Grauwasserrecycling

Grauwasser ist gering verschmutztes Abwasser, das nicht aus Toiletten oder Urinalen, sondern aus Duschen, Badewannen, Handwaschbecken, Wasch- und Spülmaschinen stammt. Im Schnitt erzeugt eine Person pro Tag rund 75 Liter Grauwasser – eine erhebliche Menge, die meist zusammen mit stark verschmutztem Schwarzwasser in die Kanalisation geleitet wird. Dabei lässt sich Grauwasser aufgrund seiner geringen Belastung relativ leicht aufbereiten und wiederverwenden. Hier kommen Grauwasserrecyclinganlagen zum Einsatz, die das Abwasser so aufbereiten, dass es hygienisch unbedenklich ist und als Betriebswasser genutzt werden kann. 

Beispiel Grauwasserrecycling mit integrierter Wärmerückgewinnung im Vorlagebehälter.
Schritte des Grauwasserrecyclings – exemplarische Darstellung.
Der Anteil von Trink- und Betriebswasser sowie der Grauwasseranfall nach Quelle und Verschmutzungsgrad im Haushalt.

Im Gegensatz zur witterungsabhängigen Regenwassernutzung steht recyceltes Grauwasser jederzeit zur Verfügung. Grauwasserrecycling senkt den Trinkwasserverbrauch und reduziert die Abwassermenge. Zudem lässt sich die Wärme des warmen Grauwassers über Wärmetauscher oder Wärmepumpen zurückgewinnen und für Warmwasser oder Heizung nutzen. Laut der Berliner Regenwasseragentur spart diese Wärmerückgewinnung je nach System bis zu 50 Prozent der Energie für Warmwasser.

Aufbereitung

Die Aufbereitung von Grauwasser erfolgt in drei Stufen: 

  • Mechanische Vorfiltration: Grobe Partikel und Verschmutzungen werden durch Siebe entfernt.
  • Biologische Behandlung: Mikroorganismen verstoffwechseln gelöste organische Stoffe. Dies kann in unterschiedlichen Verfahren geschehen, zum Beispiel durch aktive Belüftung, belüftete, getauchte Festbettanlagen oder bewachsene Bodenfilter. Bei manchen Systemen wird die entstandene Biomasse anschließend mechanisch entfernt (z. B. über Sandfilter oder Membranen).
  • UV-Desinfektion: Das mechanisch-biologisch aufbereitete Grauwasser wird mittels UV-Licht desinfiziert, sodass Bakterien, Viren und andere Keime zuverlässig abgetötet werden. Somit ist das Wasser hygienisch unbedenklich.

Grauwasser aus Dusche, Badewanne und Handwaschbecken lässt sich aufgrund des geringen Verschmutzungsgrades leichter reinigen als Wasser aus Waschmaschinen oder Küchenspülen. Laut der Berliner Regenwasseragentur entstehen durch Duschen und Badewannen etwa 39 Prozent des täglichen Wasserverbrauchs pro Person in Berlin – das sind rund 46 Liter leicht verschmutztes Grauwasser.

Dieses Abwasser kann nach Aufbereitung den Bedarf an Betriebswasser zur Spülung von Toiletten (rund 34 Liter) decken. Hinzu kommen pro Person 15 Liter stark belastetes Grauwasser aus Wasch- und Spülmaschinen. Würde auch dieses aufbereitet, stünden täglich etwa 69 Liter Betriebswasser pro Kopf bereit, das neben der Toilettenspülung auch zum Wäschewaschen, zur Reinigung und zur Gartenbewässerung genutzt werden könnte.

Anlagen zum Grauwasserrecycling

Bei der Planung von Anlagen zum Grauwasser sind die Normen DIN EN 16941-2 (Grauwasseranlagen) und DIN EN 1717 (Trinkwasserschutz) zu beachten. Unbedingt erforderlich ist ein getrenntes Leitungsnetz, um gemäß den Vorgaben des Trinkwasserschutzes zu verhindern, dass Betriebswasser ins Trinkwassernetz gelangt. Außerdem ist der Platzbedarf zu berücksichtigen. Die Größe der Anlage richtet sich nach der Nutzung und Technik sowie der Bilanz von Betriebswasserbedarf und Grauwassermenge. Diese Wasserbilanz wird von Fachplaner*innen berechnet.

Aufgrund des geforderten zweiten Leitungsnetzes lohnt sich der Einbau solcher Anlagen vor allem bei Kernsanierungen oder Neubauprojekten. Als groben Richtwert nennt die Berliner Regenwasseragentur 0,1 Quadratmeter pro Person in mehrgeschossigen Wohnhäusern. Eine Anlage mit Wärmerückgewinnung für 500 Bewohner*innen, die ungefähr 25.000 Liter aufbereitet, benötige entsprechend rund 50 Quadratmeter Stellfläche.

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