Zentrum für Darstellende Künste in Brighton

Handgefertigte Ziegel und Feuerstein

Im südenglischen Brighton, nur wenige Meter entfernt vom Ufer des Ärmelkanals, schuf das niederländische Architekturstudio KRFT einen skulpturalen Neubau für das seit 1845 bestehende Brighton College. Die für ihre lange Theatertradition bekannte Schule widmet das neue Zentrum den darstellenden Künsten und integriert den bestehenden Campus geschickt in den Entwurf.

Die Gebäudekubatur reagiert auf den Standort, spiegelt aber auch das Raumprogramm wieder.
Der Entwurf für den skulpturalen Neubau für die Darstellenden Künste des Brighton College stammt vom amstadamer Architekturbüro KRFT.
Das Gebäude besticht durch seine extravagante Form und den schonungsvollen Umgang mit dem historischen Bestand.

Bereits 2010 entstand unter der Schulleitung Richard Cairns – der dem Neubau seinen Namen gab – einen Masterplan zur Campuserneuerung. Das Performing Arts Centre (PAC) bildet den Abschluss dieses 15 Jahre andauernden Vorhabens, in dessen Rahmen 13 neue Gebäude entstanden. Zu den markantesten zählen die School of Science and Sport von OMA, die Music School von Eric Parry, ein Internatsgebäude von Allies and Morrison sowie ein Unterrichtsbau von Hopkins.

Der Neubau ersetzt mehrere provisorische Anbauten am benachbarten Hauptgebäude des Colleges: Das denkmalgeschützte, neugotische Gilbert-Scott-Gebäude entstand zu Gründungszeiten der Schule und bildet das Herzstück des Campus. Daneben eine selbstbewusste eigene Architektursprache zu finden, die den Bestand wiederum nicht bedrängt, war die anspruchsvolle Aufgabe des 2019 ausgelobten Wettbewerbs, den KRFT für sich entscheiden konnte. Bis zum Bauantrag betreute das Büro den Entwurf und arbeitete dabei mit Nicholas Hare Architects zusammen, das ab der Ausführungsplanung bis zur Fertigstellung übernahm; KRFT begleitete den Entwurf jedoch weiterhin. 2022 begann die Bauausführung, nur zwei Jahre später konnte das Gebäude fertiggestellt werden. 

Von Brightons Kreideklippen inspiriert

Das Grundstück ist von drei Seiten umbaut: Im Süden grenzt das denkmalgeschützte Hauptgebäude an, im Osten und Westen weitere Bildungsbauten, die 2016 und 2017 fertiggestellt wurden. Um die Bedeutsamkeit des Bestandes hervorzuheben, entschieden sich die Architekt*innen dafür, den Neubau gänzlich vom Bestand abzugrenzen. 

Der kompakte, massige Baukörper hat eine annähernd quadratische Grundfläche. Mehrere konkave Einschnitte an der Nord- und Südseite, die überdachte Außenräume entstehen lassen, sowie das ebenfalls ausladend geschwungene Dach nehmen dem Gebäude jedoch einen Teil seiner Schwere. In Kombination mit der Hülle aus hellgrauen Ziegeln mit gleichfarbigem Mörtel erhält es vielmehr eine monolithische, felsenartige Erscheinung. Den Architekt*innen zufolge dienten ihnen die Kreideklippen Brightons als Inspiration. Die Fassade ist zugunsten der inneren Nutzung weitgehend geschlossen. Nur das Erdgeschoss ist fast vollständig verglast. Weitere Fenster, die Ausblicke auf den Sportplatz und den Vorplatz bieten, finden sich zudem an der nördlichen und östlichen Seite. 

Das Performing Arts Centre schafft nicht nur in seinem Inneren Raum für die Schüler*innen, sondern auch durch halböffentliche Bereiche im Außenraum. durch die Einschnitte und das Zusammenspiel mit den Nachbargebäuden entstehen schmale Gassen oder überdachte, abgesenkte Bereiche.

Innere Organisation

Der Schulbau erstreckt sich über vier Ebenen, eine davon unterirdisch. Vom offen gestalteten Erdgeschoss führt eine zentral angeordnete, breite Sitztreppe nach oben. Der Theatersaal mit 400 Plätzen, der zugleich auch als Aula der Schule dient, befindet sich im zweiten Obergeschoss. Er ist von außen an den massiven, geschlossenen Wandflächen ablesbar. Für Passanten größtenteils verborgen bleiben hingegen die Übungsräume im Untergeschoss. Transluzente Oberlichter im Boden des Campusgeländes lassen nur erahnen, was sich darunter verbirgt. Diese teilweise zweigeschossigen Räume werden zum Proben für Musik, Tanz und Theater genutzt und bieten den Schüler*innen die nötige Privatsphäre. Das Untergeschoss ist baulich mit dem Bestand verbunden.

Die Innenräume sind mit warmen Holztönen gestaltet, die einen Kontrast zur grauen Fassade bilden. Der Theatersaal ist mit Walnussholz verkleidet und mit jadegrünen Polstersitzen ausgestattet. Ein rundes Oberlicht sorgt für Tageslicht bei den Proben.

Fassade aus Ziegel und Flint

Das hellgraue Verblendmauerwerk wurde aus besonders schmalen, langen Ziegel im schleppenden Läuferverband erstellt. Fassaden und Dachflächen sowie Untersichten sind mit dem Stein bekleidet, was die monolithische, skulpturale Erscheinung des Gebäudes erzeugt. Verstärkt wird dies noch durch die bündig gebürsteten Mörtelfugen. An den konkav geschwungenen Außenwänden und Dachflächen ergibt sich ein stufenartiges Bild der Ziegelreihen. Dadurch werden diese Bereiche optisch betont und wirken als dekoratives Element. Sie wurden aus gewölbten Beton-Fertigteilen hergestellt, in die die Ziegelsteine eingebettet wurden.

Die Ziegel greifen zudem die Grautöne des umliegenden historischen Flintmauerwerks auf. Im Sockelbereich des Neubaus wurden einzelne Flintsteine eingesetzt, die sich von Reihe zu Reihe weiter aufzulösen und in die Ziegel überzugehen scheinen bis sie schließlich nur noch ganz vereinzelt in der Fassade zu finden sind.

Die Kombination aus Ziegel und Flint bietet, so KRFT, die nötige Widerstandsfähigkeit gegen das raue Küstenklima und greift regionale Bautraditionen auf. Diese Details zeigen den sensiblen Umgang mit der Umgebung und die Wertschätzung des historischen Bestands. Das Gebäude erhielt die BREEAM-Zertifizierung „Exzellent“ – die zweithöchste Stufe des Systems.

Bautafel

Architektur: KRFT, Amsterdam (Entwurf); Nicholas Hare Architects, London (ab Ausführungsplanung)
Bauherr*in: Brighton College
Beteiligte: Momentum, London (Tragwerk); Skelly and Couch, England (TGA); Gilbert Ash, London (Generalunternehmer); Elliot Patten (Projektmanager); Sound Space Vision/Imagine Sound, Richard Borkum, Arno Acoustics, Inventive Creative Limited, Gavin Sadler (Theater- und Akustikplanung); Bradley-Hole Schoenaich (Landschaftsplaner); Samira Boon (Akustik-Künsterlin); Davies Baron (Interiordesign); The Fire Surgery (Brandschutz); Eight Associates (BREEAM Gutachter*in)
Fertigstellung: 2024
Standort: Brighton and Hove, Großbritannien
Bildrechte: Stijn Bollaert (Bilder); KRFT, Amsterdam (Pläne)

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