Freitreppe im Vall de Pardís

Treppe aus korrodierten Bewehrungsstäben

Im katalanischen Manresa erklimmt seit vergangenem Jahr eine Freitreppe aus Bewehrungsstahl die felsige Terrassenlandschaft und bietet einen neuen Ausblick über das angrenzende Vall de Paradís. Doch nicht nur Tourist*innen kommen hier auf ihre Kosten. So geht der Entwurf von Comas-Pont Arquitectes auch auf die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaft ein, die sich bereits seit Jahrzehnten eine sichere Erschließung ihrer abgeschiedenen Nachbarschaft gewünscht hatte.

Die Treppe verbindet die Altstadt von Manresa mit dem felsigen Ortsteil Les Escodines.
Auf Katalanisch bedeutet „Codines“ so viel wie „kahle Felsfläche“.
Die Freitreppe überwindet einen Geländeunterschied von rund 13 Metern...

Verbindung zum Fluss

Die Freitreppe verbindet die tiefer gelegene Altstadt von Manresa mit dem Ortsteil Les Escodines, der seinen Namen der felsigen Topografie aus Kalk- und Sandsteinsedimenten verdankt. Mit ihrer leichten Konstruktion überwindet die Treppe einen Geländeunterschied von 13 Metern, womit der vormals abgeschnittene Stadtteil wesentlich leichter erschlossen werden kann und einen direkten Weg zum Fluss Cardener erhält.

Den Weg zum Fluss hatte es laut Architekt*innen früher schon einmal gegeben, doch war das Passieren der steilen Topografie gerade für ältere Einwohner*innen zu gefährlich geworden oder nur noch mit langen Umwegen möglich. Gleichzeitig wollte die Stadtverwaltung mit dem Projekt einen symbolischen Bezug zur Geschichte des Ortes und der bewegten Landschaft herstellen. Oder mit den Worten der Architekt*innen: „Das Projekt entstand aus dem Wunsch heraus, die historische und menschliche Verbindung zur Landschaft des Flusses Cardener wiederherzustellen.“

Auf den Spuren Ignatius‘

Das Bauwerk liegt nämlich auch am Ziel eines für die Region sehr bedeutsamen Pilgerpfads: dem Ignatiusweg, der vom rund 450 Kilometer entfernten Loyola parallel zu den Pyrenäen bis nach Manresa verläuft. Hunderte Pilger*innen erreichen hier jedes Jahr die letzten Meilensteine. Namensgeber Ignacio de Loyola schaffte es im 16. Jahrhundert binnen eines Monats nach Manresa und schrieb hier sein Manifest. Er gilt als Mitbegründer des Jesuitenordens. Die rund 250 Meter entfernte Cova de Sant Ignasi ist bis heute Höhe- und Endpunkt der Pilgertour.

In diesem Kontext versteht sich die Freitreppe allerdings vielmehr als zusätzliches Highlight nach Abschluss der beschwerlichen Tour, da sie faktisch nicht zum Pilgerpfad gehört. Einmal am Ziel angekommen, ermöglicht sie dafür einen atemberaubenden Blick über das angrenzende Vall del Paradís bis zur ikonischen Gipfelkette des Montserrats. Die Architekt*innen sprechen vom behutsamen Einfügen in die vom Cardener geformte Landschaft.

Stahlgeflecht mit 16 Millimeter Querschnitt

So leicht die Treppe im Ergebnis erscheint, so knifflig gestaltete sich die Konstruktion. Die Lage der Baustelle an den Felsen erschwerte die Arbeiten ungemein, weshalb der Hauptkörper der 13 Meter hohen Treppe vorgefertigt und mit einem Kran vor Ort in zwei Teilen montiert wurde. Eine Stahlbetonkonsole bildet den Ausgangspunkt des Tragwerks und verankert die Treppe im Fels der höchsten Terrassenebene. Zusätzlich reicht der obere Treppenlauf um rund 20 Meter zurück und bildet damit weitere Auflagerpunkte. Vom auskragenden Teil der Konstruktion wurde der Treppenaufgang abgehängt, sodass lediglich zwei schmale Spindeln das untere Gelände berühren.

Einzelne Elemente wie der durchgehende Holm bestehen aus Profilstahl. Den Großteil des Körpers prägen jedoch einfache, miteinander verflochtene Bewehrungsstäbe. Sie bilden ein durchlässiges Netz aus Treppenläufen und -podesten, das zugleich als Absturzsicherung dient. Auch die Stufen selbst bestehen aus den Stahlstäben mit einem Durchmesser von gerade einmal 16 Millimetern und lassen so Blicke in jede Richtung zu.

Rutschfest dank Relief

Zwar herrscht in Manresa ein mediterranes Klima – aufs Jahr gesehen ist die Niederschlagsmenge allerdings vergleichbar mit der von deutschen Städten. Aufgrund der fortgeschrittenen Patina ist davon auszugehen, dass bei der Freitreppe mit wetterfestem Baustahl gearbeitet wurde. Auch als Cortenstahl bekannt, bildet dieser Werkstoff schon früh eine Korrosionsschicht, die den weiteren Zersetzungsprozess deutlich verlangsamt. Mit den Jahren werden dennoch Kontrollen notwendig, um die weitere Tragfähigkeit zu gewährleisten.

In puncto Regenschutz kann die Vielzahl an durchlässigen Flächen zwar wenig Abhilfe schaffen, doch verhindert gerade diese Transparenz das Ansammeln von stehendem Wasser, womit die Konstruktion vor weiteren Schäden geschützt bleibt. Gleichzeitig erzeugen die Oberflächen mit ihrer gewellten Struktur und den rhythmischen Abständen ein mustergültiges Relief, sodass Ausrutschen auch bei hohem Verkehrsaufkommen praktisch unmöglich wird.

Bautafel

Planung: Comas-Pont arquitectes, Vic
Projektbeteiligte: Manel Fernàndez (Tragwerksplanung), Francesc Belart (Ingenieursleistungen), Taller Vidal Amill, Lleida (Metallbau)
Bauherr: Ajuntament de Manresa
Fertigstellung: 2025
Standort: Carrer del Peix, Manresa, Spanien
Bildnachweis: Adriá Goula, Barcelona

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