Bürogebäude in Melbourne/AUS

Arbeitsplätze zum Wohlfühlen in einem denkmalgeschützten Gebäude

Westlich vom Zentrum der australischen Stadt Melbourne erstreckt sich ein ehemaliges Industriehafengebiet, das unter dem Namen Melbourne Docklands bekannt ist. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt wurde für dieses etwa 700 ha große Areal ein Masterplan entwickelt, der die Verwandlung der Docklands in einen lebhaften Stadtteil vorsah. Wohn- und Geschäftsbauten, Cafés, Restaurants und Bars sowie öffentliche Parkanlagen und Promenaden entlang der 7 km langen Wasserkante sollten entstehen und sind heute zum Teil fertig gestellt. Im Zuge der Baumaßnahmen werden auch historische Gebäude saniert. Eines davon ist ein denkmalgeschütztes Lagerhaus aus dem Jahr 1889, mit dessen Umbau die Architekturbüros BVN Architecture und Elenberg Fraser beauftragt wurden. Das heute unter dem Namen Goods Shed North bekannte Gebäude diente ursprünglich der Lagerung von Eisenbahngütern, war aber seit den 1980er Jahren nicht mehr in Benutzung. Seit dem Umbau sind darin Büroräume untergebracht, die von zwei Bauherren separat genutzt werden. Die Gestaltung der Räumlichkeiten ist auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens abgestimmt, unterliegt aber einem übergeordneten Konzept.

2.400 Pflanzen reinigen als feste Bestandteile der Innenarchitektur die Raumluft. Links an der Wand erinnern die ursprünglichen Holztore des Lagerhauses an die Geschichte des Gebäudes (Nutzung durch Vic Urban)
Die Offenheit und Vielfalt der Räumlichkeiten fördern die Interaktion der Nutzer (Nutzung durch BC/PIC)
Im kommunikativen Zentrum sind belebtere und ruhigere Zonen sowie informelle und formelle Treffpunkte untergebracht. Für große Teile des Innenausbaus wurde Holz verwendet (Nutzung durch BC/PIC)

Ziel des Umbaus war es, den Charakter des Gebäudes zu erhalten und dabei Innenräume zu schaffen, in denen sich die Nutzer zum einen wohlfühlen und zum anderen kooperativ-kreativ arbeiten können. Die hohen Decken blieben deshalb erhalten, ebenso die großen Oberlichter, die sichtbaren Stahlfachwerkträger, das Mauerwerk und die gusseisernen Stützen, aber auch die bestehenden Symmetrien und Sichtbezüge. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein hoher, offener Raum, der als kommunikatives Zentrum, als Herz des Bürogebäudes dient. Die Haupterschließung – eine große, breite Holztreppe mit Sitzstufen – sowie mehrere kleinere Treppen führen von den Galerien in diesen Raum hinunter. Die offenen Arbeitsplätze sind im Erdgeschoss und auf den Galerien entlang der Ost- und Westfassaden angeordnet, informelle und formelle Treffpunkte sowie belebtere und ruhigere Zonen im Zentrum des Gebäudes.

Bei der Planung des Innenausbaus stand für die Architekten das Wohlbefinden der Nutzer im Vordergrund. Die Arbeitsräume sind weitläufig, offen, natürlich belichtet und hell. Teile des Daches wurde verglast, um Tageslicht in die Tiefen des Gebäudes leiten zu können. 2.400 Pflanzen sorgen als feste Bestandteile der Innenarchitektur für eine konstante Reinigung der Innenraumluft. Die für den Innenausbau verwendeten Materialien und ihre Oberflächenbehandlung bestimmten die Architekten nach ökologischen, nachhaltigen und „gesunden“ Gesichtspunkten. Neu eingebaute Stahlteile blieben weitestgehend unbehandelt, das Material Holz kam in neuer und recycelter Form vielfach zum Einsatz und die Böden sind u.a. aus Kautschuk. Bei allen Baustoffen achteten die Architekten darauf, dass der Anteil an VOCs und PVC minimal war. Eine besondere Qualität des Gebäudes liegt nicht zuletzt in der Vielfalt des Raumangebots und in der Sichtbarkeit, welche die Interaktivität zwischen den Nutzern auf persönlicher und professioneller Ebene fördert.

Als erstes denkmalgeschütztes und saniertes Gebäude im australischen Staat Victoria wurde die Goods Shed North mit fünf Sternen des Nachhaltigkeitszertifikats Green Star ausgezeichnet. Teil des Green Star Systems ist es, Punkte für die Reduktion von CO2-Emissionen zu vergeben. Diese Punkte bekommt man z.B. dann, wenn die Autostellplätze im Gebäude reduziert und stattdessen Fahrradstellplätze angeboten werden, wie in diesem Objekt. Es gibt einen Abstellraum für Fahrräder mit nahegelegene Duschen und Schließfächern. Dies ermuntert die Nutzer auch im bisweilen heißen australischen Klima zur sportlichen Betätigung, da man vor Arbeitsbeginn noch schnell unter die Dusche springen kann. -cr

Bautafel

Architekten: BVN Architecture, Melbourne/AUS (Innenausbau)
Projektbeteiligte: Elenberg Fraser Architects, Melbourne (Sanierung/Renovierung); Lovell Chen Architects, Melbourne (Denkmalschutz); Winward Structures, Melbourne (Tragwerksplanung); Basso Project Management, Port Melbourne (Projektmanagement); Meinhardt, Melbourne (Haustechnik); Sustainable Built Environments (SBE), Melbourne (Berater Nachhaltigkeit); Aurecon, Melbourne (Berater Haustechnik und Nachhaltigkeit)
Bauherr: Vic Urban, Melbourne und Building Commission & Plumbing Industry Commission (BC/PIC), Melbourne
Fertigstellung: 2009
Standort: 710 Collins Street, 3008 Melbourne, Australien
Bildnachweis: Peter Clarke Photography, Prahran/AUS und Anson Smart Photography, St Peters/AUS

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