Zweifamilienhaus in Oberwil

Omnipräsente Treppe

Wie eine mehrstöckige Torte thront das symmetrisch terrassierte Doppelhaus im Schweizer Örtchen Oberwil auf einem dunklen Sockel. Es schmiegt sich in den flachen, begrünten Hang und bietet auf vier Geschossen Platz für zwei Familien. Geplant wurde der sandfarbene Bau von dem Basler Büro Caesar Zumthor Architekten. Entlang der Mittelwand verbinden filigrane, weiße Treppen die Geschosse.

Nach dem Passieren der Eingangstür wird man von einer Betontreppe begrüßt.
Ein Gleichgewicht aus massiven und filigranen Elementen prägt die Innenraumgestaltung.
Die filigranen Treppen der oberen Geschosse sind als Faltwerk ausgeführt.

Horizontal gegliederte Fassade

Seine massive Wirkung erhält der Baukörper nicht zuletzt durch die horizontal gegliederte Fassade. Auf ein dunkles, eingerücktes Erdgeschoss mit nahezu unsichtbaren Eingängen, folgt ein transparentes Geschoss, das die größte Grundfläche aufweist. Über der Fensterfront befindet sich die breiteste Stelle des Bauwerks, ein breites, friesartiges Brüstungsband, das durch den Vorsprung die Innenräume verschattet und zudem großflächige Senkrechtmarkisen aufnimmt. Ist der Sonnenschutz ausgefahren, lässt das Gebäude an eine verschachtelte, abstrakte Skulptur denken. Hinter der Brüstung ragen zwei weitere Geschosse hervor, die sich nach oben hin verjüngen und so mehrere Terrassen ausbilden.


Balanceakt zwischen massiv und filigran

Sowohl außen als auch innen ist das Gleichgewicht von massiv und filigranen wirkenden Elementen effektvoll austariert. An der Hauptfassade zeigt sich dieser Balanceakt anhand der großen Glasflächen, die mit dem dunklen Sockel und den geschlossenen Brüstungen kontrastieren. Die Innenräume sind geprägt durch das sichtbare Tragwerk mit mächtigen Betonstützen und -unterzügen, die den Räumen einen brutalistischen Touch verleihen. Dem entgegengesetzt sind die offenen Grundrisse und die filigranen Stahltreppen.


Minimalistische Materialpalette

Im Inneren dominieren die Farben Weiß und Grau. Wände und Decken sind größtenteils in Sichtbeton ausgeführt. Lunker und Spuren der Holzschalungen verleihen dem Beton eine dezente Textur. Sie harmoniert mit dem hellgrauen, dunkel gesprenkeltem Gussboden. Die übrigen Wände sind entweder weiß gestrichen oder punktuell mit hellem Holz verkleidet, aus dem auch die Türen gefertigt sind. Ein wiederkehrendes Element sind große Spiegel, die im Bad und in den Wohnräumen unerwartete Sichtbezüge herstellen. 

Weiße Faltwerktreppe

Funktional und zugleich dekorativ sind die Treppen des Wohnhauses. Sie liegen alle an der zentralen tragenden Wand, die das Gebäude in zwei Hälften teilt. Vom Erd- ins erste Obergeschoss führt eine viertelgewendelte Betontreppe, deren Läufe roh belassen wurden. Die Stufen erscheinen wie aus einem Guss, ganz ähnlich der Wand, in der sie verankert sind. Während die ersten fünf Steigungen als massiver Block ausgeführt sind, wurde unter dem restlichen Treppenlauf ein Schrank mit weißen Fronten integriert.


In den oberen Geschossen wechselt das Material der Treppen. Statt Beton kommt hier weiß lackierter Stahl zum Einsatz. Die dreiläufige Konstruktion ist als Faltwerk ausgeführt, das in der Wand verankert ist und zum Teil durch einen seitlich platzierten Holm gestützt wird. Als Absturzsicherung fungiert ein filigranes Staketengeländer aus Metall, das in derselben Farbe wie die Stufen gehalten ist. Belichtet wird das Treppenhaus über ein großzügiges Oberlicht. -np

Bautafel

Architektur: Caesar Zumthor Architekten, Basel
Projektbeteiligte: Caesar Zumthor, Sven Flanderka, Michal Rogucki, Nathalie Birkhäuser (Projektteam)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2022
Standort: 4104 Oberwil, Schweiz
Bildnachweis: Karina Castro, Mailand (Fotos); Caesar Zumthor Architekten, Basel (Pläne)


Fachwissen zum Thema

Faltwerktreppe im Berlin Institute for Medical Systems Biology

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Faltwerktreppe mit Brüstungsgeländer aus Stahl im Hotel Lamaison in Saarlouis.

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Geländer

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