Laherrère-Zentrum in Pau

Lebensraum für junge Menschen

Dort, wo in der südfranzösischen Stadt Pau noch vor wenigen Jahren ein leeres, heruntergekommenes Hospiz stand, erheben sich seit 2023 zwei neue Gebäude. Das von CoBe Architecture & Paysage entworfene Laherrère-Zentrum, auch bekannt als Le Pôle Laherrère, spielt eine wesentliche Rolle im Erneuerungsprogramm für das Viertel Saragosse. Mit seiner Mischung aus Wohnungen, Gemeinschaftsflächen, Arbeitsstätten und Gastronomie soll der hybride Stadtbaustein zur Belebung beitragen.

Verschiedene öffentliche Nutzungen auf dem Laherrère-Platz sollen zur Belebung des Ortes beitragen.
Das Zentrum setzt sich aus zwei L-förmig angeordneten Baukörpern zusammen.
Die beiden Baukörper flankieren den Laherrère-Platz zu seiner Nord- und Ostseite.

Strukturschwächen stärken

Saragosse ist mit etwa 14.000 Einwohner*innen das größte Sozialwohnungsviertel von Pau. Obwohl hier soviele Menschen leben, war die städtische Infrastruktur schwach ausgebaut, besonders die Dienstleistungs- und Versorgungseinrichtungen. Als Antwort auf diese Beobachtung und mit dem Ziel, den Stadtteil sowohl sozial als auch infrastrukturell zu fördern, initiierten die Stadtverwaltung und der Sozialwohnungsvermieter Pau Béarn Habitat ein Stadterneuerungsprogramm. In diesem Kontext wurde im Jahr 2018 ein Wettbewerb für ein neues Stadtteilzentrums ausgeschrieben. Gewonnen hat ihn das Büro CoBe & Paysage, in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro WEEK. Bis 2027 sind weitere Projekte zur Renovierung, zum Abriss und zur landschaftlichen Gestaltung des Wohngebiets geplant. Zusätzlich werden Investitionen in Fahrradwege und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs getätigt, um die Lebensqualität im Stadtviertel zu steigern.

Ein Zentrum, zwei Gebäude

Das Hauptziel des Programms war die Schaffung eines Zentrums im Herzen von Saragosse, am Laherrère-Platz, wo die Stadtverwaltung ein verfallenes Hospiz abreißen ließ. Die Architekt*innen entwickelten zwei L-förmige Baukörper, die eine Gasse bilden und den Platz an seiner Nord- und Ostseite flankieren. Im östlichen Gebäude kommen Studierende und junge Arbeitnehmer*innen unter – viele von ihnen haben Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Im nördlichen Gebäude befinden sich Büroflächen für verschiedene Unternehmen und Verbände. Märkte und andere öffentliche Nutzungen sollen dazu beitragen, dem Stadtraum neues Leben einzuhauchen.

Einladende Geste

Beide Gebäude wurden als Stahlbetonskelett errichtet, mit nichttragenden Innenwänden und Fassaden. Dank dieser Konstruktionsweise ist der Grundriss anpassungsfähig. Die Erdgeschosse beider Gebäude zeichnen sich durch elegant geschwungene Betonbögen aus, die vor Ort gegossen wurden und die historische Architektursprache der Umgebung aufgreifen. Ausgefüllt sind die teilweise doppelgeschossigen Bögen mit einer verglasten Pfosten-Riegel-Fassade. So entstand eine einladende Fassade, die zugleich zur Strukturierung des Vorplatzes beiträgt. In den Erdgeschossen sind nicht nur Gastronomie, Dienstleistungen und Geschäfte untergebracht, sondern auch die Eingangshallen der darüberliegenden Etagen.

Freundliches Erscheinungsbild

Die oberen vier Geschosse erhielten eine Holzrahmenfassade mit vertikaler Bretterschalung. Hervortretende Holzstützen rastern das Fassadenbild, rhythmisch angeordnete Öffnungen sorgen für Abwechslung. Einige der Fensterrahmen sind nicht mit Glas sondern Holztafeln gefüllt, um die Privatsphäre in den oftmals winzigen Wohnungen zu schützen. An manchen Stellen durchbrechen großzügige, zum Teil doppelgeschossige Loggien die Reihen von Brettern und Glasscheiben. Zusätzlich können drei gemeinschaftlich genutzte Dachterrassen genutzt werden. Die gewählten Holzarten verleihen den Gebäuden ein warmes, freundliches Erscheinungsbild und stammen aus Wäldern, die sich im Umkreis von weniger als 450 Kilometern befinden.

