Gründach des Jahres 2025: Therme Amadé

Verbindung von Gestaltung, Technik und Ökologie im alpinen Kontext

Die Erlebnis- und Saunalandschaft der Therme Amadé in Altenmarkt im Pongau, Österreich, wurde vom Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) als „Gründach des Jahres 2025“ ausgezeichnet. Der rund 50 Minuten von Salzburg entfernte, 2010 fertiggestellte Gebäudekomplex verbindet Elemente alpiner Architektur mit ökologisch orientierten Planungsansätzen und steht beispielhaft für nachhaltiges Bauen im Tourismus.

Mit gestalterischer Klarheit, technischer Präzision und ökologischen Vorzügen setzt das Gründach einen Maßstab für nachhaltige Architektur im Alpenraum.

Auf einer Fläche von etwa 30.000 Quadratmetern umfasst die Anlage ein Freizeit- und Wellnessbad mit angeschlossenem Hotelbetrieb. Die ausgezeichneten Dachflächen verdeutlichen, wie gestalterisch ansprechend und technisch ausgereift Dachbegrünung heute realisiert werden kann und unterstreichen die Bedeutung solcher Systeme für eine umweltbewusste Architektur im alpinen Raum. Der Wettbewerb „Gebäudegrün des Jahres“ wird jährlich vom BuGG ausgerichtet. 2025 nahmen 57 Projekte in fünf Kategorien teil. In der Kategorie Dachbegrünung setzte sich die Therme Amadé im öffentlichen Online-Voting gegen rund 20 internationale Einreichungen durch und erhielt die Auszeichnung.

Architektur und Konstruktion

Im Jahr 2006 beschlossen die Gemeinden Altenmarkt, Eben im Pongau, Flachau und Radstadt, gemeinsam ein regionales Wellnesszentrum zu realisieren, um das Freizeit- und Tourismusangebot der Region zu erweitern. Die Planung des Gebäudekomplexes erfolgte durch Gollwitzer Architekten. Das Bauwerk fügt sich mit seiner geschwungenen Dachlandschaft harmonisch in die alpine Umgebung ein. Auf einer Dachfläche von insgesamt 4.800 Quadratmetern, davon rund 4.100 Quadratmeter begrünt, spannt sich eine komplexe Tragstruktur aus Brettschichtholz über die Bade- und Saunabereiche. Die Dachneigungen variieren stark: von flachen Bereichen bis zu 45° bei den begrünten Dachflächen und bis zu 83° im Bereich des Rutschenturms. Trotz der anspruchsvollen Geometrie wurde der gesamte Dachaufbau durchdringungsfrei und ohne mechanische Befestigungen realisiert – von der Dampfsperre über die Wärmedämmung bis zur Begrünungsschicht.

Alpine Therme

Die Therme Amadé zeichnet sich durch hohe Aufenthaltsqualität, eine stimmungsvolle Atmosphäre und eine gelungene Einbindung in die umgebende Landschaft aus. Großzügige Wasser- und Saunabereiche, weite Sichtachsen und der direkte Bezug zur Umgebung prägen die architektonische Gestaltung. Das begrünte Dach übernimmt dabei nicht nur eine technische Funktion, sondern auch eine gestalterische: Es bildet einen harmonischen Übergang zur Bergkulisse, verbessert das Raumklima und schafft zusätzliche Bereiche für Rückzug und Ausblick.

Gründach: Eigenschaften und Vorzüge

Ein begrüntes Dach übernimmt vielfältige ökologische und technische Funktionen. Es wirkt als Speicher bei Starkregen, verringert den Abfluss und schützt die Entwässerungssysteme. Darüber hinaus verbessert es das Mikroklima, bindet CO₂ und Feinstaub und verlängert die Lebensdauer der Dachabdichtung, da Temperaturschwankungen und UV-Belastung reduziert werden. In der alpinen Umgebung trägt die extensive Begrünung zudem wesentlich zur landschaftlichen Integration bei. Die Natur, die dem Bau weichen musste, findet so auf dem Dach eine gleichwertige, ökologisch wertvolle Ersatzfläche.

Dachaufbau und Umsetzung

Die Dachbegrünung wurde in Zusammenarbeit mit dem Bauder-Dachbegrünungspartner Karl Grübl aus Wiener Neudorf geplant und realisiert. Die Tragkonstruktion stammt von Graf Holztechnik in Horn. Ziel war eine Konstruktion, die sich harmonisch in die Landschaft einfügt und zugleich den technischen Anforderungen entspricht. Der Dachaufbau wurde vollständig ohne mechanische Befestigungen ausgeführt. Als Dampfsperre kam Bauder THERM DS 1 DUO zum Einsatz. Die oberseitigen Therm-Streifen ermöglichen die direkte Verklebung der Polyurethan-Wärmedämmung (BauderPIR MF) ohne zusätzlichen Klebstoff. Die nachfolgenden Lagen, etwa Bauders TEC KSA DUO als erste Abdichtungslage und Wurzelschutzbahnen aus Bitumen unter der Bauder GREEN Extensivbegrünung wurden ebenfalls ohne Durchdringungen verlegt.

Die Dachbegrünung besteht aus einer pflegearmen Mischung aus Sedum, Kräutern und Gräsern, die auch auf stark geneigten Flächen ein dauerhaft grünes und blühendes Erscheinungsbild gewährleistet. Durch die Kombination eines sorgfältig abgestimmten Dachaufbaus, präziser Ausführung und standortgerechter Vegetation entstand ein langlebiges, funktionales und zugleich ästhetisches Gründach, das beispielhaft für nachhaltiges Bauen im alpinen Raum steht.

Bundesverband GebäudeGrün und Paul Bauder

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Bei einem extensiv begrünten Flachdach ist ein zusätzliches Flächengewicht von ca. 90-120 kg/m² zu berücksichtigen.

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