Erweiterung Kindergarten und Schule Kosmos in Antwerpen

Zweischaliges Mauerwerk für runden Pavillon

Der Nachtigallenpark in Antwerpen setzt sich aus vier ehemaligen Anwesen Adeliger mit entsprechend herrschaftlichen Gebäuden zusammen. In zwei der historischen Bestandsgebäude im Norden des Parks ist seit 2012 der städtische Kindergarten- und Grundschulkomplex Kosmos untergebracht. Doch nur wenige Jahre nach dem Einzug lobte die Stadt aufgrund des schlechten Zustands der Häuser einen Wettbewerb für die Sanierung des Bestands und neue Erweiterungsbauten aus. Der Siegerentwurf des Architekturbüros Dierendonckblancke aus Gent sah zwei gestalterisch autonome Neubauten vor, die dennoch eine funktionale Einheit mit den Altbauten bilden.

Architekturbüros Dierendonckblancke erweiterten den Bestand um zwei gestalterisch unabhängige Neubauten, links und rechts des Schulhauses.
Das Bestandschulhaus wurde kernsaniert. Das traditionelle Schieferdach sowie sein hölzernes Tragwerk mussten erneuert werden.
Die großzügigen Bogenfenster- und Türen öffnen den nun zum Empfangshaus umgenutzten Bestand zum gemeinsamen Garten.

Das Konzept soll eine klare Verteilung der unterschiedlichen Nutzungen ermöglichen, während die Positionierung der Baukörper zugleich die Außenfläche so gliedert, dass ein gemeinsamer Garten entsteht. Zwischen den beiden langestreckten Bestandsbauten mit hellrotem Sichtmauerwerk und markantem Schieferdach befindet sich ein ovaler Vorplatz. In den alten Gemäuern sind die Schule und der Kindergarten untergebracht. Während der Kindergarten am westlichen Rand des Ensembles für sich steht, flankieren die neuen Ergänzungsbauten den östlichen Schulbau, wodurch das historische Haus als zentraler Erschließungskörper gekennzeichnet wird. Er beherbergt heute vornehmlich administrative Nutzungsbereiche, eine Cafeteria und Multifunktionsräume.

Flexible Räume, kreative Kinder 

Die Klassenzimmer kamen im südlichen Neubau unter, der als kreisrunder, eingeschossiger Pavillon mit umlaufendem Laubengang ausgebildet ist. Seine großzügige Glasfassade öffnet sich ins Grüne und stellt einen Bezug zur idyllischen Umgebung her. Der Innenraum wird durch zwei zentrale Sanitärkerne sowie raumhohe Einbaumöbel – sogenannte Denkplätze – in vier flexibel bespielbare Lernbereiche gegliedert. Neben drei Klassenräumen fungiert der vierte Bereich als Projektraum. Hier bekommen die Schüler*innen die Möglichkeit, sich auszutoben oder im Snoezelruimte, einem multisensorischen Raum, zur Ruhe zu kommen. Oberlichter sorgen für eine ausreichende Belichtung des tiefen Grundrisses.

Auch der zweite Erweiterungsbau ist eingeschossig – so scheint es zumindest von außen. Der rechteckige Baukörper versinkt mit einem vollen Geschoss im Boden und schafft so Raum für die Turnhalle der Schule. Auch diese wird im Außenbereich an zwei Seiten von einem Laubengang gesäumt. Eine gestalterische Verbindung schaffen die signalroten Türrahmen aller Bauten.

Verblendziegel in Rohbauoptik 

Die tragende Struktur des runden Erweiterungsbaus besteht aus einem klassischen Ziegelmauerwerk, welches auf einem niedrigen Betonsockel lastet. Die Ziegelbauweise war für die Ausbildung des zylindrischen Baukörpers naheliegend, da sie die einfache Herstellung von organischen Formen erlaubt. Ein umlaufender Ringanker aus Beton steift die Außenwandkonstruktion aus und lässt Aussparungen für die leichte Dachkonstruktion aus Stahlprofilen. Die Außenwände erhielten eine Kerndämmung und eine Verblendschale aus Betonsteinen. Raumseitig wurde das rote Ziegelmauerwerk weiß geschlämmt. Der Ringanker blieb unverputzt.

Die zweigeschossige Sporthalle ist aufgrund der Erdberührung aus Stahlbeton gefertigt. Die Fassadengestaltung erfolgte hier aber ebenfalls durch ein Verblendmauerwerk aus Betonsteinen, die im Läuferverband vermauert wurden. Auch im Innenraum findet sich der graue Stein wieder und kreiert so eine raue, unfertige Optik, die zu den unbehandelten Holz- und Betonoberflächen passt.

Bautafel

Architektur: Dierendonckblancke architecten
Projektbeteiligte: Fris in het Landschap, Gent (Landschaftsplanung); Mouton engineering, Gent (Tragwerk); Tech3, Gent (Technische Gebäudeausrüstung); Bureau de Fonseca, Grimbergen (Akustik); eA+ (Energieberatung)
Bauherr*in: AG Vespa / AGSO
Fertigstellung: 2022
Standort: Gerard le Grellelaan 5-7, 2000 Antwerpen, Belgien
Bildnachweis: Filip Dujardin, Gent

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