Schutzhütte in Laterns

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Zweischaliger Ortbeton mit Kerndämmung aus extrudiertem Polystyrol

Für ihr Grundstück am Rand eines steil abfallenden Skihangs im Vorarlberger Laternsertertal wünschte sich eine Familie ein kleines aber solides Ferienhaus aus Naturstein. Marte Marte Architekten aus dem benachbarten Weiler überzeugten die Bauherren jedoch von den Vorzügen einer massiven Betonkonstruktion, und so entstand ein skulpturales, turmartiges Gebäude, das sich wie selbstverständlich aus dem unverändert gebliebenen, abschüssigen Terrain erhebt. Die Schutzhütte, so lautet die Projektbezeichnung der Architekten, bildet mit ihrer streng orthogonalen Geometrie und hellgrauen Farbe im Sommer einen Kontrast zu den umgebenden Wiesen und Wäldern und im Winter zur weißen Schneelandschaft.

Der kleine, vierstöckige Turm mit einer quadratischen Grundfläche von fünf mal fünf Metern und flachem Dach wird über eine frei spannende Betontreppe erschlossen, die zur Eingangsebene im dritten Geschoss führt. Dieser als Negativform in den Baukörper eingeschnittene Außenraum dient gleichzeitig als wettergeschützter Eingangsbereich und als Terrasse mit großartigem Ausblick auf die Berglandschaft. Eine raumhohe, massive Eichenholztür führt direkt auf das Podest der Wendeltreppe, die den oberen Koch-, Ess- und Wohnraum mit den beiden unten liegenden Ebenen verbindet. Dort sind Schlaf- und Entspannungsräume sowie Bad und Dusche untergebracht. Insgesamt 87 m² Nutzfläche verteilen sich auf die drei Geschosse.

Die Betonfassade erhielt Zuschläge aus groben, kantigen Steinen, die durch das Bearbeiten mit Schremmhämmern zum Vorschein gebracht wurden, sodass eine an Naturstein erinnernde Oberfläche entstand. Der rauen Außenhülle stehen unterschiedlich große, wie eingestanzt wirkende Öffnungen mit glatter, tiefer Laibung gegenüber. Die Fensterrahmen sind von innen gegen einen Anschlag eingesetzt und daher von außen unsichtbar. Decke und Wände der Eingangsterrasse sind ebenfalls glatt geschalt, wodurch sie wie Schnittkanten wirken, und auch der Boden besteht aus Beton.

Im Inneren setzt sich die glatte Betonoberfläche fort. Dem Charakter einer Schutzhütte entsprechend ist die Innenausstattung einfach: Neben Wänden und Decken aus Sichtbeton sind die Böden und fast sämtliche Einbauten aus Eiche angefertigt, lediglich die Sanitärräume erhielten einen geschliffenen Estrichboden. Die an den Innenwänden aufgesetzten, übergroßen Fensterrahmen aus Eiche fassen unterschiedliche Blicke auf Bergmassive, Wälder und sanfte Hänge.

Wärmedämmung/Konstruktion

Die dreischalige Außenhülle des Ferienhauses besteht aus tragenden, 22 cm dicken Ortbetonwänden, die auf der Innenseite sichtbar belassen wurden, einer 18 cm starken Kerndämmung aus extrudiertem Polystyrol (XPS) und einer 21 cm starken Stahlbeton-Vorsatzschale. Der formbeständige, geschlossenzellige Dämmstoff XPS ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und eignet sich daher für Kerndämmungen.

Die Dämmung auf der Bodenplatte erfolgte mit 12 cm dicken, druckfesten Polyurethanplatten (PUR), die Geschossdecke über der Eingangsebene wurde ebenfalls mit 12 cm PUR gedämmt. Alle Böden erhielten 2 cm Trittschalldämmung und zusätzliche 4 cm Wärmedämmung aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS).

Das Flachdach mit einer Stahlbetondecke im Gefälle ist mit 20 cm hochfestem XPS gedämmt, ebenso wie der Boden der Eingangsebene. Als oberer Abschluss des Flachdachs sowie als Terrassenbelag dient ein 8 cm hoher Aufbeton.

Bautafel

Architekten: Marte.Marte Architekten, Weiler
Projektbeteiligte: Paul Frick, Rankweil (Tragwerksplanung); Manfred Gangl, Feldkirch (Haustechnikplanung HLS); Thomas Matt, Laterns (Elektroplanung); Bernhard Weithas, Lauterach (Bauphysik)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2011
Standort:
6830 Laterns
Bildnachweis: Marte.Marte Architekten, Weiler; Fotos: Marc Lins, Zuzwil

Architektenprofil

Marte.Marte Architekten

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