Linienentwässerung in der Infrastruktur
Bei der Linienentwässerung wird das Regen- und Oberflächenwasser zur Entwässerungsrinne geleitet und hier der Kanalisation oder einer Versickerung zugeführt. Die zu entwässernden angrenzenden Flächen müssen zur Rinne hin ein gleichmäßiges Gefälle aufweisen.
Linienförmige Entwässerungsrinnen eignen sich für ausgedehnte
versiegelte Flächen und werden in vielen Bereichen eingesetzt – von
Freiflächen und Außenanlagen bis hin zu Schwerlastflächen, Tunneln
und Brücken. Sie müssen den oft hohen Belastungen sicher
standhalten können und unterliegen je nach Einsatz
unterschiedlichen Anforderungen.
Parkhäuser, Parkdecks und Tiefgaragen
Oberflächen in Parkhäusern und Tiefgaragen sind einer hohen mechanischen Beanspruchung durch permanentes Befahren ausgesetzt. In Parkdecks kommt hinzu, dass die oberste Ebene mit voller Bemessungsregenspende zu entwässern ist. Ebenso wie in Parkhäusern fällt in die darunterliegenden Ebenen seitlich Regen ein. Dazu muss das von Reinigungsmaßnahmen sowie das von den Fahrzeugen je nach Verkehrsaufkommen, Jahreszeit und Fahrweglänge eingebrachte Tropf- und Schmelzwasser, das mit Treibstoff, Öl und Streusalz verunreinigt ist, vollständig vom Entwässerungssystem aufgenommen werden.
Entwässerungsrinnen für den Einsatz in Parkhäusern, Parkdecks und Tiefgaragen müssen äußerst stabil sowie frost- und tausalzbeständig sein.
Straßen und befestigte Verkehrsflächen
Linenförmige Entwässerungssysteme sorgen auf Verkehrsflächen dafür, dass anfallendes Oberflächenwasser von der Straße und angrenzenden befestigten Flächen aufgenommen, transportiert und zur Kanalisation abgeleitet wird. Die Entwässerungsrinnen werden unmittelbar neben oder zwischen befestigten Fahrbahnen, Gehwegen, Parkplätzen und ähnlichem angelegt und kommen hauptsächlich in innerstädtischen Lagen zum Einsatz.
Bei durchgehenden Fahrbahnen an Straßen und Parkplätzen werden häufig Bordrinnen als Kombination aus Hochbord und Rinne zur Entwässerung eingesetzt. Bei diesen Systemen erfolgt die Ableitung des Oberflächenwassers sowohl seitlich über die Einlauföffnungen der Hohlbordrinnen als auch über den herkömmlichen Straßenablauf.
Schwerlast und Fernstraßen
Entwässerungssysteme für Flächen, die schweren Lasten ausgesetzt sind, müssen neben den hohen Einzellasten auch extremen dynamischen Kräften standhalten. Dazu gehören beispielsweise Scherkräfte, die zusammen mit den Massen der Lkw, Reachstacker oder Flugzeuge höchste Belastungen erzeugen. Die beim Anfahren, Lenken und Bremsen entstehenden Kräfte wirken permanent auf die Zargen, Abdeckungen und Flanken der Entwässerungssysteme ein. Dazu kommen horizontale Schublasten, die u.a. durch Wärmeausdehnungen der angeschlossenen versiegelten Flächen entstehen. Im Fall von Starkregenereignissen müssen dann auch noch große Wassermassen in kurzer Zeit aufgenommen und zwischengespeichert werden.
Für Schwerlastbereiche mit hohen Radlasten eignen sich vor allem Entwässerungsrinnen mit schmalen Aufsätzen, da sie die Angriffsfläche im Oberflächenbereich reduzieren.
Tunnel und Brücken
Ingenieurbauwerke wie Tunnel und Brücken erfordern spezielle Entwässerungssysteme. Besonders in Tunneln sind die Anforderungen hoch, denn hier steht vor allem die Sicherheit im Falle einer Havarie im Fokus. Brennbare und gefährliche Flüssigkeiten müssen schnell und sicher abgeleitet werden, um Menschen und Bauwerke vor Schäden zu bewahren.
Die Bauelemente von Entwässerungssystemen für Tunnel unterliegen hohen Sicherheitsanforderungen und müssen u.a. die Vorgabe „nicht brennbar“ erfüllen. Geregelt werden sie in der europäischen Tunnelrichtlinie 2004/54/EG, der deutschen Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln – RABT und den Vorgaben der Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten – ZTV-ING.
Auf Brücken muss das Oberflächenwasser schnell und wirkungsvoll abgeführt werden, um Aquaplaning oder Glatteisbildung zu vermeiden. Hier eingesetzte Entwässerungsrinnen sollten über eine sehr flache Einbautiefe, einer hohen Entwässerungsleistung und einer anprallstabilen Konstruktion verfügen.
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