Geschliffene Estriche und Betonböden

Anforderungen, Materialwahl, Optik und Bearbeitung

Große fugenlose Bodenflächen mit matter oder glänzender Oberfläche und mehr oder weniger stark in Erscheinung tretender Gesteinskörnung lassen sich durch mehrfaches Schleifen von Betonböden oder Zementestrichen erzielen.

Durch einen leichten Anschliff, bei dem nur die Feinkornanteile sichtbar werden, erhielt dieser Estrichboden sein feines Oberflächenmuster.
Anthrazitfarben pigmentierter und geschliffener Zementfließestrich mit Fußbodenheizung
Die terrazzoähnliche Oberfläche dieses Betonbodens entstand durch flächendeckendes Schleifen bis zum Größtkornquerschnitt.

Wahl zwischen Estrich und Beton je nach Belastung

Ob ein Estrich oder Beton zum Einsatz kommt, hängt unter anderem davon ab, wie stark der Boden statisch beansprucht wird und ob eine Fußbodenheizung integriert werden soll. Zementfließestriche haben in der Regel eine Körnungsgröße von maximal 8 mm und eine Aufbauhöhe von etwa 6 cm und sind unbewehrt. Für größere Belastungen, etwa in befahrenen Industriehallen, eignen sich Betonböden besser, die mit größerer Aufbauhöhe und eingelegter Bewehrung eingebaut werden und Körnungen von 8, 16 oder 32 mm aufweisen können. Auch tragende Betondecken oder -bodenplatten können bei sorgfältiger Planung und Ausführung sowie entsprechender Oberflächenbehandlung als fertiger Boden genutzt werden.

Nutzungsspezifische Anforderungen definieren Bodenkonzept

Um die gewünschten Eigenschaften und die dafür nötige Zusammensetzung des Bodens zu bestimmen, sind zunächst die Anforderungen aus der jeweiligen Nutzung zu beachten. Dazu zählen unter anderem die Rollbeanspruchung durch Fahrzeuge, Lasten aus Regalen und Maschinen, der erwartete Publikumsverkehr, chemische Beanspruchungen und der Eintrag von Feuchte. Außerdem spielt der Untergrund eine wichtige Rolle: Je nachdem, ob der Boden auf einer Dämmung, mit Fußbodenheizung, im Verbund oder auf Trennlage verlegt wird, müssen unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden. Beim Verlegen auf einer Dämmung ist der Boden zum Beispiel auf deren Material und Dicke abzustimmen.

Materialwahl und Rezeptur abhängig von Anforderungen

Aus den Anforderungen und Randbedingungen ergibt sich die Entscheidung für einen Betonboden oder Estrich sowie die genaue Baustoffrezeptur. Bei Estrichen sind ein dichtes Gefüge und eine gute Schleifbarkeit wichtig, z.B. eignet sich ein Zementfließestrich CT-C30 F5. Die Zusammensetzung von Betonböden ist vor allem auf die Oberflächenbearbeitung, die Beanspruchungen und gewünschte Optik abzustimmen. Dabei beeinflusst die Gesteinskörnung die Wirkung des Bodens entscheidend. In der Regel kommt ein Beton der Festigkeitsklasse C25/30 oder C30/37 zum Einsatz, je nach statischen Anforderungen ist eine höhere Betongüte erforderlich.

Gestaltung der Bodenoptik durch Material und Bearbeitung

Das Erscheinungsbild des fertigen Bodens hängt vom verwendeten Zement, den Zuschlagstoffen, eventuell zugefügten Farbpigmenten und von der Oberflächenbearbeitungstechnik ab. Die endgültige Optik ist nie vollständig vorhersehbar, daher sollten immer Probeflächen angelegt werden. Gesteinskörnung und Schleifgrad bestimmen die Musterung des Bodens. Flächendeckendes Schleifen bis zum Größtkornquerschnitt erzeugt eine terrazzoähnliche Oberfläche, während durch einen leichten Anschliff, bei dem nur die Feinkornanteile sichtbar werden, eine Pfeffer- und Salz-Optik entsteht. Je nach Anzahl der aufeinanderfolgenden Schleifgänge mit immer feiner werdenden Schleifstufen, kann die fertig bearbeitete Oberfläche von seidenmatt bis hochglänzend sein. Eine anschließende Politur verdichtet die Oberfläche und verleiht dem Boden Glanz und Farbtiefe. Farbige Oberflächen entstehen durch Pigmente im Bindemittel. Die Verwendung von Weiß- anstelle von Grauzement erzeugt helle, sandsteinähnliche Nuancen oder, in Kombination mit Pigmenten, leuchtende Farbtöne.

Rutschsicherheit abhängig von Oberflächenbearbeitung

Die Rutschsicherheit des Bodens ist abhängig von der Oberflächenbearbeitung: Geglättete Estrich- und Betonböden erreichen Rutschsicherheiten von R 9 bis R 10; durch Abscheiben, Abreiben oder Besenstrich lassen sich auch höhere Werte erzielen. Anstelle des nur im Labor überprüfbaren R-Wertes wird bei vor Ort hergestellten Böden der Gleitreibungskoeffizient µ nach DIN 51131 Prüfung von Bodenbelägen – Bestimmung der rutschhemmenden Eigenschaft – Verfahren zur Messung des Gleitreibungskoeffizienten gemessen.

Auswahl des Oberflächenschutzsystems

Als Oberflächenschutz stehen Imprägnierungen, Beschichtungen, Dünnbeschichtungen mit EP- oder PU-Systemen und die Behandlung mit Wachsen oder Ölen zur Auswahl. Imprägnierungen sind sehr dünnschichtig und benetzen ausschließlich die Porenwandungen, wodurch sie die Oberflächenstruktur kaum verändern. Beschichtungen füllen das Porensystem vollständig und versiegeln die Oberfläche; sie lassen sich von matt bis glänzend herstellen. Wachse und Öle finden hauptsächlich im privaten Wohnbereichen Anwendung.

Koordinierte Planung und Ausführung sichern Qualität

Die Qualität des fertigen Bodens ist sowohl von der sorgfältigen Planung und Ausschreibung als auch vom verwendeten Material, dem fachgerechten Einbau und der Endbearbeitung abhängig. Daher ist es wichtig, dass Architekt*innen, Fachfirmen, Hersteller und beim Einbau einer Fußbodenheizung die Installateur*innen für Heizungstechnik eng zusammenarbeiten, Informationen austauschen und Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe festlegen. Für oberflächenfertige Estrichböden gilt, wie für Terrazzo, die DIN 18560 Estriche im Bauwesen.

Quelle u.a.: Heidelbergcement

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Terrazzo bezeichnet einen meist fugenlosen Bodenbelag aus mineralischem Bindemittel und Gesteinskörnungen, der durch Schleifen und Polieren eine homogene, glänzende Oberfläche erhält. Im Bild: Terrazzoboden in der anktiken Stadt Herculaneum am Golf von Neapel

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