diese bestehen aus thermisch entspanntem Floatglas als Wärmeschutzglas mit Low-E-Beschichtung, wobei jeweils die nach innen gerichteten Verglasungen als Verbundsicherheitsglas ausgeführt sind. Das maximale Glasformat beträgt 2,8 m x 2,5 m.


Ganz aus Glas

Um die Ganzglaswirkung des Pavillons zu unterstreichen, wurden Fassade und Dach als Structural-Glazing-System ausgebildet. Dazu sind die Isolierverglasungen gegenüber Winddruck und Eigengewicht linienförmig auf der inneren Dichtebene gelagert. Gegenüber Sogbeanspruchung sind die Verglasungen mittels Eindrehhalter gesichert. Diese greifen in die U-Profile ein, die in den Sekundärdichtstoff des Randverbunds der Isolierverglasungen integriert sind. Der Falzraum zwischen den Verglasungen ist mittels einer Wetterversiegelung aus Silikon nach außen geschützt.

Bautafel

Architektur: Chybik + Kristof, Prag
Projektbeteiligte: CHYBIK+KRISTOF, BABKA&SUCHMA, STAVOS (Generalunternehmer), PS BRNO, Brünn (Fassadenkonstruktion);UNICON, Třebíč (Stahlbau); JP STATIKA, Brünn (Tragwerksplanung); Projekty PO, Brünn (Brandschutz); U1 Lightning, Brünn (Lichtplanung); Saint-Gobain Glass (Verglasungen: SGG Planiclear und Planitherm)
Bauherr/in: St. Augustin Abbey, Brünn
Fertigstellung: 2022
Standort: St. Augustin Abbey, Mendlovo náměstí 157/1, 60300 Brünn
Bildnachweis: Laurian Ghinitoiu, Chybik + Kristof

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Bei Structural-Glazing Fassaden werden die Verglasungen an die Tragstruktur geklebt - dadurch werden glatte Fassadenansichten ohne sichtbare Profile möglich.

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