Fachwissen: Unterrichtsräume
In Unterrichtsräumen kommt es entscheidend auf eine gute Sprachverständlichkeit an. Eine zu lange Nachhallzeit kann gesprochene Worte verschleifen und damit das Verstehen erschweren. Gleichzeitig erhöht ein langes Nachklingen den Geräuschpegel im Raum. Somit trägt eine ausgewogene Raumakustik maßgeblich zur Konzentration bei. Aber auch eine zu kurze Nachhallzeit wird als unangenehm empfunden. Ziel der raumakustischen Planung ist es daher stets, ein ausgewogenes Verhältnis aus Nachhallzeit, Störgeräuschpegel und Schallabsorption zu erzielen.
Normen und Nachhallzeit
Die DIN 18041: Hörsamkeit in Räumen – Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung unterscheidet verschiedene Nutzungsarten. Für Unterrichtsräume ist demnach zwischen „Unterricht/Kommunikation“ (A3) und „Unterricht/Kommunikation inklusiv“ (A4) zu unterscheiden. Für A4 gelten erhöhte Anforderungen an die Sprachverständlichkeit, die die Bedürfnisse von Personen mit Hörminderung berücksichtigen.
Für die Nutzungsart A3 wird die Soll-Nachhallzeit in Abhängigkeit vom Raumvolumen wie folgt berechnet:
Tₛₒₗₗ = (0,32 · lg V/m³ − 0,17) s
Für einen Unterrichtsraum mit 250 m³ ergibt sich daraus eine Soll-Nachhallzeit von etwa 0,60 s. Die Werte beziehen sich auf den besetzten Raum. Die ASR A3.7 Lärm übernimmt diese Berechnungsformel für Bildungsstätten und fordert die Einhaltung in den Oktavbändern von 250 bis 2.000 Hz mit einer Toleranz von +/- 20 %.
Bei erhöhten Anforderungen an die Sprachverständlichkeit – etwa bei inklusiver Nutzung oder bei Personen mit Hörminderung – ist eine kürzere Nachhallzeit erforderlich. Für die Nutzungsart A4 der DIN 18041 gilt:
Tₛₒₗₗ = (0,26 · lg V/m³ − 0,14) s
Bei einem Raumvolumen von 250 m³ entspricht dies rund 0,48 s.
Neben der Nachhallzeit ist der Störschallpegel von Bedeutung. Geräusche aus benachbarten Räumen, von haustechnischen Anlagen oder aus der Außenwelt können die Sprachverständlichkeit beeinträchtigen. Für die Raumgruppen A2 bis A4 empfiehlt die DIN 18041 einen Störschalldruckpegel von höchstens 35 dB(A).
Schallabsorption
Um die gewünschte Nachhallzeit zu erreichen, müssen ausreichend schallabsorbierende Flächen im Raum vorhanden sein. Dabei kommt es nicht allein auf die Größe der Absorptionsfläche an; auch ihre Lage und insbesondere ihre frequenzabhängige Wirkung beeinflussen die Raumakustik.
Eine vollflächig schallabsorbierende Decke ist eine häufig eingesetzte Maßnahme. Je nach Raumgeometrie und Nutzung können zusätzliche Absorptionsflächen an den Wänden erforderlich sein. Besonders die Rückwand sollte bei der Planung berücksichtigt werden, damit störende Reflexionen und Flatterechos vermieden werden.
Die Absorber sollten zudem über einen möglichst breiten Frequenzbereich wirksam sein. Für Unterrichtsräume ist eine ausreichende Schallabsorption zwischen 250 und 2.000 Hz relevant; aber auch der Verlauf der Nachhallzeit bei 125 und 4.000 Hz sollte berücksichtigt werden. Eine ausschließlich auf hohe Frequenzen ausgerichtete Absorption kann zu einem unausgewogenen Frequenzverlauf führen. Für ein optimales Ergebnis können poröse Absorber, Akustikdecken, Wandabsorber, textile Flächen oder andere absorbierende Bauteile miteinander kombiniert werden.
Auch Einrichtung und Ausstattung tragen zur Raumakustik bei. Schallabsorbierende Oberflächen wie Vorhänge und Polstermöbel können die Nachhallzeit reduzieren. Ihre Wirkung sollte jedoch nicht anstelle gezielt geplanter raumakustischer Maßnahmen eingesetzt werden.
Akustik und Lüftung gemeinsam planen
Bei abgehängten Akustikdecken, Lochdecken und Lüftungsdecken müssen die Anforderungen an Schallabsorption und Luftführung aufeinander abgestimmt werden. Öffnungen in einer Decke können die akustische Wirksamkeit eines dahinterliegenden Absorbers beeinflussen, während eine möglichst große freie Fläche für die Luftführung erwünscht sein kann.