Maison des Solidarités et de la Citoyenneté in Langon
Sozialzentrum in Holz, Stroh und Lehm
Für die Stadt Langon, eine Autostunde landeinwärts von Bordeaux, wurde 2025 ein neues Sozialzentrum fertiggestellt. Das Maison des Solidarités et de la Citoyenneté (Deutsch: Haus der Solidarität und Bürgerschaft) ist als Treffpunkt und zentrale Anlaufstelle für soziale Dienste im Département Gironde gedacht. Neben einer Bibliothek und einem Jugendzentrum sind hier Beratungsstellen für Behinderte, ältere Menschen und deren Angehörige sowie Dienste für den Mütter- und Kinderschutz und die Gesundheitsförderung ansässig. Darüber hinaus soll der zweigeschossige Neubau, geplant vom Pariser Architekturbüro ABF-LAB, mit passiver Klimatisierung und natürlichen Baumaterialien ein Zeichen setzen für einen nachhaltigen, schonenden Umgang mit Ressourcen.
Architektur für Mensch und Umwelt
ABF-LAB wollte einen Ort schaffen, der verglichen mit anderen behördlichen Anlaufstellen deutlich einladender wirkt: Durch die U-Form des Gebäudes organisiert sich das Innenleben um einen Patio. Glasfronten sorgen für viel Tageslicht in den Räumen, das besonders in Beratungskontexten eine positive Wirkung haben soll. Auch die Materialwahl für Wände und Böden – darunter Holz, Lehm und Kalkputz – trägt zur angenehmen Atmosphäre bei. Sie dienen außerdem dazu, den hohen Umweltschutzanforderungen gerecht zu werden.
Schließlich zeichnet sich die Bauweise durch ein sehr geringes Treibhausgaspotenzial (Global Warming Potential, GWP) aus: Mit Ausnahme der Dachabdichtung wurde komplett auf erdölbasierte Produkte verzichtet – diese können nämlich flüchtige organische Verbindungen emittieren. Auch schädliche Klebstoffe und Einwegmaterialien außen vor. Stattdessen verwendete man nachwachsende und in der Verarbeitung energiearme Baustoffe – allesamt aus Frankreich. Zudem wurden Holztüren und 177 Heizkörper wiederverwendet, die aus der ehemaligen Polizeistation auf dem Gelände stammen.
Konstruktionsweise
Konstruktiv handelt es sich um ein Holzständerwerk. mit vorgefertigten Wandelementen. Für Tragwerk, Trennwände, Böden und Treppenhaus verwendete man französische Fichte und Kiefer. Außenseitig sind die Wände mit vertikalen Latten aus karbonisiertem Douglasienholz verkleidet. Durch die Karbonisierung – ein kontrolliertes Verbrennen der Holzoberfläche – soll die Fassade mindestens hundert Jahre ohne Pflege überdauern. Eine hohe Attika und ein großer Dachüberstand schützen die Holzfassade zusätzlich konstruktiv. Gedeckt ist der Dachüberstand mit Metallplatten, in die eine Solaranlage integriert ist.
Hinter dem Holz befinden sich eine Luftschicht von 150 mm und diffusionsoffene Wand- und Dachplatten (DWD-Platten). Diese dienen zum Schutz der Strohdämmung, als aussteifende Beplankung sowie als zweite wasserableitende Schicht. Zum Innenraum hin sind die Strohballen mit einem 50 mm starken Lehmputz versehen.
Die Sockelzone ist mit Kalkputz auf einem termitenresistenten Edelstahlgewebe versehen. Schaumglasschotter und -platten dämmen die Beton-Bodenplatte und die Streifenfundamente zum Erdreich. Die Dach- und Deckenelemente wurden als Hohlkästen ebenfalls vorgefertigt. Für verbesserten Schallschutz sind sie mit mineralischer Schüttung beschwert, beim Flachdachbereich sind sie mit Zellulose gefüllt.
Dämmung: gepresste Strohballen
Rund eintausend Strohballen wurden für die Wände benötigt. Sie sind jeweils 370 mm breit und 690 mm lang und wurden bereits im Werk in die vorgefertigten Wandelemente eingepresst. Dabei wird das Stroh auf eine Rohdichte von 80 bis 120 kg/m3 komprimiert. Diese hohe Dichte ist entscheidend für den Brandschutz, da so kaum mehr Sauerstoff im Balleninneren vorhanden ist.
Sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz
Um eine Überhitzung der Innenräume im Sommer zu vermeiden, setzt man auf eine Reihe passiver Maßnahmen. Oberlichter im Dach ermöglichen eine natürliche Belüftung durch thermischen Zug (Kamineffekt), ergänzt durch einen Luftumwälzer. Außerdem nützt die thermische Trägheit der Lehmziegel-Wandelemente im Innneraum. Die doppelverglasten Dreh-Kipp-Fenster sitzen in tiefen Laibungen. Zusätzlich dienen Vordächer, Raffstore und Fensterläden mit Weidengeflecht als Sonnenschutz. Die Wände erreichen schließlich Passivhausstandard.
Ergänzend zur Dämmung des Gebäudes kommen in der kälteren Jahreszeit ein Biomasseofen und eine solarbetriebene Zentralheizung zum Einsatz. Letztere produziert mehr als die Hälfte der für den Betrieb des Gebäudes erforderlichen Energie. Für die korrekte Bedienung der Anlage wurden alle Nutzer*innen des Gebäudes geschult.
Bautafel
Architekten: ABF-LAB, Paris
Projektbeteiligte: FACEA (TCE) (Technisches Planungsbüro)
Bauherrschaft: Département de la Gironde
Standort: 7 rue Raymond Poincaré, 33210 Langon, Frankreich
Fertigstellung: Juli 2025
Bildnachweis: Ivan Mathie (Fotos); ABF-LAB (Pläne)
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