Alte Kapelle in Devon

Sakrale Gemäuer treffen auf modernen Wohnkomfort

Im Westen von Devon, inmitten der malerischen Küstenlandschaft Englands, hat Tuckey Design Studio eine alte Kapelle zu einem geräumigen Wohnhaus für eine Familie umgestaltet: Dort, wo Menschen früher auf den Kirchenbänken saßen, lädt heute ein offener Wohnbereich zum Verweilen ein. Und dort, wo einst die Krypta verborgen lag, befinden sich nun behagliche Schlafbereiche.

Als einschiffige Kapelle Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, erfuhr der Sakralbau in den 1970er-Jahren seine erste Umnutzung zu einem Wohngebäude.
Das Kirchengrundstück ist von einer niedrigen Steinmauer umgeben. Der Gartenzaun an der Nordfassade ist mit Zierspitzen verziert.
Im ehemaligen Kirchenschiff lädt ein luftiger und offener Wohnbereich zum Verweilen ein.

Neu und Alt im Dialog

Als einschiffige Kapelle Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, erfuhr der Sakralbau in den 1970er-Jahren seine erste Umnutzung zu einem Wohngebäude. In den 1990er-Jahren erfolgten weitere Eingriffe, die jedoch weder einen gestalterischen, noch funktionalen Mehrwert für die historische Substanz des Bauwerks brachten. Ziel der Planenden war es deshalb, den ursprünglichen Charakter der Kapelle wieder erlebbar zu machen und gleichzeitig den Anforderungen an einen zeitgemäßen Wohnraum gerecht zu werden.

Das Kirchengrundstück umfasst eine Fläche von etwa 520 Quadratmetern. Niedrige Steinmauern begrenzen das Gelände und schirmen es von der ländlichen Straße sowie den benachbarten Gebäuden auf der Südwestseite ab. Der Haupteingang befindet sich an der Nordseite in einem kleinen Gebäudeflügel mit Giebeldach. Hier brachten die Planenden das Treppenhaus unter, um eine direkte Verbindung zwischen dem Wohnbereich im Hochparterre und dem Schlafbereich im Erdgeschoss zu ermöglichen. Ein neuer Anbau zwischen der südwestlichen Gebäudeecke und der steinernen Begrenzungsmauer schafft zusätzlichen Platz; frühere Anbauten aus den 90er-Jahren wurden im Zuge der Umbauarbeiten entfernt. Eine kleine Außentreppe entlang der Nordfassade führt neben dem auskragenden Eingangsbereich zu einem weiteren Zugang im Hochparterre.

Wohnen in heiligen Hallen

Im Innenraum entfaltet sich das Kirchenschiff als großzügiger und offener Wohnraum, in dem Küchen-, Ess- und Wohnbereich fließend ineinander übergehen. Die freigelegte Holzdecke ist weiß gewaschen, damit sie nicht zu schwer wirkt. Weiß gestrichene Balken akzentuieren Giebel und Traufe des spitzen Satteldachs. Schlanke, für neogotische Bauten typische Spitzbogenfenster bieten weite Blicke auf die umliegende Landschaft. Ein zentraler Holzofen grenzt Wohn- und Essbereich voneinander ab und bildet das Herzstück des luftigen Raumes. Zeitlose Designklassiker werden mit Möbeln im Landhausstil kombiniert und schaffen in der sakralen Gebäudestruktur eine gemütliche und wohnliche Atmosphäre. Eine hellblaue Sitzbank mit integrierten Schränken erinnert an traditionelles Kirchengestühl und somit an die frühere Funktion des Gebäudes. 

Im westlichen Teil des ehemaligen Kirchenschiffs befindet sich die offene Küche mit Kochinsel. An diesen Bereich des Wohnraums schließt eine großzügige Terrasse auf dem Dach des neuen Anbaus an, die über eine Außentreppe mit dem reich bepflanzten Garten verbunden ist. Über der Küche schufen die Planenden einen mit Holz vertäfelten Raumkörper, der Platz für ein weiteres Schlaf- und Arbeitszimmer mit eigenem WC bietet. Die Hochebene wird über eine ebenfalls neu hinzugefügte Treppe erschlossen, die sich ihren Weg durch den gemauerten Steingiebel bahnt – eine Reminiszenz an kirchentypische Kanzeln.

