Casa Magarola in Barcelona
Farbenfrohe Details an Fenstern und Fenstertüren
Rund 45 Autominuten nordwestlich des Stadtzentrums von Barcelona liegt die Kleinstadt Sant Cugat del Vallès. Dort, auf einem steilen, natürlichen Hang, umgeben von dichter Vegetation, erhebt sich Casa Margarola, entworfen von raul sanchez architects. Der zweigeschossige Wohnkubus fällt durch seine markante, korallenfarbige Fassade ins Auge. Auch im Innenraum finden sich bunte Details: Eine imposante Treppenskulptur und farblich abgestimmte Beschläge an Fenstern und Fenstertüren machen das Bauwerk zu einem lebendigen Zuhause.
Integration in die hügelige Landschaft
Ein zentrales Anliegen der Planenden war es, das Bauwerk sensibel in die bestehende Umgebung einzufügen und dabei sowohl die üppige Vegetation als auch das markante, schroffe Gelände weitgehend zu erhalten. Das Wohnhaus ruht auf wenigen, seitlich und mittig platzierten Betonscheiben, die aus dem Gelände herauszuwachsen scheinen. Sie übernehmen nicht nur die statische Lastabtragung, sondern ermöglichen zugleich den weitgehenden Verzicht auf Versiegelung des Bodens. Lediglich zwei von über vierzig Bäumen mussten für die Realisierung des Projekts gefällt werden.
Geschlossene und offene Fassadengestaltung
Der Zugang erfolgt von einer Straße, die sich ihren Weg durch die hügelige Landschaft bahnt. Von hier aus zeigt sich Casa Magarola als geschlossenes, schlichtes Volumen und auch seine zwei Geschosse lassen sich aufgrund der Hanglage nur von Norden ablesen. Drei der Fassaden – die zur Straße und zu den Nachbargrundstücken – sind bewusst zurückhaltend gestaltet, mit reduzierten Öffnungen und teils durchbrochenen Elementen zur Regulierung des Sonnenlichts. Im Gegensatz dazu öffnet sich die nördliche Talseite vollständig verglast zur Umgebung. Diese Offenheit wird durch den hellgelben Farbton der Fassade zusätzlich verstärkt. Ein gleichfarbiger Lamellenzaun schirmt das Gebäude zur Straße hin ab. Eine Treppe führt vorbei an einem großzügigen Autostellplatz den Hang hinunter zu einer Terrasse.
Offener Wohnraum mit Weitblick
Über vier große Schiebetüren gelangen Bewohner*innen und Gäste ins Haus. Eine klassische Eingangssituation gibt es nicht: Der offene Koch- und Essbereich mit einem Esstisch aus Sichtbeton und Ceppo-di-Gré-Stein schließt unmittelbar an den Außenbereich an. Ein zentraler Funktionsblock im Kern des unteren Geschosses nimmt das Badezimmer, eine Vorratskammer sowie eine korallenfarbig leuchtende Spindeltreppe auf, die die Ebenen miteinander verbindet. Der skulpturalen Treppe ist ein massiver Brocken ortstypischen Gesteins vorgelagert – eine Hommage an Carlo Scarpas gestalterischen Umgang mit Treppen, die er als räumliche Einladung zum Aufstieg verstand.
Die zentrale Anordnung der Nebenräume ermöglicht einen frei umlaufenden Wohnbereich mit offener Küche. Während die hangseitige Wand ohne Tageslicht bleibt und funktional als raumhohe Schrankwand mit großzügigem Stauraum genutzt wird, öffnen sich die übrigen drei Fassaden – insbesondere die vollverglaste Nordseite – mit weiten Ausblicken in die umgebende Landschaft.
Farbige Fensterrahmen und Beschläge
Passend zur Fassadengestaltung der Nordseite sind auch die Fensterrahmen sowie die Dreh-Kipp-Beschläge an den vier Fensterflügen in einem sanften Cremeton gehalten. An den korallenfarbigen Seiten des Hauses kommen Fenster und Fenstertüren mit ebenso warm leuchtenden Rahmen zum Einsatz, die sich konsequent in das Gestaltungskonzept einfügen. Die meisten farbigen Fenstergriffe bestehen aus beschichtetem Polyamid – einem Kunststoff, der sich durch hohe Abriebfestigkeit, antistatische Eigenschaften, chemische Beständigkeit, Pflegeleichtigkeit und hygienische Oberflächen auszeichnet.
Flexibler Wohnkomfort im Schlafbereich
Im oberen Geschoss befinden sich die Schlafräume. Das Hauptschlafzimmer verfügt über einen begehbaren Kleiderschrank sowie ein eigenes Badezimmer en suite. Schiebetüren ermöglichen eine flexible Raumaufteilung. Die beiden weiteren Schlafzimmer teilen sich ein Badezimmer, das vom Flur aus zugänglich ist. An der West- und Ostseite befinden sich zwei kompakte, nach innen orientierte Balkone, die Rückzug und der Wahrung der Privatsphäre ermöglichen. Bis auf die Schiebetüren, die über eine eingelassene Griffmuschel geöffnet und geschlossen werden, sind alle Türen im Obergeschoss mit matt gebürsteten Türgriffen ausgestattet. Eine Besonderheit liegt in ihrer gestalterischen Ausführung: Anstelle des üblichen L-förmigen Griffprofils kommen T-förmige Modelle mit einer mittig sitzenden Kugel zum Einsatz – eine Anlehnung an klassische Fensteroliven.
Sonnenplatz mit Dusche
Die Spindeltreppe führt durch eine runde Öffnung weiter bis auf das Dach, wo sie in einem quadratischen, um 45° gedrehten Aufbau mündet. Von hier gelangt man auf die Dachterrasse, die mit weitem Blick über die umliegende Landschaft zu erholsamen Sonnenstunden einlädt. Eine Außendusche sorgt an heißen Tagen für schnelle Abkühlung.
Nachhaltigkeitsstrategien
Die Beheizung erfolgt in allen Räumen über eine Fußbodenheizung, betrieben von einem Aerothermie-System, das sowohl Heiz- als auch Kühlfunktionen übernimmt. Die Energieversorgung erfolgt über Photovoltaik-Module auf dem Dach. Weitere nachhaltige Strategien umfassen ein durchgängiges Wärmedämmverbundsystem ohne Wärmebrücken– einschließlich der gedämmten Unterseite der Bodenplatte –, eine natürliche Querlüftung in allen Räumen, die gezielte Ausrichtung und Platzierung der Öffnungen, ein Regenwassersammelsystem sowie die Verwendung einfacher, lokaler Materialien.
Bautafel
Architektur: raul sanchez architects, Barcelona
Projektbeteiligte: Paolo Burattini, Flavia Thalisa Gütermann, Dimitris Louizos, Carlos Montes (Projektteam); Diagonal estructuras (Tragwerksplanung); Marés ingenieros (Bauingenieurswesen); GruArt Arquitectura tècnica (Projektberatung)
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Sant Cugat del Vallès, Spanien
Bildnachweis: José Hevia (Fotos); raul sanchez architects (Pläne)