Büro- und Lagergebäude in Gliwice
Rohrstapel-Anmutung aus Aluminium
Im polnischen Gliwice erinnert ein 112 Meter hoher hölzerner Sendeturm an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Heute steht die mit 180.000 Einwohnern viertgrößte Stadt der Woiwodschaft Schlesien für Strukturwandel: von Bergbau und Schwerindustrie hin zu High-Tech und Logistik. In der südlichen Peripherie hat das Architekturbüro Robert Konieczny KWK Promes für den Industrierohr- und Zubehörhändler Gambit Systems ein Büro- und Lagergebäude geplant. 2024 konnte es bezogen werden.
Die Aufgabenstellung war klar: Der Neubau sollte die Produkte des Unternehmens sichtbar machen und zugleich mit möglichst geringen Kosten auskommen. Entstanden ist ein Baukörper, der wie ein Stapel übereinanderliegender Rohre wirkt. Seine Großform leiteten die Architekten aus dem Ort und seiner Umgebung ab: Während auf dem Grundstück zuvor eine kubische Produktionshalle stand, ist das Umfeld von Einfamilienhäusern mit Satteldächern und flachen Nebengebäuden geprägt.
Die drei Hauptfunktionen – Lager, Kommissionierwerkstatt und Büro – spiegeln sich in einer prägnanten, langgestreckten Figur wider. Im Norden befindet sich der zweigeschossige, rund 14 mal 14 Meter große Bürobereich mit geneigten Wänden. Ihm gegenüber liegt ein fast gleichhoher, 14 mal 25 Meter großer, unbeheizter Lagerkubus. Dazwischen vermittelt ein niedriger Werkstattbereich. Die Tubus-Geometrie bestimmte unmittelbar die Gebäudeform: Mit der Dreiecksstapelung der Rohre war der 60-Grad-Winkel der Wandschrägen vorgegeben.
Der zur Straße homogene Baukörper fügt sich mit seiner aufgelösten Silhouette in die kleinteilige Umgebung ein. Im Inneren entfaltet der Büroteil mit skulpturaler Sichtbetonkonstruktion und zentralem Oberlicht eine fast sakrale Raumwirkung. Auf dem Dach des Werkstattbereichs befindet sich eine Terrasse für die Mitarbeitenden.
Fassade: trickreiche Rohre
Ursprünglich sollte die Fassade tatsächlich aus den von Gambit vertriebenen Rohren bestehen. Versuche zeigten jedoch, dass die für den unterirdischen Einsatz bestimmten Rohre unter UV-Einwirkung oxidieren und zudem die Brandschutzanforderungen nicht erfüllen. Stattdessen wurde kostengünstiges, unbehandeltes Aluminiumblech in Rohrform gebogen, das im Laufe der Zeit eine matte Patina ansetzen wird.
Die Tragschicht besteht aus Stahlbeton mit außenliegender PU-Hartschaum-Dämmung. Davor ist die 50 Zentimeter tiefe Rohrblechstruktur mit verzinkten Stahlwinkeln vorgehängt. An den Gebäudeschmalseiten scheint der Blick über vermeintlich 14 Meter lange Rohre zu gleiten. Doch die Bleche bestehen aus mehreren Teilen und sind überwiegend nur zu Halbrohren gebogen – eine Lösung, die Material und Kosten gespart hat. Diese „Rohre“ an den Gebäudeenden erhielten nach innen versetzte Verschlüsse, um Windgeräusche zu vermeiden und zugleich den offenen Eindruck zu wahren.
Auf die ursprünglich geplante Vogelschutznetze verzichteten die Architekten. Stattdessen sollen die Hohlräume Vögeln und anderen Tieren als Lebensraum dienen. Zugleich konnten so weitere Kosten gespart werden. Die westliche, hofseitige Längsfassade besitzt zwei jeweils rund zehn Meter breite, mit Aluminiumblech eingefasste Öffnungen: die bodentiefe Verglasung des Bürobereichs und die Lagereinfahrt. Die straßenseitige Ostfassade ist dagegen bis auf den Eingang als vollständig geschlossener „Rohrstapel“ ausgebildet.
Bautafel
Architektur: Robert Konieczny KWK Promes, Katowice
Projektbeteiligte: Robert Konieczny, Michał Lisiński (Projektleitung), Katarzyna Pająk, Karol Jackiewicz, Karol Knap, Krzysztof Kobiela (Projektteam Architekturbüro), Firma Inżynierska STATYK, Katowice (Tragwerksplanung), KOMSTAHL (Fassadenplanung), Green Technologie (Heizung), Elektris, Poznań (Elektroplanung), Eco Group (Energieplanung), Fire & Quality Solutions, Katowice (Brandschutz)
Bauherr: Gambit Systems
Fertigstellung: 2024
Standort: Bojkowska 120, 44-141 Gliwice, Polen
Bildnachweis: Juliusz Sokołowski, Rybnik (Fotos); Robert Konieczny KWK Promes, Katowice (Pläne)
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