Mehrfamilienhaus Flora 86 in Berlin

Große Vielfalt bei hoher Dichte

Mit einem gründerzeitlichen Altbau auf der einen und einem Pocket- oder Taschen-Park mit angrenzender Brandwand auf der anderen Seite fügt sich das Mehrfamilienhaus Flora 86 in den dichten Stadtraum von Berlin-Pankow. Seit 2015 setzte eine Baugruppe unter Leitung von Praeger Richter Architekten viel Energie daran, an dieser Stelle in bester Kiezlage hochwertigen Wohnraum zu schaffen, den die Mitglieder dann ihr eigen nennen können. 17 barrierearme Wohnungen für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und zwei Gewerbeeinheiten sind entstanden.

Verwirklicht wurde das verschachtelte Gebäude von einer Baugruppe unter Leitung von Praeger Richter Architekten. In der Florastraße befinden sich im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss Gewerbeeinheiten.
Hier schließt der Neubau an das gründerzeitliche Nachbarhaus an und läuft im Grundriss spitz zu. Ganz oben befindet sich die Dachterrasse.
Die Durchfahrt zum Hof am sogenannten Pocket-Park

Das Gebäude dringt tief in den Block ein. Mit maximal sechs Etagen, einem dreigeschossigen Seitenflügel, einer Dachterrasse oberhalb des zur Florastraße spitz zulaufenden Grundstücks und einer variierenden Breite reagiert das Volumen in vielfältiger Weise auf die Nachbarschaft – acht verschiedene Grundstücke galt es dabei zu berücksichtigen. Jeder Wohnung mindestens einen privaten Freibereich zuzuordnen, war den Planerinnen und Planern aufgrund der hohen Dichte sehr wichtig. Das gelang durch Balkone und Loggien, Wintergärten, Dachterrassen und einen Patio – in vielen Fällen sind es zwei oder gar drei Freisitze pro Wohneinheit.

Differenzierte Gebäudestruktur

Die komplexe Gebäudekubatur ist im Großen und Ganzen viergeteilt (Abb. 19). Das im Grundriss dreieckige Vorderhaus nutzt die Grundstücksfläche straßenseitig aus: Hier befinden sich Vierzimmer-Wohnungen mit einem großen Wohnraum und Balkon zur Florastraße sowie zwei Individualräumen zum Hof. Anstelle des sechsten Geschosses lässt eine gemeinsam nutzbare Dachterrasse weit über die Stadt blicken.

Durch eine Einschnürung verbunden, in der Treppenhaus und Aufzug untergebracht sind, schließt ein acht Meter schmaler Gebäudeteil an. Die Kubatur weicht hier gegenüber dem nordöstlich benachbarten Hinterhof zurück, der zum Blockrand der Görschstraße gehört. Der nächste Abschnitt wiederum reagiert auf die bestehende Hinterhofbebauung mit einem dreigeschossigen Seitenflügel als Gegenüber. Südlich befindet sich der öffentliche Pocket-Park. Während der Seitenflügel in Fortführung des Haupthauses im Grundriss L-förmige, dreiseitig orientierte Familienwohnungen schafft, sind die relativ kleinen Wohnungen im Abschnitt davor zumeist Maisonettes.

Private Freisitze, gemeinsamer Hof und Dachterrasse

Entlang der dreieckigen öffentlichen Grünfläche erschließt eine Durchfahrt den Hof. Am Übergang befindet sich der vierte, hintere Gebäudeteil, mit Gemeinschaftsraum und kleiner Gästewohnung im Erdgeschoss. Der gemeinsam nutzbare Hof ist mit Spielplatz, Beeren- und Kräutergarten, Sitzgelegenheiten und Radstellplätzen gestaltet. Den drei Erdgeschosswohnungen im vorderen Bereich ist ein privater Hofraum an der Nordostseite zugeordnet. Die rückwärtigen Wohnungen der oberen Etagen erhalten von drei Seiten Tageslicht und verfügen jeweils über zwei Freibereiche – wie zum Beispiel Dachterrassen auf dem Seitenflügel. Auf diese Weise entstehen vielfältige Bezüge zur Nachbarschaft.

Es sind Familien und Senioren, junge und alte Paare sowie Einzelpersonen, die in den Wohnungen auf 46 bis 160 Quadratmetern wohnen. Die Gewerbeeinheiten zur Florastraße sind im Erdgeschoss als Arztpraxis und im ersten Obergeschoss als Büro genutzt.

Ein hauseigenes Blockheizkraftwerk übernimmt die Wärmeversorgung. Aufgrund der sehr hohen Überbauung des Grundstücks wurde der gemeinschaftliche Hof als wassergebundene Decke mit Pflanzflächen ausgestattet. Unter dem gesamten Hof liegt ein Regenrückhaltesystem aus Rigolen, sodass bei Starkregenfällen das Wasser auf dem Grundstück verbleibt.

Staffelgeschoss mit extensiver Begrünung

Auf dem Staffelgeschoss wurde ein extensives Gründach ausgebildet. Der Dachaufbau ist wie folgt: Die Decke aus 200 mm Kreuzlagenholz ist unterseitig mit zwei Lagen Gipskarton bekleidet, die durch eine Luftschicht von der Holzdecke getrennt sind. Oberhalb der Decke ist eine Elastomerbitumenbahn als Trennlage und eine Bitumenschweißbahn als Dampfsperre angeordnet.

Die Wärmedämmung aus PU ist 200 mm stark; eine Bitumenschweißbahn bildet die Abdichtung darüber. Die extensive Dachbegrünung (schweres Substrat) lagert auf einem Schutz- und Speichervlies, dem Dränelement und einem Filtervlies. Durchgängig ist zwischen Attika und begrünter Fläche ein Kiesstreifen angeordnet. Die abdichtende Bitumenbahn ist bis auf die Attika hinaufgeführt, an der innenseitig eine Perimeterdämmung (XPS) befestigt ist. Die Abdeckung der Attika aus Titanzink bildet einen schmalen Dachrand als Abschluss der mit WDVS ausgeführten Fassade, die in hellen Sand- und Lehmfarben verputzt ist. -us

Bautafel

Architektur: Praeger Richter Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Enrico Kluge / Projektbau Kluge, Schenkendöbern (Tragwerksplanung); Ingenieurbüro Norbert Lüttgens, Berlin (TGA-Planung); IEG Ingenieurbüro für Energieberatung und Gebäudeoptimierung (Energieplanung); thomas betonfertigteile Fehrbellin (Wand, Decke); Bauder, Stuttgart (Hersteller Abdichtungsbahn)
Bauherr: Baugruppe Flora 86
Fertigstellung:
2018
Standort:
Florastraße 86, 13187 Berlin
Bildnachweis: Andreas Friedel & Christoph Naumann

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