Stadtbücherei in Helmond

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Ziegelfassade mit geklebtem Verblender und offenen Stoßfugen

Die Innenstadt der niederländischen Stadt Helmond nahe der deutschen Grenze wird derzeit neu gestaltet und umgewandelt. Als erster Baustein des Masterplans von Joan Busquets entstand die Stadtbücherei Helmond nach einem Entwurf der Münsteraner Architekten Bolles+Wilson.

In direkter Nachbarschaft zu den Baumhäusern und einem Theater nach Plänen des Architekten Piet Blom* formten und schrägten die Architekten die Hoffassade der neuen Stadtbücherei als Reaktion auf die umgebende Architektur aus den 1970er Jahren. Ein Café-Hof zwischen der neuen Stadtbücherei und den Bestandsgebäuden erweitert den Theaterplatz und bietet zusätzliche Aufenthaltsqualitäten.

Die Hauptansicht bildet jedoch die Fassade zur Straße. Hier befindet sich auch der Eingang in die Stadtbücherei. Auskragungen in den oberen Etagen sollen an Klammern bzw. Ohren erinnern und bilden zusammen mit dem großformatigen Schriftzug „Bibliotheek“ die Endpunkte des Baukörpers. Die Aufteilung der Fassade in Läden im Erdgeschoss, ein verglastes und zurückspringendes Zwischengeschoss und die durchgehende Ziegeloberfläche des obersten Bürogeschosses betont das horizontale Erscheinungsbild des langgestreckten Gebäudes.

Neben der Eingangssituation der Stadtbücherei nehmen Einzelhandelsflächen den größten Teil des Erdgeschosses ein. Die Läden sind mit vollverglasten Fronten zur Straße ausgerichtet. Der Zugang zur Stadtbücherei ist auch über den Café-Hof möglich. Eine Freitreppe führt vom Erdgeschoss in die Ausstellungsflächen der oberen Geschosse. Im ersten Obergeschoss ordneten die Architekten Informationspunkte, Bücherregale und den Kinder- bzw. Teenagerbereich um einen zentralen kreisrunden „Medien-Hotspot“ an, hier können digitale Medien in verschiedenen Varianten genutzt werden. Für die Gestaltung des Kreises wurde die Farbe Chinesisch-Rot gewählt. Im zweiten Obergeschoss sind weitere Handausleihbereiche und Leseplätze sowie Arbeitsplätze entlang der Straßenfassade angeordnet. In das Fensterband zum Hof und zu den Baumhäusern integrierten die Architekten eine lange Sitzbank und weitere Arbeitsplätze.

Mauerwerk

Das Gebäude sollte sich in Details und Materialien dem historischen Stadtzentrum von Helmond anpassen. Ziegel als Fassadenbaustoff zu wählen, lag deshalb sehr nahe. Die Architekten entschieden sich für zwei sehr unterschiedliche Ziegelarten und -verarbeitungsweisen.

Das Sockelgeschoss wurde mit beigen glatten Ziegeln verblendet. Insgesamt kamen drei verschiedene Höhen von 50, 100 und 140 mm zum Einsatz. Für den Eindruck von steinerner Solidität und Homogenität verzichteten die Architekten auf Mörtelfugen und ließen die Ziegel stattdessen verkleben. Für die Fassade der Obergeschosse hingegen wurde ein rauer dunkelbrauner Ziegel im langen Hilversum-Format von 50 auf 290 mm gewählt. Offene Stoßfugen und beigefarbene Lagerfugen betonen die Schichtung des Mauerwerks und unterstreichen zusätzlich die horizontale Gliederung des gesamten Gebäudes.

*Piet Blom (geb. 8. Febr. 1934 in Amsterdam; † 8. Juni 1999 in Dänemark) baute zwei Baumhauskomplexe in den Niederlanden einen in Rotterdam und den zweiten in Helmond.

Bautafel

Architekten: Bolles+Wilson, Münster in Kooperation mit Vrencken Hoen Architecten, Bunde
Projektbeteiligte: Adviesbureau Tielemans, Eindhoven (Tragwerksplanung); Peutz, Mook (Bauphysik); Huygen Installatie Adviseurs Maastricht (Haustechnik), Hagemeister, Nottuln (Backsteinklinker)
Bauherr: Stadt Helmond
Fertigstellung: 2010
Standort:
Watermolenwal 11, 5701 RV Helmond

Architektenprofil

BOLLES+WILSON

Surftipps

www.baunetz.de > Meldung über Blom Baumhäuser in Rotterdam

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