Beautiful Steps

BaunetzWoche #304

Ob als einladende Geste, als Skulptur im Raum oder als eigene Topographie: eindrucksvolle Treppen können sich immer und überall verstecken, in Gärten, auf dem Wasser oder sie schweben in schwindelerregender Höhe. Wie beispielsweise eine Installation der Künstler Sabina Lang und Daniel Baumann: Eine Aluminiumtreppe, die sich geländerlos an die imposante Betonwand eines Kongresshauses im Schweizer Biel anschmiegt. Sie scheint eine in der Fassade eingelassene Tür mit einer zweiten im darüber liegenden Stockwerk zu verbinden. Doch die Türen sind Attrappen. Die Treppe bleibt losgelöst von ihrer ursprünglichen Funktion. Genau wie eine weitere Skulptur der beiden Künstler aus ihrer Serie „Beautiful Steps”, hier scheint die Treppe spiralartig im Raum zu schweben und ins Nirgendwo zu führen. Doch sie ist ebenfalls unnötig, eine reine Formsache und Kunst.

Beautiful Steps
Beautiful Steps

Aber auch in der Architektur sind Treppen nicht rein funktional sondern immer ein Dazwischen von Skulptur und Erschließung. Sie sind Entwurfsmerkmal und können dafür bestimmt werden, einen ganzen Raum zu dominieren. Was wäre das ovale Treppenhaus im Hauptgebäude der Uni Weimar ohne das markante Treppenauge von Henry van de Velde? So findet man sie als Gestaltungselement in der Geschichte sowie in zeitgenössischer Architektur immer wieder, etwa im Ruhr Museum das „glühende“ Treppenhaus von Rem Koolhaas. Oder die Mur-Treppe, von Klaus K. Loenhart und Christoph Mayr. 332 Stufen hoch, schraubt sie sich mit kantigen Windungen in die Höhe, doch ohne Podest. „Panoramisieren des Bildes“ nennen die Architekten dieses Prinzip, die Höhe ist nicht das Ziel, der Weg soll inszeniert werden.

All diese Treppen haben ihre eigene Magie, sie gibt es in der Kunst, in der Architektur, im Theater und im Film. Eine Auswahl dieser außergewöhnlichen Raumskulpturen in der BaunetzWoche #304 „Beautiful Steps“ zusammengestellt. Ein kleines Lesestück über die Schönheit einer Notwendigkeit.

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