Brettschalung
Schalungen aus Holzbrettern sind enorm anpassungsfähig. Häufig kommen sie bei Sichtbetonteilen zum Einsatz, wenn Maserungen und Stöße ein lebendiges oder subtiles Relief erzeugen sollen. Außerdem eignen sich Bretter für gekrümmte und gewölbte Schalungen sowie für Passflächen von Träger- und Rahmenschalungen.
Die Holzoberflächen können rau oder gehobelt, beschichtet oder unbeschichtet sein – abhängig vom Budget und gewünschten Oberflächeneffekt. Ungehobelt hinterlassen sie eine raue Struktur mit gut erkennbarer Maserung, während gehobelte, geflammte oder lackierte Schalbretter glatte Oberflächen erzeugen. Bevorzugt werden Fichte, Kiefer und Tanne. In der Regel sind die Bretter 24 mm dick, 105 mm breit und bis zu 6 m lang. Dicke und Spannweite richten sich unter anderem nach dem Frischbetondruck.
Oberflächen
Wegen der verschiedenen Wechselwirkungen zwischen Holz und Frischbeton benötigen die Ausführenden viel Erfahrung – insbesondere bei unbehandeltem Holz. Es werden stark, mäßig und nicht saugende Schalungshäute unterschieden, abhängig davon, wie viel Wasser sie dem Beton beim Abbinden entziehen. Schlimmstenfalls kann das Saugverhalten ein Absanden des Betons bewirken oder die Erhärtung stoppen. Inhaltsstoffe wie der natürliche Holzzucker können ähnlich wirken und darüber hinaus zu Verfärbungen und Ausblühungen führen.
Andererseits sorgt die Saugfähigkeit des Holzes dafür, dass oberflächennahe Luft- oder Wasserblasen eingesogen werden und sich somit keine Ausblutungen und sichtbaren Poren bilden können. Die Schalhaut verzeiht somit kleine Betonierfehler und geringe Schwankungen der Betonzusammensetzung.
Das Saugverhalten nimmt ab, je öfter die Bretter verwendet werden. Erst ab dem zweiten oder dritten Einsatz erscheint die Betonoberfläche einheitlich. Bei erneuter Verwendung der Schalung können sich Helligkeit und Farbe des Flächenbilds weiter verändern. Vor ihrem Ersteinsatz wird die Schalungshaut daher mit Zementmilch, Beton oder 3- bis 5-prozentigem Natron „vorgealtert“.
Stöße
Zu beachten sind außerdem die kleinen Spalten zwischen den Brettern: Über stumpfe, sägeraue Stöße kann Zementleim abfließen, sodass sie sich später als „Nasen“ auf der Oberfläche abzeichnen oder gar zum Absanden im Fugenbereich führen. Dies lässt sich verhindern, indem Bretter mit Spundungen verwendet werden. Trocken montierte Bretter quellen beim Kontakt mit dem Beton auf, sodass sich einerseits die Fugen schließen, eventuell aber auch Spannungen und Verwerfungen in der Schalhaut entstehen. Beim Trocknen wiederum schwinden oder verformen sich die Bretter – und somit öffnen sich die Fugen.
Um diese Effekte zu mindern, wird die Schalung sechs bis zwölf Stunden vor ihrem Einsatz gewässert. So wird dafür gesorgt, dass das Holz beim Betonieren weniger Wasser aufnimmt und sich die Schalungsfugen schließen.
Ausschalen und Reinigung
Bevor der flüssige Beton eingebracht wird, bestreicht man die Schalung mit Öl, Wachs oder Lack. Sie wirken als Trennmittel, sodass sich die Bretter sauber und ohne Beschädigungen entfernen lassen. Sorgfältiges Ausschalen und Reinigen erlaubt es, die Bretter ca. vier bis sechsmal als Sichtbetonschalung einzusetzen.