Zerstörungsfreie Betonprüfung

Im Vorfeld von Instandsetzungen und Umbauvorhaben, aber auch zur Qualitätssicherung bei Neubauten bedarf es einer Untersuchung der Betonteile, insbesondere der tragenden. Zerstörungsfreie Prüfverfahren (ZfP) liefern Informationen über die Betonqualität, die Bewehrung und mögliche Schäden, ohne dass dazu Proben entnommen oder Bauteile beschädigt werden müssen. Darüber hinaus lässt sich Zeit und Geld sparen im Vergleich zu destruktiven Methoden.

Zur Instandsetzungsplanung werden Risse kartiert.
Ein Profometer misst die Betonüberdeckung und hilft bei der Lokalisierung von Bewehrungsstäben.
Mithilfe von Ultraschall-Impulsen, deren Echos und der Geschwindigkeit der Schallwellen können Fehlstellen detektiert sowie Homogenität und Festigkeit abgeschätzt werden.

Qualitätskontrolle bei Neubauten

ZfP kommen bereits auf der Baustelle zum Einsatz. Mit der Reifemessung wird zum Beispiel die Druckfestigkeit von jungem, noch erhärtendem Beton abgeschätzt und nach dem Ausschalen gilt es, die planungsgemäße Ausführung zu validieren und sicherzustellen, dass die Bauteile den Anforderungen entsprechen. Überprüft wird zum Beispiel, ob:

  • die Form bzw. die Abmessungen der Bauteile korrekt sind
  • die Betondeckung den Vorgaben entspricht
  • die Bewehrung wie geplant ausgeführt wurde

Untersuchung des Bestands

Für den Erhalt von Bauwerken ist eine kontinuierliche Zustandsbewertung sinnvoll. Mit ihrer Hilfe lassen sich Schäden frühzeitig erkennen und beheben, bevor etwa die Gebrauchstauglichkeit oder Standsicherheit gefährdet sind. Auch nach einer Instandsetzung muss der Bauwerkszustand weiter beobachtet werden. Zu verfolgen ist dabei u.a., wie gut der Verbund von Bestandsbeton und Instandsetzungsmaterial hält.

Bei der Untersuchung wird beispielsweise diesen Fragen nachgegangen:

  • Wo liegt die Bewehrung im Stahlbeton und in welchem Zustand befindet sie sich?
  • Wie stark ist die Betondeckung?
  • Wie hoch ist die Druckfestigkeit des Betons?
  • Gibt es eine Entwässerungsvorrichtung?
  • Wurde der Beton ausreichend nachbehandelt?

In Tabelle 1 im ersten Teil der Technischen Regel Instandhaltung von Betonbauwerken (TR Instandhaltung) ist aufgeführt, welche Kriterien und Untersuchungsmethoden zur Erfassung und Bewertung des Ist-Zustandes von Bauteilen und Bauwerken geeignet sind.

Methoden

Offensichtliche Schäden wie Risse, Abplatzungen oder Verfärbungen lassen sich schon bei einer einfachen visuellen Inspektion mit Farbskala und Messlehre erkennen. Sie sollte allerdings nur der erste Schritt einer Betonprüfung sein. Noch mehr Auskunft liefern Messgeräte. Bei bildgebenden Verfahren, erzeugt eine Software anhand der Messdaten zwei- oder dreidimensionale Bilder des Bauteilinneren, die sich am Computer oder sogar am Smartphone analysieren lassen.

Folgende ZfP sind besonders geläufig:

  • Rückprallprüfung
  • Kugelschlagprüfung
  • Potentialfeldmessung
  • (Infrarot-)Thermographie
  • Ultraschall-Tomographie
  • Radarverfahren
  • Wirbelstromverfahren
  • Magnetisches Wechselfeldverfahren
  • Wenner-Verfahren

Obwohl diese Verfahren als „zerstörungsfrei“ bezeichnet werden, bedeutet das nicht, dass es zu keiner Beschädigung der Betonoberfläche kommen kann. Rückprallprüfungen hinterlassen beispielsweise kleine Dellen und für eine Potentialfeldmessung muss an einer Stelle die Bewehrung freigelegt werden. Entscheidend ist, inwieweit dadurch Gebrauchstauglichkeit und Tragverhalten beeinträchtigt werden. Eventuell sind weitere technische Vorgaben und Kriterien der Bauherr*innen zu beachten.

Literatur: S. Steiner, M. Auras, F. Faist, C. Heese „Monitoring von Maßnahmen zur behutsamen Betoninstandsetzung von national bedeutsamen Baudenkmälern der Nachkriegsmoderne“; Abschlussbericht zum von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsvorhaben (DBU-Az.: 35625/01); Wiesbaden, Mai 2023

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