Im Erdgeschoss, das sich nach Süden hin öffnet, befinden sich die Schlaf- und Badezimmer. Dieser Gebäudeteil war ursprünglich die Krypta der kleinen Kapelle. Ein schmaler Flur verbindet die Bäder an der Nordseite mit den Schlafbereichen im Süden und Westen. An das Schlafzimmer im westlichen Gebäudeteil schließt ein geschützter Innenhof an, während die anderen drei Schlafzimmer direkten Zugang zu einer schmalen, nach Süden ausgerichteten Terrasse und dem umliegenden Garten haben. Eine ruhige Materialpalette aus Holz, Putz und Naturstein verleiht dem niedrigen Geschoss ein behagliches Ambiente. In die dicken Steinmauern sind Nischen eingearbeitet, die zusätzlichen Stauraum bieten und Platz für dezente Leuchten schaffen.

Zierbeschläge und Zierspitzen

Bei genauer Betrachtung fallen an den Türen und Fenstern im Innenraum dunkle Beschläge auf, die gezielte Akzente an den hellen Fenster- und Türflügeln setzen. Die Griffe und Drücker im oberen Geschoss weisen subtile Wölbungen auf und erinnern in ihrer Gestaltung an stilisierte Zierbeschläge. Neben ihrer primären Funktion als Tür- und Fensteröffner dienen diese in Form von besonderen Materialien, Farben, Oberflächen, Reliefs, Konturen oder anderen Applikationen auch als dekorative Elemente. Bei dem dunklen Material an den Griffen und Drückern in der alten Kapelle könnte es sich um Kupfer oder Eisen handeln, zumal Devon seit dem frühen 18. Jahrhundert bekannt für seine Kupfer- und Zinnproduktion ist. Zierbeschläge verleihen Räumen einen rustikalen und historischen Charme und dienen in Bezug auf die alte Kapelle sicherlich als Erinnerung an ihre frühere Funktion.

Im Außenbereich sind ebenfalls feine Verzierungen zu erkennen: Der Gartenzaun ist mit sogenannten Zierspitzen versehen. Diese sind typischerweise spitz zulaufend und können verschiedene Formen wie Kegel, Kugeln, Blumen oder andere Ornamente annehmen. Zierspitzen werden aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall oder Kunststoff gefertigt und können traditionell oder modern interpretiert sein. Ihre Hauptfunktion liegt in der ästhetischen Bereicherung und wird oft genutzt, um das Erscheinungsbild eines Objekts oder einer Struktur zu verschönern. -sms

Bautafel

Architektur: Tuckey Design Studio, London / Andermatt
Projektbeteiligte: Tuckey Design Studio, London / Andermatt (Innenarchitektur)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2022
Standort:
Devon, Großbritannien
Bildnachweis: James Brittain, Montreal (Fotos); Tuckey Design Studio, London / Andermatt (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Anforderungen an Torbeschläge

Torbeschläge

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Beschläge hatten ursprünglich nur den Zweck, einer Tür, einem Tor oder einem Portal eine Halterung zu geben, durch die sie mit dem Mauerwerk, der Bauöffnung oder einem Holzrahmen verbunden wurden (Tür in einem Fachwerkhaus in Quedlinburg).

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Grundlagen

Geschichtliche Entwicklung der Beschläge

Schmiedeeisen ist ein Material, das durch das Schmieden von Roheisen unter hohem Druck und Wärme entsteht.

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Materialien

Schmiedeeisen

Ein Türgriff ist der Oberbegriff für jegliche Form von Griffen, die zum Öffnen und Schließen von Türen genutzt werden. Im Bild: Historischer Türknopf mit Türklopfer

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Türbeschläge

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