HEC Hélène-Desmarais-Gebäude in Montreal

Treppen für Licht, Orientierung und Struktur

Die HEC-Business-School ist die erste und bis heute eine der renommiertesten Wirtschaftshochschulen Kanadas. Mit dem von Provencher Roy geplanten Hélène-Desmarais-Gebäude in Montreal kehrt die HEC wieder in den Stadtteil Ville-Marie zurück, wo sie 1907 gegründet wurde. Das Grundstück liegt prominent zwischen der Sankt-Patricks Basilika und der Nationalbank, auf dem Weg vom alten Hafen hinauf zu den großen Einkaufsstraßen. Lage, Durchwegung, ein Geländeversprung von neun Metern und das enorme Raumprogramm stellten die Planenden vor Herausforderungen.

Der Osteingang befindet sich neun Meter bzw. zwei Geschosse tiefer.
Der Neubau steht prominent im historischen Stadtkern neben der Sankt Patricks Basilika.
Die Fassade lehnt sich zurück, die Dachhöhe bleibt unter den Turmspitzen, ...

Umfassendes Raumprogramm

Der Neubau hat 24.000 Quadratmeter, verteilt auf acht Geschosse plus eine Tiefgarage. Er fasst 27 Klassenzimmer, ein Auditorium mit fast dreihundert Sitzplätzen, zehn Forschungseinheiten, einen Veranstaltungs- und Konferenzbereich, ein Foyer, eine Bibliothek, eine Cafeteria, ein Café sowie einen Innenhof und mehrere Dachterrassen. Teile des Erdgeschosses und ersten Obergeschosses liegen wegen der Hanglage im Souterrain. Erst das zweite Obergeschoss erreicht das obere, nördliche Geländeniveau.

Skelettbauweise aus Stahlbeton mit Glasfassade

Das Gebäude ist in Skelettbauweise aus Stahlbeton errichtet und hat Metallständerwände im Innern und eine vorgehängte Glasfassade. Für eine bessere Energieeffizienz sind nur 36 % der Außenhülle tatsächlich transparent. Der Rest der gläsernen Flächen ist opak, liegt vor gedämmten Außenwänden und Geschossdecken und verhindert so einen zu hohen Eintrag von solarer Wärmeenergie. 

Glasfugen entlang der Durchwegung 

Das Architekturteam teilte das Volumen mit zwei Schnitten entlang der Wegachsen in vier Trakte und schuf dazwischen Platz für die Erschließung und Treppenläufe. Die Einschnitte zeichnen sich als gläserne Fugen in der Kubatur ab, belichten die daran angrenzenden Geschossgalerien und ermöglichen eine Sicht auf die teils historischen Gebäude und Parks der Nachbarschaft. Im Grundriss bilden die Einschnitte ein Kreuz, in dessen Mitte ein lichtes, hohes Atrium und an dessen Enden Zugänge zu den Straßenseiten und zur Gartenseite liegen.

Freitreppe aus Beton

Die Treppenaufgänge haben ihren Bezugspunkt im Atrium über dem zweiten Obergeschoss. Denn auf diesem oberen Erdgeschoss liegen viele der gemeinschaftlichen Flächen, wie die Cafeteria, ein Theater, ein Café und die Verwaltung. Eine breite, trichterförmige Himmelstreppe leitet Passanten von den beiden niedriger gelegenen Straßeneingängen durch das Atrium zum ersten und weiter auf das zweite Obergeschoss bzw. obere Erdgeschoss. Die Treppen bestehen aus Ortbeton und haben eine geschlossene Wange aus weiß lackiertem Stahl. Ihre großen Podeste bieten ausreichend Platz für viele Menschen und Begegnungen.

Treppenskulptur aus Stahl 

Die Unterrichts- und Forschungsräume in den Geschossen darüber haben weniger Publikumsverkehr. Diese Ebenen sind daher über Stahltreppen mit schmaler Laufbreite verbunden. Sie setzen zunächst die Himmelstreppe fort, mäandern aber ab dem dritten Obergeschoss im Zickzack durch das Atrium, wo sie sich auf den glänzenden Oberflächen der Galerien spiegeln. Die einzelnen, geraden Treppenabschnitte wurden aus gefaltetem Stahlblech vorgefertigt. Wangen, Setz- und Trittstufen und Unterseiten sind geschlossen, im Innern mit Trägern ausgesteift und bilden formstabile, belastbare Bauteile, die an den Geschossdecken aufgehängt und dann miteinander verschweißt wurden. Geschliffen, weiß lackiert und ohne sichtbare Aufhängung wirken sie kühn und skulptural und bieten den Passant*innen ungewöhnliche Perspektiven aus verschiedenen Höhen. 

Diese unterschiedlichen Treppen prägen die räumlichen und visuellen Beziehungen im Gebäude: Sie gliedern das große Volumen, schaffen kurze Wege und Orientierung, ermöglichen Kommunikation, Interaktion, eröffnen interessante Blickachsen und bringen viel Licht in die Tiefe.

Bautafel

Architektur: Provencher_Roy, Montreal

Planungsbeteiligte: Anne Rouaud, Alain Compéra, RAIC/IRAC, Gerardo Pérez

Projektbeteiligte:  Konsortium SDK / MHA, Montreal (Tragwerksplanung), Konsortium Pageau Morel / Bouthillette Parizeau, Montreal (TGA + Elektrotechnik), Magil Construction, Montreal (Generalunternehmung), WSP Kanada, Montreal (Projektmanagement), Clermont, Montreal (Wandbeläge), Savite Construction, Laval (Innenausbau), Gamma, Montreal (Türen, Fenster, Vorhangfassade), Truchon Toiture et Imperméabilisation, Beloeil (Dachdeckung), Métrotec P.G.B., Boucherville + Groupe Lefebvre, Laval (Isolierung/Abdichtung), Grondin Acoustique, Montreal (Schallschutz + Akustik), Groupe Focus /Teknion,Varennes (Akustik-Glastrennwände), Plani-Verre, Mirabel (Glastrennwände), Brisson peinture, Montreal (Malerarbeiten), Sièges Ducharme, Montreal (Raumaustattung/Polsterarbeiten), Les Céramiques, Saint-Laurent + National Granit, Saint-Ephrem (Boden- + Wandbeläge), Acier Direct, Montreal (Metallverarbeitung), Alma Soudure, Alma (Schweißarbeiten), Groupe Classique, Laval (Holzausbau), RCM Architectural, Saint-Isidore (Möbelbau), Artopex, Granby (Mobiliar)

Bauherr/in: HEC Montréal, Montreal

Fertigstellung: 2023

Standort: 501 Rue De la Gauchetière Ouest, Montréal, QC H2Z 1Z5, Kanada

Bildnachweis: Ema Peter, Vancouver

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