Erweiterung der Hochschule in Bremerhaven

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Skulpturale Form aus Torfbrandklinkern

In die bestehende Hoftypologie des Campushofes „Karlsburg“ gliedert sich der Bibliotheks- und Erweiterungsbau ein und festigt diese zu einem städtebaulichem Leitbild, mit dem sich die Hochschule in das Stadtbild einbringen kann. Ausgehend von einer klaren Raumkante zum Stadtplatz „Am Hof“ entwickelt sich der Baukörper entlang der Columbusstraße zu einer plastischen Figur, die im Vorbeifahren als Faltung mit überraschender Raumtiefe wahrgenommen wird. Dadurch entsteht eine städtebauliche Torsituation und die Besonderheit eines Hochschulgebäudes kommt bildhaft zum Ausdruck.

Unmittelbar vom Eingangsbereich aus erreicht man die Bibliothek mit der gesamten Lese- und Freihandzone im Erdgeschoss. Die schräg verlaufende Hörsaaluntersicht erzeugt auf einfache Weise einen eindrücklichen Raum. Auf einer Zwischenebene, die theoretisch rund um die Uhr geöffnet sein könnte, liegen der Selbstlernbereich, das Sprachlabor, die Ausstellungsebene und Sitzecken der Bibliothek. Deren Unabhängigkeit innerhalb des Gebäudes wird durch einen Treppenberg unterhalb des Kopfgebäudes erzeugt, wo sich ein separater Eingang anbietet. Die Treppen außerhalb des Hauses sind nicht nur ein wichtiges Element zur Freiraumgestaltung, um das Gebäude in die Topographie der Brückenrampe einzugliedern, sondern auch Außenterrasse und Aufenthaltsort im Sommer. Ihre Pflasterung ist an die Fassadenklinker angepasst.

Das Raumprogramm der oberen Geschosse ist etagenweise einzelnen Funktionen zugeordnet. In der allgemeinen Seminarraumebene in der zweiten Etage liegt der Zugang zum Hörsaal. Die beiden folgenden Geschosse sind den Fachseminaren Labortechnik und Medizintechnik vorbehalten und die oberste Ebene beherbergt alle Büros. Dies erlaubt auch zukünftig Flexibilität bezüglich der Zuordnung und Verschiebung funktionaler Zusammenhänge.

Die Seminarräume sind konsequent nach Norden orientiert und verfügen daher über gute Lichtverhältnisse, eine geringe Aufheizung und minimale Lärmbelästigung. Der hervorgehobene Kopfbau beherbergt Sonderräume und sorgt für die Fernwirkung der Gebäudesilhouette. Auf eine Unterkellerung des Gebäudes wird verzichtet, da eine durchgehende Bodenplatte auf Pfahlgründung die wirtschaftlichste Lösung darstellte.

Mauerwerk
Die Struktur des Gebäudes besteht aus einem Skelett aus Stahlbeton mit Flachdecken, technische Sonderlösungen sind nicht erforderlich. Die sparsame Konstruktion mit durchgehenden Stützen und drei aussteifenden Kernen und die niedrigen Kosten für die Haustechnik erlaubten die Wahl eines besonderen Fassadenmaterials: Torfbrandklinker mit braun-schwarz-roter Färbung und lebhafter Struktur. Dieser Stein formt eine spannende Ziegelskulptur und ist besonders langlebig.

In die Ziegelhaut sind mehr oder minder große Fenster eingeschnitten, über die das lebhafte Innenleben besonders in den frühen Abendstunden in den Stadtraum getragen wird. Das Zusammenspiel der städtebaulichen Gestalt und der spezifischen Materialität führt zu einem signifikanten Baukörper, der langfristig wirken soll.

Bautafel

Architekten: Kister Scheithauer Gross, Köln/Dessau; Feldschnieders + Kister, Bremen
Projektbeteiligte: Grotkop und Partner Beratende Ingenieure des Bauwesens, Bremen (Tragwerksplanung); Bruns und Partner Beratende Ingenieure, Bremen (Haustechnik); Ing.-Büro für Bauphysik Heinrichs, Kerpen (Bauphysik); Ed. Züblin, Zweigniederlassung Bremen (GU); Wittmunder Klinker, Wittmund (Klinker)
Bauherr: Freie Hansestadt Bremen
Fertigstellung: August 2005
Standort: An der Karlstadt 8, Bremerhaven
Bildnachweis: W. Huthmacher, Berlin

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