Futurium in Berlin

Monochrome Kastenwangentreppe

Wie ein Raumschiff, das am Berliner Spreebogen östlich des Hauptbahnhofes gelandet ist, mutet das Futurium mit seiner metallisch schimmernden Glasfassade an. Der Entwurf des Architekturbüros Richter Musikowski ist als Sieger aus einem von der Bundesregierung ausgelobten Wettbewerb hervorgegangen. Auf drei Etagen können sich Interessierte kostenfrei in dem als „Haus der Zukünfte“ bezeichneten Gebäude über aktuelle und künftige Entwicklungen in Wissenschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft informieren.

Der Zweigeschosser beherbergt Ausstellungsflächen und Veranstaltungsräume.
Das Obergeschoss kragt weit über das Erdgeschoss hinaus und überdacht so den Vorplatz.
Durch seine metallisch changierende Gebäudehülle erinnert das Gebäude an ein Raumschiff.

Rauten zwischen Rasterfassaden

Das nahezu dreieckige Grundstück wird von S-Bahngleisen im Norden, der Spree im Süden, einem Bürogebäude im Westen und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung im Osten eingegrenzt. Auf fünfeckigem Grundriss erhebt sich der 22 Meter hohe Baukörper zwischen den uniform gegliederten Nachbargebäuden. Die Fassade besteht aus über 8.000, je 70 x 70 cm großen Kassettenelementen, die aus unterschiedlich gefalteten Metall-Reflektoren und keramisch bedrucktem Gussglas zusammengesetzt sind. An der Nord- und Südfassade erstrecken sich im weit auskragenden Obergeschoss eine acht und eine elf Meter hohe Glasfläche über die gesamte Fassadenbreite. Darunter befindet sich auf beiden Seiten ein Haupteingang mit witterungsgeschütztem Vorplatz.


Helles Foyer trifft auf Black Box

Die Nutzfläche des Bauwerks verteilt sich auf ein Unter-, ein Erd- und ein Obergeschoss. Ein lichtes Foyer verbindet ebenerdig die beiden gleichrangigen Eingänge. Daneben gibt es eine Garderobe, Gastronomie und Toiletten sowie einen 670 Quadratmeter großen Multifunktionssaal, der sich durch mobile Trennwände zonieren lässt. Helle Farben lassen das Erdgeschoss einladend und freundlich wirken: Die abgehängte Decke besteht aus weiß lackierten Aluminiumprofilen, der Bodenbelag aus einer zementgebundenen Terrazzomischung mit mineralischem, hellem Bindemittel und Zuschlagstoffen. Farbtupfer bilden die hellgrüne Empfangstheke und die Schließfächer im gleichen Farbton.

Im Gegensatz dazu wirken das Unter- und Obergeschoss mit ihren dunkel gestalteten Oberflächen wie Black Boxes. Im fensterlosen Untergeschoss ist das sogenannte Futurium Lab untergebracht, ein werkstattartiger Raum, in dem Besuchende eigene Prototypen entwickeln oder 3D-Drucker ausprobieren können. Eine 3.200 Quadratmeter große stützenfreie Ausstellungsfläche, die durch zwei Galerieebenen zoniert wird, nimmt das Obergeschoss ein. Erreicht werden die Galerieebenen über gewendelte Stahltreppen.


Monochrome Treppe mit glatter Stahluntersicht

Wie eine Skulptur schraubt sich eine schwarz-weiße Treppe vom Obergeschoss zur Galerieebene hinauf. Die beidseitigen 120 cm hohen Stahlwangen wurden jeweils aus einem geschweißten Kasten-Hohlprofil gefertigt. Insgesamt weist die einläufige Wangentreppe 21 Steigungen auf, die als kombinierte Faltwerk- beziehungsweise Kastenstufen aus Stahlblech ausgeführt wurden. Die Laufbreite der gewendelten Treppe misst 116 cm. Ihre skulpturale Form wird durch die glatte Stahluntersichtverkleidung unterstützt, die bündig mit den Treppenwangen abschließt. Sämtliche Nähte wurden im WIG-Verfahren geschweißt und anschließend sauber geschliffen. Die Abkürzung WIG steht für Wolfram-Inertgasschweißen und bezeichnet ein spezielles Schweißverfahren, mit dem sich besonders hohe Nahtqualitäten erreichen lassen. Neben ihren ästhetischen Eigenschaften trägt die Untersichtverkleidung zu einer verbesserten Statik bei und wirkt sich außerdem positiv auf das Schwingungsverhalten der Treppe aus.

Beidseitig des Treppenlaufs verläuft an der Kastenbrüstung ein Handlauf aus Edelstahlrundrohr mit einem Durchmesser von 34 mm. Befestigt wurde er mit einem Handlaufhalter aus gebogenem Edelstahl-Rundstab mit einem Durchmesser von 12 mm. Auf der Galerie schließt in Anlehnung an die Kastenwangen der Treppe ein Geländer mit Kastenbrüstung an. Dieses fungiert als Verkleidung für den kreisrunden Deckenrand und verleiht der Treppe ein homogenes Aussehen. -np

Bautafel

Architektur: Richter Musikowski, Berlin
Projektbeteiligte:
 BAM Deutschland, Stuttgart (GU); Schüßler Plan, Berlin (Tragwerksplanung); JUCA architektur + landschaftsarchitektur, Berlin (Freianlagen); hhp Ingenieure für Brandschutz, Berlin (Brandschutz); Raumkonzepte + Interior Design Zauleck, Berlin (Raumbildende Ausbauten); Ellen Müller, Sachverständige Design for All, Berlin (Barrierefreiheit); METALLART Treppen, Salach (Wendeltreppe)
Bauherr/in: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Berlin; Nutzer/in: Futurium, Berlin
Fertigstellung: 2017
Standort: Alexanderufer 2, 10117 Berlin
Bildnachweis: Schnepp Renou, Berlin/Paris; Richter Musikowski, Berlin

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Leuchtend gelbe Freitreppe aus Stahl auf dem Gelände der Atelier Gardens in Berlin, Architektur: MVRDV; Hirschmüller Schindele Architekten

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Materialien/​Baustoffe

Metalle im Treppenbau

Wendeltreppe mit brüstungshohen Stahlwangen im Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Berliner Max-Delbrück-Centrums

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