Drachensteg in Furth im Wald

Verbindung von Park, Wasser und Altstadt

Im Rahmen der Landesgartenschau 2025 ließ die Stadt Furth im Wald ihre Grünflächen entlang der Kalten Pastritz und der Chamb neu gestalten und so verschiedene Stadtteile miteinander verbinden. Kernelement des Entwurfs ist der sogenannte Drachensteg – ein Rundweg, der mit Brücken und abgetreppten Terrassen neue Aufenthaltsräume an den Flussufern schafft.

Das Geländer besteht aus leuchtend roten Stahllamellen, die sich in unterschiedlichen Höhen und mit sich dynamisch verändernder Sichelform um den Weg winden.
Belegt ist der Steg mit rot eingefärbten Betonplatten, die mit regionalem Flusskiesel in Terrazzo-Optik gestaltet sind.
Südlich der Champ sind weitläufige Parkanlage entstanden, die die bestehenden Grünflächen miteinander verbinden.

Furth im Wald liegt nah an der tschechischen Grenze und litt nach dem Fall des eisernen Vorhangs lange unter Abwanderung und wirtschaftlicher Stagnation. Aus diesem Grund wurde 2015 ein Stadtentwicklungsprojekt ins Leben gerufen, das mit dem Zuschlag für die Landesgartenschau 2025 finanziellen Anschub bekam.

Park, Wasser und Drache

Südlich der Champ sind seitdem weitläufige Parkanlagen entstanden, die die bestehenden Grünflächen und Festplätze miteinander verbinden. Denn in Furth feiert man jährlich u.a. das Mittelalterspektakel Cave Gladium, sowie das Drachenstich-Festspiel, das bereits seit über 500 Jahren in der Stadt aufgeführt wird.

Die Legende vom Kampf mit dem Drachen war Inspiration für den 600 Meter langen Rundweg. Am Zusammenfluss der beiden Chamb-Arme und der Kalten Pastritz überspannt er die Gewässer an drei Stellen, führt als Loop um eine Flussinsel und leitet weiter zur Altstadt. Die Stahlkonstruktion besticht durch ihre skulpturale Wirkung: Das Geländer besteht aus sichelförmigen, leuchtend roten Stahllamellen, die sich in unterschiedlichen Höhen um den Weg winden und so einen bewegten, organischen Rahmen bilden. Ein Obergurt zeichnet deren Dynamik nach und dient zugleich als komfortable Armlehne, wenn man verweilen und über die Flusslandschaft blicken möchte. Belegt ist der Steg mit rot eingefärbten Betonplatten, die mit regionalem Flusskiesel in Terrazzo-Optik gestaltet sind. Die rote Farbe soll das Drachenblut symbolisieren – als Symbol für Lebenskraft und Erneuerung.

Den Auftakt zum Drachensteg bildet die großzügige Ufertreppenanlage am Tagungszentrum. Flache Stufen – ebenfalls aus rot eingefärbtem Beton – reichen bis ans Wasser; Sitzstufen laden zum Aufenthalt ein. Die Treppe wird von zwei Rampen umfasst, die allen Nutzergruppen den Zugang zur Terrasse am Wasser ermöglicht. 

Unterschiedliche Gründungen

Die weit geschwungene Wegeführung in unterschiedlichen Radien und Untergründen war kompliziert für Planung und Ausführung. So bedurfte es drei verschiedener Gründungsweisen: Pfahlgründungen unter den Brücken, Brunnenfundamente unter den Stegen und Zahnbalkenfundamente mit einer Bodenplatte unter der Stufenanlage. Der Rest des Weges wurde auf Split verlegt. Übergangsfundamente sorgen dafür, dass sich die unterschiedlichen Gründungsarten statisch vertragen und Setzungen vermieden werden.

Stahlkonstruktion

Die Stege lasten auf Standardträgern aus Stahl. Die bis zu 34 langen und teils gebogenen Brücken bestehen hingegen aus stählernen Hohlkästen, die mit Doppel-T-Trägern verbunden sind. Auf der Stahlkonstruktion liegen Elastomerkissen und darauf großformatige Betonplatten. Weil sich durch die unterschiedlichen Radien Höhenunterschiede zwischen den Platten ergeben, wurden diese vor Ort und nach Montage millimetergenau abgeschliffen und aneinander angeglichen.

Digital produziertes Geländer

Jede Lamelle hat eine individuelle Sichelform. Damit alles genau passt, erfolgte nach der Plattenmontage zuerst ein 3D-Aufmaß, anhand dessen sich die Lamellen millimetergenau und computergesteuert aus Stahlblech lasern und dann zu Geländersegmenten montieren ließen. Diese wurden anschließend über Schienen seitlich an die Platten befestigt, sodass bei der Montage etwas Spielraum zum Nachjustieren blieb. 

So entsteht der präzise, amorphe Schwung, der dem Drachensteg seine identitätsstiftende Wirkung und Furth im Wald neue Perspektiven auf Landschaft und Stadt gibt.

Bautafel

Architektur: Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin
Projektbeteiligte: J. Posel Ing. Büro für Bauwesen, Cham (Tragwerksplanung Projektgebiet Kalte Pastritz); ifb frohlob staffa kühl ecker Beratende Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung Projektgebiet Chambaue / Drachensteg); Prof. Rudolf Metzka, Regensburg (Gewässerhydraulik); OPUS, Bayreuth (Landschaftspflegerische Begleitplanung)
Bauherr*in: FURTH IM WALD 2025, Furth im Wald
Fertigstellung: 2025
Standort: Furth im Wald
Bildnachweis: Gregor Schmidt

Fachwissen zum Thema

Außentreppen dienen häufig nicht nur der Überwindung von Höhenunterschieden, sondern werden auch als urbaner Aufenthaltsraum genutzt.

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Treppenarten

Außentreppen

Leuchtend gelbe Freitreppe aus Stahl auf dem Gelände der Atelier Gardens in Berlin, Architektur: MVRDV; Hirschmüller Schindele Architekten

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