Hotel Michelberger Farm in Naundorf

Dekorativer Treppenkern

Das Hotel Michelberger an der Warschauer Straße in Berlin ist eine feste Adresse für gehobene Küche. Bei seinem Essen setzt das kulinarische Team des Hotels auf lokale Produkte aus einem nachhaltigen Netzwerk von Landwirt*innen, Jäger*innen und Lieferant*innen. Darüber hinaus betreibt das Hotel seit einigen Jahren einen eigenen Bauernhof im Spreewald, südöstlich von Berlin. Obst- und Nussbäume, Sträucher, Beete und Gemüsegärten versorgen das Berliner Restaurant mit hochwertigen Lebensmitteln. Wer direkt an der Quelle naschen will, kann in der neu erbauten Scheune übernachten. Der charmante Backsteinbau wurde nach den Plänen des Architekturbüros Sigurd Larsen realisiert.

Die Unterkunft gehört zu einem Bauernhof, der die Restaurants der Bauherr*innen mit lokalen Lebensmitteln versorgt.
Wer sich für nachhaltige Landwirtschaft interessiert, kann sich auf der Michelberger Farm einquartieren.
Bis zu 25 Personen finden in dem Neubau Platz.

Alte Scheune, neue Architektur

Auf der Suche nach einem krisenfesten Standbein hatten Nadine und Tom Michelberger die Idee, einen Bauernhof zu gründen, der ihre beiden Restaurants mit lokalen Produkten versorgt. Im Spreewald fanden sie schließlich ein passendes Grundstück mit einer alten Scheune von 1871. Weil das alte Gebäude nicht mehr zu retten war, beauftragten sie das Berliner Büro Sigurd Larsen mit einem Neubau, der mit der historischen Nachbarbebauung korrespondiert. Entstanden ist ein markanter Riegel mit Satteldach aus Backstein, Glas und Holz, der die Materialität und Kubatur der umgebenden Gebäude aufgreift.

Kleine Zimmer unterm Dach

Große bodentiefe Fenster verbinden das Erdgeschoss fast nahtlos mit dem Außenbereich. Nahezu das gesamte Erdgeschoss dient als gemeinschaftlich genutzter Aufenthaltsraum mit langer Holztafel, Küche und Kamin. Das Holz, das für den langen Tisch verwendet wurde, stammt aus der historischen Scheune, die hier zuvor stand. Auf einem um 45 Grad zur Fensterfront gedrehten Küchenblock wird morgens das Frühstücksbuffet angerichtet. Wände, Böden und Küche sind in rotem Backstein gehalten, der dem Aufenthaltsraum eine gemütliche Atmosphäre verleiht.

Im Obergeschoss können maximal 25 Gäste in acht kleinen oder einem etwas größeren Zimmer übernachten. Das größere Zimmer verfügt über ein eigenes Bad, die kleineren teilen sich ein gemeinschaftlich genutztes. Eingerichtet sind die Schlafräume eher minimalistisch: ein Bett, ein Sideboard und eine Aussicht in das umgebende Grün der Felder und Gärten. Auf dem Flur gibt es außerdem noch Arbeitsnischen, die von allen Gästen genutzt werden können.

Treppenkern als verbindendes und dekoratives Element

Ein Erschließungskern mit quadratischem Grundriss nimmt die Treppe auf, die vom Erd- bis ins Dachgeschoss führt. Die Treppe ist zweigeteilt: Vom Erd- ins Obergeschoss führt eine dreiläufige Wangentreppe mit innenseitig brüstungshoher Flachstahlwange als Absturzsicherung und außenseitig trittverdeckender Flachstahlwange. Die Wangenstärke beträgt 10 bis 12 mm, die Wangenhöhe innen 122 bis 127 cm und außen 30 bis 35 cm. Über Stahlplatten ist die Konstruktion auf dem tragfähigen Rohboden verdübelt, wobei Wandabhängungen und Stahlstützen statisch dort eingesetzt wurden, wo erforderlich.

Das Ober- und Dachgeschoss sind durch eine zweiläufige, viertelgewendelte Wangentreppe verbunden. In den Eckbereichen wurden die Treppenwangen verzogen, um einen gleichmäßigen Abstand zwischen Oberkante Wange und Vorderkante Trittstufe zu gewährleisten, was zur harmonischen Optik beiträgt. Die untere Treppe hat eine Laufbreite von bis zu einem Meter, 16 Steigungen und zwei großzügige Zwischenpodeste. Mit 70 cm Laufbreite ist die obere, 24 Steigungen umfassende Treppe deutlich schmaler. Die Faltwerkstufen aus 5–6 mm starkem Stahlblech sind zwischen den Wangen eingeschweißt, vorderseitig nach unten gekantet und rückseitig nach oben verschweißt.

Die Treppenbelichtung verstärkt die skulpturale Wirkung der Konstruktion. Ein großzügiges Oberlicht im Dachbereich bringt Tageslicht in den Treppenraum und hebt die Form der Treppe hervor. Ergänzt wird dies durch eine Pendelleuchte mit mehreren organisch geformten Glaskugeln, die sich über mehrere Etagen erstreckt. Die warmen Lichtreflexionen auf den Stahlwangen und der Backsteinwand erzeugen eine atmosphärische Tiefenwirkung und setzen die geschwungene Geometrie der Treppe in Szene.

Alle Stahlteile bestehen aus S235JR-Stahl und sind grundbeschichtet für eine bauseitige Lackierung. Die Konstruktion ist für eine aufgelegte Stein- oder Holzverkleidung vorbereitet, wodurch sich verschiedene gestalterische Möglichkeiten für den finalen Treppenbelag ergeben.

Bautafel

Architektur: Sigurd Larsen, Berlin
Projektbeteiligte: Weissenseer Holz-System-Bau, Greifenburg (Hauptauftragnehmer); Ingenieurbüro Glosch, Berlin (Tragwerksplanung); METALLART, Salach (Treppenbau)
Bauherr*in: Michelberger Hotel, Berlin
Fertigstellung: 2023
Standort: Naundorfer Dorfstraße 26, 03226 Vetschau/Spreewald
Bildnachweis: KKROM Services, Berlin (Fotos); Sigurd Larsen, Berlin (Pläne und Modellfotos)



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