Wohnen, Lernen, Arbeiten

In den vier Obergeschossen des östlichen Gebäudes wurden 115 Studierendenwohnungen, 60 Wohnungen für junge Arbeitnehmer*innen sowie mehrere Gemeinschaftsräume eingerichtet. Die Studierendenwohnungen sind durchschnittlich 17 m2 groß und mit einer Grundausstattung versehen, einschließlich Einbauküche, Bad, Bett, Schreibtisch und Stauraum. Die übrigen Wohnungen sind zwischen 17 und 33 m2 und sollen den Bedürfnissen von Alleinlebenden wie auch Paaren und jungen Eltern gerecht werden. Im nördlichen Gebäude wurden Büroräume, Co-Working-Bereiche sowie Konferenzräume untergebracht. Darüber hinaus bieten Ausbildungs- und Pausenräume sowie Räume für Integrations- und Vereinsarbeit eine vielseitige Arbeitsumgebung.

Sonnenschutz in warmen Farben

Um den thermischen Anforderungen von Wohn- und Büroräumen gerecht zu werden, setzten die Planer*innen des Laherrère-Zentrums auf drei verschiedene Sonnenschutzlösungen. Entlang der südlichen Fassaden der beiden Gebäude wurden alle Fenster – ausgenommen die der Treppenhäuser und Loggien – mit warmgelben Fallarmmarkisen ausgestattet. Ihre Breite variiert: Manche überdecken eines, andere zwei oder sogar drei Fenster. Die Seitenlager samt motorischem Antrieb sind fest in die Fensterlaibungen integriert und bieten dem Tragrohr sowie der offen liegenden Tuchwelle sicheren Halt. Auch die senkrecht beweglichen Arme sind fest in der Fassade verankert. Sie spannen das Tuch und sorgen für ausreichende Windstabilität. Bedient werden die Markisen bequem über einen raumseitigen Schalter. Fallarmmarkisen wie diese eignen sich besonders gut für Büroräume, da sie eine optimale Tageslichtnutzung gewährleisten.

Versteckte Markisenvorrichtungen

Die Fenster an den West- und Ostfassaden der beiden Gebäude wurden mit außenliegenden Senkrechtmarkisen, ebenfalls in einem warmen Gelbton, versehen. Ähnlich wie die Fallarmmarkisen sind sie mit einem Motor ausgestattet, der über einen Schalter im Innenraum steuerbar ist. Seitliche, längs in die Fensterlaibung eingelassene Führungsschienen gewährleisten eine präzise Führung des Tuches. Seitenlager, das Tragrohr sowie die Tuchwelle wurden geschickt in den Betonfertigteilstürzen versteckt. Beim Einfahren können die Markisen somit nahezu vollständig in der Fassade verschwinden. Im Erdgeschoss wurden zusätzlich zu den außenliegenden Fallarmmarkisen innenliegende und freihängende Senkrechtmarkisen installiert, die manuell über eine Kurbel bedient werden können. -sms

Bautafel

Architektur: CoBe Architecture & Paysage
Projektbeteiligte: WEEK (Partner-Architekturbüro); AiA (Bauingenieursleistungen); Gamba (Akustik)
Bauherr*in: Pau Béarn Habitat
Fertigstellung: 2023
Standort: 14 Av. de Saragosse, 64000 Pau, Frankreich
Bildnachweis: Luc Boegly (Fotos); CoBe Architecture & Paysage (Pläne)


Fachwissen zum Thema

Bei Fallarmmarkisen wird der Behang durch seitliche, um einen Drehpunkt bewegliche Arme geführt.

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Markisen

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Senkrechtmarkisen zur großflächigen Verschattung einer Fensterfront

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Markisen

Senkrecht- und Fenstermarkisen

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