Dampfbremsfolien

Bauschäden durch Konvektion, Diffusion und Restfeuchte

Immer wieder treten nach Sanierungen und energetischen Modernisierungen bauphysikalische Schäden auf, weil die Dampfbremse und die luftdichte Ebene nicht als zusammenhängendes System geplant oder nicht dauerhaft dicht ausgeführt wurden. Während die Dampfbremse den Feuchteeintrag durch Wasserdampfdiffusion begrenzt, verhindert die Luftdichtheitsebene, dass feuchte Innenluft durch Leckagen in die Dachkonstruktion strömt. Für den klimabedingten Feuchteschutz gilt die DIN 4108-3: Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz – Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung

Schimmelbefall Sparren
Prinzipdarstellung
Ergebnis Praxisfall Neubau

Bauschaden durch Konvektion von Feuchtigkeit bei Undichtigkeiten  

Schäden durch Konvektion von Feuchtigkeit können bei Dachkonstruktionen erhebliche Schäden verursachen. Undichtigkeiten in der luftdichten Ebene zum Beispiel durch fehlerhafte Verklebungen der Bahnen, durch Leckagen oder unzureichend ausgebildete Anschlüsse und Materialfehler lassen Luft in das Bauteil strömen. Diese Konvektion kann erhebliche Mengen Feuchtigkeit ins Bauteil tragen, die sich dort sammeln und an Bauteilen kondensieren kann. Wenn diese Feuchtigkeit nicht rücktrocknet, ergeben sich optimale Bedingungen für Schimmel und holzzerstörende Pilze. Damit keine Luft und damit Feuchtigkeit ins Bauteil gelangt, muss die luftdichte Ebene korrekt an alle angrenzenden Bauteile angeschlossen werden. Das ist mitunter in der Ausführung bei geometrisch komplexen Bestandsdächern knifflig: Gauben, Kehlbalken, Sparren oder verzweigte historische Dachtragwerke, aber auch alte Holzbauteile mit unregelmäßigen Oberflächen verkomplizieren den korrekten Anschluss der luftdichten Ebene und verlangen viel Sorgfalt bei der Ausführung. Das ist auch bei Dachsanierungen von außen der Fall, wenn die Dampfbremse bzw. Luftdichtheitsbahn schlaufenförmig über die Sparren verlegt wird. Für die Planung und Ausführung der luftdichten Ebene einschließlich der Anschlüsse, Durchdringungen und mechanisch zu schützenden Verklebungen gilt die DIN 4108-7: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele. Darüber hinaus empfiehlt das WTA-Merkblatt Luftdichtheit im Bestand, Teil 1 -3 ein Luftdichtheitskonzept, bei dem u. a. der luftdichte Anschluss aller Bauteile und Details betrachtet, geplant und entsprechend exakt ausgeschrieben werden. So behalten Planende die Kontrolle über die korrekte Verlegung der luftdichten Ebene.

Feuchtschäden durch Dampfdiffusion 

Neben der Konvektion gibt es auch die Diffusion, die Feuchtigkeit per Wasserdampf ins Bauteil trägt – langsamer und damit zunächst weniger kritisch. Dennoch muss der Dachaufbau auch gegen Feuchteeintrag durch Diffusion geschützt werden, üblicherweise mit einer raumseitigen Dampfbremse aus einem geeigneten Material. Ein Indikator dafür ist der sd-Wert: Er beschreibt den Widerstand einer Folienbahn gegen Wasserdampfdiffusion. Der erforderliche Diffusionswiderstand der Dampfbremse lässt sich jedoch nicht allein aus ihrem sd-Wert ableiten, sondern nur aus der feuchtetechnischen Bewertung des gesamten Dachaufbaus einschließlich seiner Austrocknungsmöglichkeiten. Ziel ist eine dauerhaft günstige Feuchtebilanz: Der Aufbau muss eingetragene Feuchtigkeit wieder abführen können, bevor sie sich über längere Zeit im Bauteil anreichert. 

Im Winter ist der Wasserdampfdruck in beheizten Räumen meist höher als auf der kalten Außenseite des Dachs. Wasserdampf wandert dann überwiegend von innen nach außen. Hier muss eine Dampfbremse die Diffusion aus dem Innenraum ins Bauteil bremsen. Im Sommer kann sich die Richtung zeitweise umkehren, die Dampfbremse muss die Rücktrocknung aus dem Bauteil in den Innenraum unterstützen. Ausschlaggebend sind daher Temperatur und Feuchte zusammen – nicht allein die relative Luftfeuchte. 

Bei Holzschalungen, diffusionshemmenden Außenschichten, erhöhter Bau- oder Restfeuchte, stark verschatteten Dachflächen und komplizierten Anschlüssen reicht die Auswahl nach einem pauschalen sd-Wert nicht aus. Dann ist der konkrete Dachaufbau feuchtetechnisch zu bewerten. 

Feuchteschäden durch Restfeuchte 

Restfeuchte kann aus feucht eingebauten Materialien, Niederschlag während der Bauphase oder bereits vorgeschädigten Bestandsbauteilen herrühren. Bei Dachsanierungen betrifft das vor allem Sparren, Schalungen, Holzwerkstoffplatten und Dämmstoffe. Bevor eine Konstruktion mit Dämmung, Bekleidung oder Luftdichtheitsebene geschlossen wird, sind witterungsbeanspruchte oder auffällige Holzbauteile an kritischen Stellen auf Feuchtigkeit zu prüfen und die Ergebnisse zu dokumentieren. Eine trockene Oberfläche reicht als Beurteilung nicht aus. Ursache, räumliche Ausdehnung der Durchfeuchtung und vorgesehener Trocknungsweg müssen vor dem Verschließen geklärt sein. Bei Konstruktionen mit Holzschalung, diffusionshemmenden Außenschichten oder begrenzter Rücktrocknung sollte die vorhandene Anfangsfeuchte in eine hygrothermische Bewertung einbezogen werden. 

Restfeuchte im Holz

Für tragende Bauteile aus Holz und Holzwerkstoffen stellt die DIN 68800-2: Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau Anforderungen zur Sicherung der Lebensdauer. So muss Holz trocken eingebaut und während Transport, Lagerung und Montage vor einer schädigenden Durchfeuchtung geschützt werden. Für Bauholz gilt dabei als praxisüblicher Wert eine Holzfeuchte von höchstens 20 Masse-Prozent. Bei durchfeuchteten oder witterungsbeanspruchten Holzbauteilen sollte dieser Wert vor dem Schließen der luftdichten Ebene messtechnisch nachgewiesen und dokumentiert werden. Für Holzwerkstoffplatten gelten daneben die jeweiligen Produkt- und Herstellervorgaben. Für orientierende Baustellenmessungen lässt sich der Feuchtegehalt von Schnittholz schätzen: mit dem elektrischen Widerstands-Messverfahren nach DIN EN 13183-2: Feuchtegehalt eines Stückes Schnittholz – Teil 2: Schätzung durch elektrisches Widerstands-Messverfahren. Holzart, Bauteiltemperatur, Messtiefe und Messstellen sind dabei zu berücksichtigen und zu dokumentieren. Bei nicht eindeutig beurteilbarer Durchfeuchtung, bei hohen Messwerten oder bei abweichenden Feuchtewerten im Bauteilquerschnitt sind weitergehende Untersuchungen unbedingt erforderlich. 

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