Dienstleistungszentrum DIAL in Lüdenscheid

Integrierte Gebäudetechnik mit KNX-System

Wo heute noch große brachliegende Flächen das Stadtbild von Lüdenscheid prägen, soll künftig eine Reihe neuer Gebäude entstehen. Im Rahmen des Strukturförderprogramms Regionale 2013 entwickelte die nordrhein-westfälische Stadt das Projekt 415m über NN Denkfabrik, das künftig eine Konversion des alten Bahnhofsareals zu einem neuen innerstädtischen Bildungsstandort vorsieht. Als eines der ersten Gebäude des Masterplans wurde das Dienstleistungszentrum für Gebäudetechnik und Licht des Unternehmens DIAL fertiggestellt. Während das Gestaltungskonzept von firmeneigenen Mitarbeitern erarbeitet wurde, übernahm die ortsansässige Architektengemeinschaft Arctec die Ausführungsplanung.

Mit seinem optimalen A/V-Verhältnis, seiner luftdichten und gut gedämmten Gebäudehülle erreicht das Gebäude fast Passivhausstandard und kommt ohne konventionelles Heizsystem aus
Blick in das Atrium im Inneren des Gebäudes
Im Süden geht das Atrium in eine Cafeteria mit angeschlossenen Außenbereich über

Der kompakte quaderförmige Bau mit seiner vorgehängten Fassade aus schwarzen Metallpaneelen befindet sich nördlich des Finanzamtes und ist für knapp 100 Mitarbeiter ausgelegt. Er umfasst knapp 2.000 m² Nutzfläche und erstreckt sich über drei Geschosse. Der Zugang zum Gebäude erfolgt von Westen; von hier gelangen die Besucher und Mitarbeiter in ein großes Atrium, welches sich mit angeschlossener Cafeteria und Foyer über knapp die Hälfte des Erdgeschosses erstreckt. Über sein großflächig verglastes Dach dringt viel Tageslicht ins Innere der Firmenzentrale. Im rückwärtigen Teil des Gebäudes befinden sich das Experimentallabor für Licht sowie das Prüf- und Messlabor für Lichttechnik. Die Seminarräume, wo der Dienstleister regelmäßig Schulungen und Workshops zu den Themenbereichen Licht, Gebäudetechnik und intelligente Architektur durchführt, sind im ersten Obergeschoss untergebracht, die Büros der Mitarbeiter befinden sich in der letzten Etage.

Elektro und Gebäudetechnik
Durch sein gutes Verhältnis von Oberfläche zu Volumen (A/V-Verhältnis) sowie seiner luftdichten und gut gedämmten Gebäudehülle erreicht der Neubau fast Passivhausstandard und kommt ohne eine konventionelle Heizung aus. Stattdessen ergaben dynamische Simulationen, dass durch interne Lasten wie Computer, Beleuchtung und Personen insbesondere im Sommer Kühlbedarf besteht. Dieser wird, wie auch der minimale Restwärmebedarf im Winter, von sechs Luft-/Luft-Wärmepumpen mit hochwirksamen Wärmetauschern abgedeckt. Die Verteilung der vortemperierten Luft innerhalb der einzelnen Etagen übernimmt eine Lüftungsanlage mit einer Wärmerückgewinnung von bis zu 86%. Die dafür vorgesehene Leitungsführung konnte größtenteils in den Doppelböden untergebracht werden. Außerdem sind die massiven Decken und Außenwände als thermische Speichermassen in das Energie- und Klimakonzept eingebunden.

Alle gebäudetechnischen Funktionen sind mit einem KNX-System vernetzt, welches sich hauptsächlich über installierte Anwendungen (Apps) am Computer steuern und regeln lässt. So können die Mitarbeiter jederzeit bedarfsweise Helligkeit und Klima in ihren Büros regulieren. In anderen, gemeinschaftlich oder öffentlich genutzten Bereichen, wie der Cafeteria und den Seminar- und Schulungsräumen, erfolgt die Steuerung der Haus- und Lichttechnik über zentral angebrachte Schalter. Beispielsweise bei Workshops können individuelle Lichtszenarien vorab programmiert und später bei Bedarf abgerufen werden. Im Atrium sorgen KNX-Präsenzmelder dafür, dass sich die Beleuchtung nur in Anwesenheit von Personen anschaltet. Diese bedarfsweise Steuerung spart zum einen Strom, zum anderen verlängert sich dadurch die Lebensdauer der installierten Leuchten. Des Weiteren wurde im gesamten Gebäude auf die Installation eines herkömmlichen Telekommunikationssystems verzichtet. Anstelle dessen verfügt jeder Mitarbeiter über ein Smartphone, welches zugleich als Zutrittskontrolle dient.

Bautafel

Architekten: DIAL, Lüdenscheid (Projektsteuerung; Entwurf und Technisches Gesamtkonzept; Systemintegration)
Projektbeteiligte: Artec Architektengemeinschaft, Lüdenscheid (Ausführung); Ingenieurbüro Uhlir und Jansen, Dortmund (Tragwerksplanung, Thermische Bauphysik); Ingenieurbüro Timmer und Reichel, Haan (HLKS- Planung, Thermik- und Strömungssimulation); Jung, Schalksmühle (KNX-System und -schalter, Präsenzmelder); inttec, Hagen (Elektroplanung); DIAL, Lüdenscheid (Licht- und Automationsplanung); IBW, Wuppertal (Brandschutzplanung)
Bauherr: DIAL, Lüdenscheid
Fertigstellung: Ende 2012
Standort: Bahnhofsallee in 58507 Lüdenscheid
Bildnachweis: DIAL, Lüdenscheid

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