Casa da Volta in Grandola

Quadratischer Hof in weiter Landschaft

Inmitten der sanft hügeligen Landschaft um Grandola südöstlich von Lissabon befindet sich ein Anwesen, welches typologisch die Tradition der portugiesischen Alcacova aufgreift. Der Begriff bezeichnet eine Art befestigten Bauernhof, wie er im Mittelmeerraum einst sehr verbreitet war. Durch eine Ummauerung erhält das Haus eine Begrenzung mit Schutzfunktion, wie eine Art Ringwall. In der schier endlosen Landschaft ist der Wohnort damit klar definiert. Die Casa da Volta ist als ummauerter Hof der Topografie angepasst, entworfen vom Lissaboner Architekturbüro Promontorio in Zusammenarbeit mit Joao Cravo.

Zufahrt zum Haus
Ansicht West
Ansicht Nord

Aufgrund einer leichten Hanglage ist die südwestliche Gebäudeecke ins Erdreich eingebunden, während die nordöstliche klar hervortritt. Die Außenwände sind relativ geschlossen. Ein Eckportal dient als Zufahrt, zudem gibt es eine kleine Außentür. Im Osten öffnet sich die Wand zu einer großen Terrasse, von der aus die weite Landschaft zu überblicken ist. Davor erhebt sich das kantige Becken eines Pools.

Quadratischer Hof, gegliedert durch Raumgruppen

Die Anlage folgt insgesamt einem quadratischen Grundriss. Im Norden sind die Schlafzimmer, gen Osten gemeinsame Wohnräume aufgereiht. Im Westen befinden sich eine Garage und ein Personalraum. Die Raumgruppen haben rechteckige Grundrisse und fassen den südlich offenen Hof. Ein Obstgarten nimmt die südöstliche Ecke des Anwesens ein, im Südwesten befindet sich das Eckportal.

Zu den gemeinsamen Räumen gehören eine Bibliothek, ein Wohnraum mit Essbereich und eine Küche. Wohnen und Essen trennt ein hängender Metallkamin. Die Holzbalkendecke ist ebenso wie die Wände, die Böden und die Betonstürze in Weiß gehalten. Weiß dominiert das Bauwerk insgesamt. Die allumfassende Steinmauer ist bekrönt von traditionellen, ebenfalls weißen Tondachziegeln. Durch die Rauheit der Materialien fügt sich das Haus sehr gut in die karge Landschaft.

Traditionelles Flachdach, Attiken mit Tondachziegeln
Das traditionelle Haus mit Flachdach hat folgenden Dachaufbau (von unten nach oben): Auf die weiß lackierten Holzbalken (20 x 10 cm) wurde ein 22 mm dickes, ebenfalls weiß lackiertes Marine-Sperrholz aufgebracht. Dieses ist aus afrikanischem Okoumé-Holz gefertigt, welches vielfach im Boots- und Möbelbau eingesetzt wird. Es handelt sich um ein leichtes und langlebiges Material von hoher Festigkeit.

Oberhalb der Decke ist eine Dampfsperre angeordnet. Die 10 cm dicke Wärmedämmung aus extrudiertem Polyurethan ist mit 1,5 % Gefälle ausgebildet. Polyurethan ist schwer brennbar, alterungsbeständig, fäulnisresistent und druckfest. Darüber liegt, mittels Abdichtungsbahn von der Wärmedämmung getrennt, die Drainageschicht. Die Trennlage zur Kiesschicht mit 1-2 cm gerollten Kieseln bildet ein Schutzvlies aus Geotextil, welches die Abdichtung vor Beschädigungen durch Kiesel schützt (u.a. nach Begehen des Flachdachs). Die Bekiesung gewährleistet nicht nur den notwendigen UV-Schutz der darunterliegenden Dachhaut. Kies ist feuerfest und wirkt sich positiv auf den Brandschutz aus. Bei Starkregen verlangsamt er den Regenabfluss. Die hohe Auflast und das Eigengewicht von Kies ist in der statischen Bemessung zu berücksichtigen. Regelmäßige Kontrollen der Abläufe sind notwendig. Die Abdeckung der Attika bzw. der Außenwand besteht aus Tondachziegeln („Mönch und Nonne”) mit weißem Farbpigment.

Bautafel

Architektur: Promontorio und Joao Cravo, Lissabon
Bauherr/in: Pedro do Carmo Costa
Fertigstellung: 2021
Standort: Grandola, Alentejo, Portugal
Bildnachweis: Luis Viegas, Alexandre Ramos

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