Wohnsiedlung Huebergass in Bern

Gasse als Gemeinschaftsraum, Dach als Retentionsfläche

Wie in vielen anderen Städten ist bezahlbarer Wohnraum in Bern ein knappes Gut. Die Stadt hat sich daher entschlossen, ein Gartenareal aus ihrem Eigentum freizugeben, um Platz für eine neue Siedlung und einen Park zu schaffen. Den Verantwortlichen war es wichtig, dass die neue Siedlung im Stadtteil Holligen sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig ist. Das Ergebnis ist eine sechsteilige Wohnanlage, die sich harmonisch in das bestehende Umfeld einfügt und einen städtebaulichen, architektonischen und gesellschaftlichen Mehrwert bietet.

Im Süden befindet sich ein partizipativ geschaffener und betriebener Park.
Zentrale Gasse für vielfältige Aktivitäten
Wäsche aufhängen, Spielen, Lesen und vieles andere ist hier möglich.

Treffpunkt Gasse

Ein altbekanntes Konzept verleiht dem Projekt seine einzigartige Note: die Gasse zwischen den viergeschossigen Häusern. Nördlich aufgereiht sind drei Baukörper mit je zwei Eingangsbereichen, an der Südseite formen zwei unterschiedlich abgewinkelte Gebäuderiegel den öffentlichen Raum. Als Rückrat der Siedlung verbindet die Gasse gemeinschaftliche, halböffentliche und private Bereiche: Hier kreuzen sich die Wege und es ist der perfekte Ort, um sich zu treffen.


Gleich große Zimmer

Alle Wohnungen orientieren sich in zwei Himmelsrichtungen – das hat positive Auswirkungen auf das Raumklima, die Belichtung und Behaglichkeit. Die meisten Wohnungen verfügen über viereinhalb bis fünfeinhalb Zimmer. Es gibt auch kleinere Einheiten sowie eine Clusterwohnung mit bis zu acht Zimmern. Weil die Zimmer gleich groß sind, ist je nach Bedürfnis und Lebensmodell die Nutzung flexibel.


Partizipativer Park

Das Juwel des Quartiers ist eine Parkanlage im Süden. Sie steht allen offen und ist ein Ort mit vielfältigen Angeboten für unterschiedliche Bedürfnisse. Der öffentliche Grünraum entstand als Gemeinschaftsprojekt, moderiert von einem engagierten Siedlungsgärtner. Ideen und Initiativen der Anwohnerschaft flossen in die Gestaltung mit ein. Der partizipative Park bietet Freiraum zum Entspannen, Genießen, Lernen und Entdecken.


Flachdach mit Retentionsschicht

Eine massive Betondecke von 220 mm, die ohne jegliches Gefälle verlegt wurde, bildet die unterste Schicht. Auf dieser ruht eine 200 mm starke, höchst effiziente Wärmedämmung. Über einer 60 mm starken wurzelfesten Abdichtungsbahn wurde ein Filtervlies als zusätzliche Schutzlage aufgebracht. Eine Besonderheit ist die 100 mm hohe Retentionsschicht, welche durch ihren Aufbau eine erhöhte Regenwasseraufnahme ermöglicht.

Bautafel

Architektur: GWJ Architektur, Bern
Projektbeteiligte: Eva Herren, GWJ (Projektleitung); ORT für Landschaftsarchitektur, Zürich (Landschaftsarchitektur); Bill Weyermann Partner, Koppigen (Tragwerksplanung); Siplan, Bern (Brandschutz); Marc Rüfenacht Bauphysik & Energie, Bern (Akustik / Bauphysik); Climeco, Bern (Heizungs- Lüftungs- Sanitärplaner); Geotechnisches Institut, Bern (Geologie)
Bauherr/in: Immobilien Stadt Bern
Fertigstellung: Dezember 2020
Standort: Huebergass, 3008 Bern, Schweiz
Bildnachweis: Damian Poffet, Bern und Susanne Goldschmied, Bern

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