House of Product in Stephanskirchen

Wendeltreppe aus Stahl mit Stufen aus Holz

Das Firmengelände von Marc O‘ Polo liegt am Rande der 10.000 Einwohner-Gemeinde Stephanskirchen. Vor den Türen erstrecken sich Wiesenflächen, dahinter ragen die Alpen auf. Die Landschaft und die niedrige Bauweise der Region waren gestaltgebend für einen neuen Erweiterungsbau. Im sogenannten House of Product arbeiten rund 120 Mitarbeitende an neuen Kollektionen und deren Vermarktung. Das Gebäude hat 3.100 Quadratmeter Geschossfläche, drei Büroetagen mit ca. 2.400 Quadratmetern und eine Tiefgarage. Die Planung verantworteten Steidle Architekten, die sich bei der Bauweise für einen Hybridskelettbau aus Stahlbeton und Holz entschieden. 

Die Treppe aus dunkel lackiertem Stahl mit hellen Holzstufen lebt vom Kontrast: Sie zeichnet ein filigranes Oval in den rechtwinkligen Raum mit Sichtbeton.
Über der Wendeltreppe bringt ein rundes Oberlicht Helligkeit in die Tiefe des Gebäudekerns.
Die glatten und geschlossenen Flächen geben der Treppe einen monolithischen Charakter.

Zwei Geschosse aus Stahlbeton 

So sind der Gebäudekern samt Treppenhaus, Aufzug und Nebenräume sowie alle Geschossplatten aus Stahlsichtbeton. Das erleichtert vor allem den Brandschutz und erzeugt eine minimalistische Ästhetik. Auch das Stützentragwerk im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ist aus Beton, was große Spannweiten bei gleichzeitig filigranen Stützen ermöglicht. So ergeben sich im Innern freie Flächen, die sich flexibel einteilen und nutzen lassen. Das macht die Räume langfristig resilient bei sich verändernden Arbeitsprozessen und Teamstrukturen. Die Skelettbauweise hat noch einen weiteren Vorteil: Die Fassade bleibt unverstellt, und die vorgehängte Glasfassade ermöglicht viel Tageslicht und Ausblick. Tragwerk, Glasfassade und die geringe Gebäudehöhe verleihen dem Gebäude Leichtigkeit. 

Dachgeschoss in Holzbauweise 

Der Bezug zur umgebenden Natur war den Planenden wichtig, nicht nur gestalterisch, auch konstruktiv: Das oberste, dritte Geschoss springt zurück und hat so eine geringere Grundfläche. Die Spannweiten zwischen den Stützen können daher kleiner ausfallen. Hier plante das Team ein Holztragwerk mit Stützen und Holzständerwänden. Diese Bauweise spart gegenüber Beton viel Gewicht und CO₂. Im Dachgeschoss mit umlaufender, begrünter Terrasse und gutem Blick auf die Berge finden u.a. Veranstaltungen statt. Auf dem Dach darüber sind Photovoltaikflächen installiert. Auch bei der Heizenergie setzt das Team auf Nachhaltigkeit: Die Heizkreisläufe werden mit einer Grundwasserwärmepumpe temperiert, kühlen die Räume im Sommer und beheizen sie im Winter. 

Gewendelte Treppe aus Stahl 

Eine Wendeltreppe aus schwarz lackiertem Stahl bildet das Herz des Gebäudes. Sie ist die Haupterschließung über alle Geschosse und wird über ein rundes Oberlicht mit Tageslicht versorgt. Ihr sind in den beiden oberen Geschossen jeweils eine Galerie und ein Luftraum vorgelagert, sodass die Treppe aus dem Erdgeschoss in voller Höhe als gedrehtes Band erlebbar ist. Statisch hängt sie an den Geschossdecken und schraubt sich ohne Kontakt zu den Betonwänden in die Höhe. Wangen und Unterseite bilden einen dunklen, monolithischen Stahlkörper.   

Damit kontrastiert das Innenleben der Treppe mit hellen, hölzernen Stufen und Handläufen aus Holz. Auf der Unterseite der Handläufe ist jeweils ein Lichtband integriert. Dessen Reflexionen auf dem hellen Holz betonen den Kontrast von dunkler Hülle und hellem Innenleben, ebenso wie die geschwungene Form der Treppe. Der ovale Grundriss des Aufgangs setzt sich an den hölzernen Antrittsflächen fort. Auch in der Unteransicht zeichnet sich das Oval als Stahlfläche ab, die bündig in die Betondecke eingelassen ist. Die Treppe wirkt so wie eine eigenständiger, selbsttragender Baukörper, der sich in Material, Farbe und Form abhebt und der zugleich die unterschiedlichen Geschosse des Hybridbaus gestalterisch verbindet.

Bautafel

Architektur: Steidle Architekten, München
Projektbeteiligte: Pfeifer Baugesellschaft, Rosenheim (Generalunternehmung); WB-I Wolf + Bogatic Ingenieure, München (Tragwerksplanung); PMI Ingenieure für Bauphysik, Unterhaching (Bauphysik); pfarré lighting design, München (Lichtplanung); Raffl Stahlbau, Steinach am Brenner (Stahlarbeiten); Holzbau Höck, Kundl (Holzkonstruktion); KURZ Fertigteilbau; Unterlangkampfen (Beton); Pfeiffer Elektrotechnik, Rosenheim (Elektrotechnik); METALLART Treppen, Salach (Wendeltreppe)
Bauherr*in:  Marc O‘Polo, Stephanskirchen
Fertigstellung: 2022
Standort: Hofgartenstraße 8, 83071 Stephanskirchen
Bildnachweis: Florian Holzherr; Elia König

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